In fremden Landen

  • In fremden Landen


    Geschickt vom Reichserzmarschall zur Erkundung von Mythodea und zur Verbesserung oder Schaffung diplomatischer Beziehungen, kam Xandros am 27. des Rahjamondes am Turneyplatz der Zackenberger an. Stordan war selbigst nicht anzutreffen, wo er wohl war? Ein gewandter Herr namens Dorian Fuxfell (er schien wohl dem Herrn Phex wohlgesonnen zu sein und hatte das Amt eines Vogtes inne?!) nahm sich seiner an, teilte ihm einen Platz für Zelt und Pferdekarren zu.


    Er sollte sich außerdem schon einmal beim Hauptmann und Heerführer Antonius von Zackenberg melden.


    Na prima, das fängt ja schon mal gut an, wieder keine vernünftige Unterkunft nach der viel zu langen Überfahrt, die mit insgesamt 12 Wochen länger dauerte als üblich. Ein Zeichen der Zwölfe? Nein, es waren vermutlich unfähige Seefahrer...“


    Xandros baute, wie schon früh an der Wehrheimer Akademie für Strategie und Taktik erlernt, das Offizierszelt auf und machte es sich gemütlich. Durchaus sehr gemütlich, nicht nur eines Offiziers sondern eines sehr edlen Ritters würdig. Xandros hatte zwar während des 5. Rondramondes 1025 den Ritterschlag erhalten, aber über rondragefällige Taten war wenig bekannt. Er redete auch nicht gerne darüber.


    Geh nach Mythodea haben sie gesagt, das wird ein Abenteuer haben sie gesagt, dort wird es dir gut gehen haben sie gesagt!“


    In Gedanken versunken legte er noch den letzten Teppich aus, um es sich gemütlich zu machen. Truhen, Regal, Bett und die Tafel standen im Zelt, Zeit für den angenehmeren Teil. Als er aus seiner Schwrämerei für ein gutes, zwergisches Bier gerissen wurde mit den Worten:


    Werter Herr Wohlgeboren, mir wurde gesagt man könnte Unterkunft bei euch finden für die zwo Nächte der Turney!“


    Halb erschrocken drehte er sich um und sah in die Augen einer illustren Gestalt, der eines Barden. Xandros Gedanken stockten, wieder nichts mit Ruhe. Sollte er ablehnen und sich gleich von Anfang an unbeliebt machen? Nein. Er lud den Barden – Kaspar, wie sich im weiteren Gespräch herausstellte – ein doch zu bleiben. Außerdem war er die letzten Wochen schlechtere Gesellschaft gewohnt gewesen. Dazu stellte Xandros fest, als der Barde seine Habseligkeiten im Zelt unterbrachte, dass er kaum vernünftige Ausrüstung am Mann hatte um die Nacht wohlbehütet zu überstehen. So gab er sich einen Ruck, gab dem Barden für die Nächte nicht nur Unterkunft sondern auch Decken und ein Fell. Speis und Trank bot er ihm ebenfalls an.


    Behandle deinen Gast, wie du behandelt werden willst!“, dachte sich Xandros und schenkte zum Trinken ein. Er lauschte den Erzählungen des Barden und begann wieder zu Tagträumen.


    Ach du ‚schönes‘ Gareth, was habe ich mir da angetan. Die ‚Welt‘ hier steht Kopf, nichts ist so, wie ich es gewohnt bin. Hier wo ich keinen Kenne, nun gut, Stordan aus alten Zeiten... aber das ist fast 15 Götterläufe her. Ob er mich beim ersten Anblick zu erkennen vermag?


    Den Topfschnitt hatte er seit Wehrheim abgelegt,


    um bei höfischen Adligen nicht zu ‚streng‘ rüberzukommen,


    den Barte hatte er sich auf Anraten seines früheren Hauptmannes wachsen lassen.

    Das kommt gut bei den Ambosszwergen, wenn wir wieder verhandeln müssen“, hatte er gesagt.


    Hier, wo ich keinen kenne, soll ich mir jetzt einen neuen Lebensmittelpunkt aufbauen.

    Hier, wo alles fremd ist und die Götter nicht wirken können, hier, wo alles Wüst ist und hier, wo Andergaster und Nostrianer sich vertragen?!

    Hier, wo Horasier an der Seite der Mittelreicher stehen?!

    Hier, wo Thorwaler, Gjalskerländer und Fjarninger an einem Tisch sitzen?!


    Xandros war geplagt von Gedankengängen und geschunden von den letzten Wochen, dennoch versuchte er sich nichts anmerken zu lassen. Wie würden die Leute auf ihn reagieren? Wie es in der Baronie wohl aussah?


    Tagsüber lernte Xandros noch den ein oder anderen kennen. Ein echt merkwürdige..er – ja, nun, was eigentlich? Welt, Kontinent, Sphäre, Globule? Egal! Am Abend kam Stordan an. Er hatte ihn tatsächlich wiedererkannt. Ganz schön verändert hatte er sich, sein militärischer Ziehvater. Die vergangenen Götterläufe sah man ihm an!


