Quingarder Marktplatz

  • Sie ist schon an vielen Orten gewesen. Von den kleinsten Kuhdörfern (wie ihre eigene Heimat), zu losen Weilern, Flussdörfern, Hafenstädten, Metropolen... Das Reiseleben hat es gut mit ihr gemeint. Sie war sogar schon einmal in einem Dorf gewesen, dass gerade erst in Entstehung war. Eine verlassene Stadt, die wiederaufgebaut wird, ist jedoch eine ganz neue Erfahrung. Rattenplagen sind jedoch, wo sie auch geschehen, überall gleich.


    "Ich sage ja nur. Wenn man sie lange genug brät, kann man sie essen." Der Obsthändler seufzt, selbst als er die Halbkupfer annimmt und zwei kleine, grüne Äpfel an die Frau reicht, die nun schon seit geschlagenen zehn Minuten über die kulinarischen Vorteile von Rattenfleisch schwatzt. "Es würde doch gleich zwei Probleme lösen, nicht? Für Fleisch ist gleich gesorgt, und man kann gegen all die Viecher vorgehen."


    Die Äpfel werden in ein Tuch geschlagen und in eine lädierte Ledertasche gelegt. Das Fräulein - falls man sie denn als solches bezeichnen möchte - blinzelt ein, zweimal bevor sie dem Händler ein breites Lächeln schenkt. "Was meinst du denn dazu?"


    "Was soll ich schon davon halten? Hungersnot seh' ich noch nicht. Vielleicht ein Hüngerchen. Und ich kann mir nich' vorstellen, dass die feinen Herren Ratten zu essen beginnen." Er schüttelt den Kopf und winkt ab. Deutet dabei sogar auf einen der feinen Herren, der da in Holzschuhen über den Marktplatz eilt, in Richtung des Löschteiches. "Ich sag dir was, Mädel. Halt den Vorschlag bei dir, bis es wirklich dringend ist. Die suchen doch schon nach der Ursache der Plage, und bis dahin gibt es guten Fisch zu essen, ehe die Ernten eingefahren werden."


    Eddie, die zuerst die Backen aufgeblasen hat, als ihre tolle Idee weg gewunken wurde, seufzt etwas. "Sie hätten ja nicht wissen müssen, was für Fleisch es ist...", murmelt sie noch kurz, aber der Händler rollt nur mit den Augen. "Na gut, na schön. Aber wenn die Not da ist, denk an meine Worte!" Das Schmollen hält nicht lange an, und schon lächelt sie wieder. "Wenn der Hunger kommt, ist man schnell weniger wählerisch. Selbst der feinste Herr." Hier gickelt sie mit einer Hand vor dem Mund, damit keiner der "feinen" Herren an der Bastion Anstoß an ihr nehmen können.


    "Dafür muss aber vieles den Bach runtergehen", grummelt der Händler, während er nun einige Kirschen abwiegt. "Hör mal, wenn du mit den Rattenproblem helfen willst, musst du dich nur an die richtigen Leute wenden. Du weißt ja, die Papierschieber. Da verdient man sicher die ein oder andere Münze. Und Arbeiter können sie hier gut gebrauchen."


    "Oh, das ist mir schon klar. Die Hälfte der Häuser noch unbelegt, und keines fertig hergemacht. Und ich suche Bekannte, die hier schon ihr Lager aufgeschlagen haben. Und vielleicht bleib ich sogar ganz hier. Ich halte mich da ganz an die Zackenberger." Der Blick des Händlers wird skeptischer, denn Eddie sieht nicht so aus, als würde sie mit solchen Leuten herumbandeln. Sie hat sich zwar für das Turnier fein hergemacht, allein weil sie die Anwesenheit von Andergaster' Männer fürchtete, aber hier, weg vom Turnierplatz, hat sie sich wieder in vernünftige Kleidung gesetzt, gerade weil sie sich auch die ersten paar Tage in der Umgebung umgesehen hat. Und ihre Reisekleidung spricht von knapper Münze und ist generell eher unansehnlich, so dreckig wie die Schuhe alleine sind. Die dunklen Locken sind mit einem braunen Tuch aus dem Gesicht gebunden, und ihre Taschen sind mit ihrem Besitz gefüllt - sie hat sich noch nicht fest niedergelassen.


    "Nun, viel Glück dir dann dabei." Und damit reicht er ihr das halbe Pfund Kirschen.


    "Das werde ich schon haben!" Ein letztes, fast schon verschwörerisches Lächeln, ehe sie sich vom Stand abwendet und einen Platz zum essen und kirschkernspucken sucht.


    (Eddie is in the town!)

  • Nebbi

    Hat das Label Kelemthal hinzugefügt
  • Auch Lechdan war wie immer auf den Straßen unterwegs, immer auf der Suche nach einer neuen guten Geschichte für den Zackenberger Kurier. Beim Gespräch des Obsthändlers war er - bewusst - nicht allzu weit weg gewesen. Als diese sich anschließend gelöst hatte, ging er eiligen Schrittes auf sie zu.


    "Werte Dame, entschuldigt. Darf ich kurz stören? Ich konnte nicht umhin eure Idee zu hören und wollte euch da über die Details eures - Plans - ausfragen. Ist das gestattet?"


    Er machte eine kleine Verbeugung, ehe er sich vorstellte.


    "Lechdan Daske, sehr erfreut"

  • Weit ist sie ja nicht gekommen - gerade erst hat sie sich entschlossen in Richtung eines Hauseinganges gemacht, der eine behagliche Stufe aufweist, auf der es sich sicherlich bestens im Sonnenlicht sitzen lässt. Und im ersten Moment wirkt es sogar so, als hätte die Frau sich dazu entschlossen, Lechdan zu ignorieren! Als sie sich dann jedoch zu ihm umdreht, ist ihr Blick eher verwirrt als verärgert darüber, angesprochen worden zu sein.


    "Meinst du mich?" Geht sie lieber noch einmal sicher. Selbst wenn sie Kleider trägt, wird sie kaum als Dame angesprochen, sondern als Weib, wie es sich gehört. Ihre Mundwinkel zucken auch schon hoch, sichtbar amüsiert. "Du musst mich nicht Dame nennen. Damit schimpfst du nur denen, die welche sind!" Der Blick huscht kurz zurück zur Bastion und den Herren, die dort unter dem Sonnentuch sitzen. Ihr Gesicht hellt sich merklich auf, als der ihr Fremde dann seine Frage stellt. Hinter Lechdan, für Eddie gut sichtbar, als sie ihm über die Schulter schaut, schüttelt der Obsthändler überdeutlich den Kopf und macht abbrechende Gesten.


    Nicht, dass Eddie sich davon stören lässt. Die dunkelhäutige Frau mustert den Stelz vor ihr mit kaum verhohlener Freude, während ihre Hände geschäftig die Kirschen in ihre Ledertasche ablegen. Bis auf eine, mit der gestikuliert wird. "Natürlich kannst du mich ausfragen. Und ich bin Eddie. Das ist ein Kürzel."


    Ohne weiter darauf einzugehen, für was dieses Kürzel steht (immerhin kennt nicht einmal Khaid ihren ganzen Namen, und darum ist sie auch heilfroh), streckt sie ihm die Hand zum Einschlagen hin, ehe sie den Mann kurzerhand weiter vom Obststand wegführt. Und auch weiter von dem Sonnentuch an der Bastion weg. "Bist du für die Ratten verantwortlich? Also, für das Beseitigen? Oder warum willst du mir Fragen stellen?"

  • "Natürlich meine ich dich.", schnell wechselte er in die Du-Form. "Ich bin sehr erfreut, deine Bekanntschaft zu machen, Eddie."


    Mit kleinem Schwung schlug er in die Hand ein, sodass es leicht klatschte.


    "Verantwortlich kann man nicht direkt sagen. Aber ich versuche immer auf alle Probleme vorbereitet zu sein. Und ganz ehrlich? Ich würde gerne einfach mehr über deinen Vorschlag hören. Woher hattest du diesen Geistesblitz? Ich meine, es klingt gewagt aber durchaus auf alles vorbereitet zu sein ist ja keine Schande! Von wo kommst du eigentlich?"


    Mit einem Blick über der Schulter folgte Lechdan dem Blick Eddies zum Obsthändler. Bei seinen abwehrenden Geesten musste er kurz schmunzeln, ehe er wieder fragend zurück sah.

  • Für einen Moment zögert sie auf die letzte Frage hin. Die Kirsche landet in ihrem Mund, und die Finger winden sich in einer nervösen Geste um einen Zipfel ihres Hemdes. "Andergast", sagt sie letztendlich und hebt dabei das Kinn fast schon herausfordernd. Zwar hat sie schon den ein oder anderen andergast'schen Auswanderer getroffen, die sich den strengen Gesetzen entzogen haben, aber die Furcht, einem Mann zu begegnen, der sie zurück an den Herd zu prügeln versucht, ist tief verankert. "Aber da war ich schon lang nicht mehr. Bin viel herum gekommen." Ihr Kopf neigt sich zur Seite, ehe sie ihn ganz wegdreht, um den Kirschkern mit geübter Zielgenauigkeit in eine Spalte zwischen dem Kopfstein zu spucken.


    "Und die Idee ist ja auch eine ganz einfache. Es gibt noch keine festen Handelsabkommen mit den Nachbarn, und die Leute sind noch nicht lang genug hier, um Vieh oder sonstiges gut anzuzüchten. Was auch immer übrig geblieben ist von den ehemaligen Ernten kann sich kaum gehalten haben, und bei der Flucht konnte niemand großartig was mitnehmen." Der Blick trübt sich kurz und sorgenvoll, als sie die Flucht erwähnt. Nicht schmerzlich, wie jemand der dabei gewesen ist (bei der zweiten Flüchtlingswelle zumindest - sie kann nur froh sein, dass Stordans Wunde anscheinend gut abgeheilt ist), sondern mit einem gewissen Abstand. Der Moment verflüchtigt sich jedoch zügig.


    "Das passiert auch manchmal auf Schiffen, bei längeren Überfahrten. Wenn das Proviant fault oder so. Da verschätzt man sich schnell. Da isst man, was übrig bleibt. Ratten lassen sich doch leicht fangen, und im Überfluss gibt es sie hier auch! Und wenn man für zehn Rattenschwänze den Kindern einen Kupfer anbietet, sind die auch schnell dabei. Gerade, wenn es sie satt macht. Von Fisch allein kann doch keiner leben!" Sie grinst verschmitzt und sieht zum hoch beladenen Fischkarren. "Ist zwar alles keine Schweinshaxe, und keine langfristige Lösung, und ich bin mir relativ sicher dass die feinen Herren nichts davon wissen wollen, aber für den Rest wäre das doch eine gute Möglichkeit, neben Rüben und Grieß auch noch etwas Fleisch auf den Teller zu bekommen."


    Sie blickt nun erwartungsvoll zu Lechdan, während sie nach einer weiteren Kirsche angelt.

  • "Andergast, oh wie... schön? Nein... tut mir Leid. Da kann ich einfach nicht Praios betrügen. Ich finde Andergast stinkt... und ist rückständig... und... ach was solls. Tut mir Leid, ich wollte dich nicht beleidigen! Ganz im Gegenteil wirkst du, um ehrlich zu sein. Sicher, dass du nicht woanders herkommst?"


    Lechdan zog ein kleines Notizbuch hervor, und kramte einen Kohlestift aus der Tasche mit welchem er eifrig ein paar Notizen schrieb. Ein Blick herüber lässt aber nur erahnen was es heißen soll. Entweder ist seine Handschrift einfach unleserlich oder er verwendet Hyroglyphen.


    "Das ist eine vortreffliche Idee Eddie, ich werde mal sehen, dass ich das vielleicht nicht sogar publik mache, bei solch einer grandiosen Idee!"


    Dabei machte er eine vorstellende Handbewegung, ganz so als ob er etwas in die Luft malen würde.


    "Problem gelöst - Andergaster Weltenbumlerin löst Hungerprobleme, Untertitel: Ratten verlassen den sinkenden Hunger!"