    Reges Treiben auf der Turney, keine Zeit zum Reden, Stordan musste sich um Turney und Diplomatie kümmern.


    Mit den Worten „Euer Hochgeboren Baron Stordan von Zackenberg, hier ein Brief vom Reichserzmarschall“, streckte Xandros die rechte Hand aus und hielt Stordan einen Brief hin, der ihm für Stordan von besagtem Reichserzmarschall mitgegeben worden war.

    Stordan hielt kurz inne und musterte Xandros, als sich seine Miene erhellte, am Abend – fast der Praiosscheibe gleich. „Was sehen denn da meine müden Augen! Xandros, Ihr hier?“

    Stordan streckte beide Arme aus zur Umarmung.


    Nun, das hatte Xandros in der Tat nicht erwartet.


    Dankend erwiderte er die Umarmung.


    Ewigkeiten war es her, dass Xandros sich herzlich aufgenommen fühlte. Seit er sich vor fünf Götterläufen getrennt hatte, war alles ziemlich kalt geworden um ihn herum.


    Stordan nahm eifrig den Brief entgegen, versuchte fast schon verzweifelt den Brief mit bloßen Händen zu öffnen, doch das Siegel des Reichserzmarschalls wollte nicht so ganz. In guter alter Manier, sämtliches Werkzeug am Gürtel zu tragen – wie er es von seinem Groß- und Urgroßvater bornischer Abstammung gelernt hatte -, zückte Xandros die kleine Schere und reichte sie Stordan. Dieser nahm die Schere dankend an, öffnete damit den Brief.


    Deutlich sichtbar huschten Stordans Augen eifrig über die Zeilen. Unten angekommen wendete er die Seite, las weiter, stoppte, wendete erneut und las den Brief ein zweites Mal.

    Euer Curriculum Vitae!“, verlangte er nach dem Brief – das C.V.


    Hmpf.“ Über 15 Götterläufe ist es her, dass Stordan mich gesehen hat. Den Ahnenbrief lege ich am besten gleich bei, um ihn daran zu erinnern, dass ich nicht nur „einfacher“ Diener der Armee bin. Ha! „Einfacher“ Diener, schließlich war er einer der wenigen lebenden, wenige überlebten in der Tat, Stabsfähnrichte die das Reich noch hatte.

    Ausgebildet in Strategie, Rechtskunde, Heraldik, Schrift und Diplomatie, auch den Handel hatte man uns nahegebracht.


    Die Aufgabe der Stabsoffiziere mit den Marschällen und den Obersten strategische Optionen zu planen, sich um das organisatorische Klein-Klein wie die Logistik und Truppenmoral zu kümmern (Ja, das war in der Tat eine schwere Aufgabe, aber eine sehr dankbare, man sah es schließlich den Kameraden immer im Gesichte an, wie gut man seiner Aufgabe nachkam), den Kontakt mit dem Adel aufrechtzuerhalten, auf dessen Land man Krieg führt und dergleichen mehr (Ja, in der ein oder anderen brenzlichen Situation war er schon, so eine oder zwei Nächte im Kerker eines Barons der sich Querstellte, da konnte er sich durchaus schöneres vorstellen als die eine oder andere gefolterte Nacht). Wenigstens blieb uns im Vergleich zu den anderen Offizieren das Führen in der vordersten Reihe erspart, obwohl man es uns durchaus nahegelegt hatte, um die Wirklichkeit mit dem Sandkasten abgleicehn zu können.


    Stordan war durchaus begeistert vom Lebenslauf und meinte, dass Xandros doch unbedingt das Gespräch mit Hauptmann Antonius von Zackenberg und dem Hauptmann der Stadtwache – Hauptmann Bran – suchen sollte, bezüglich der aktuellen Lage und Situation, ebenso sollte er auch Vergus aufsuchen. Von Vergus sollte er die nächsten Wochen Unterricht erhalten, Mythodea kennenlernen. Im gleichen Zuge – so wie es Stordan schon vor 15 Götterläufen an sich hatte, einem ohne Pause und Unterlass sämtliche Informationen sämtliche Informationen aufs Auge zu drücken und wehe man kam den Aufgaben nicht hinterher – setzte er Xandros in Kenntnis, dass der große Schlachtzug gegen die „Verfemten“ (Wer auch immer das ist?) bevorstehe und er für Mythodea noch zu unbescholten, um nicht „jüngfräulich“ zu sagen, sei (Dies tat er mit einem Augenzwinkern, was es damit wohl auf sich hatte?!). Xandros solle sich um die Baronie und das Waisenhaus mit über 100 Kindern kümmern, von denen Stordan im Übrigen jedes Einzelne kennt.


    Das kann ja was werden.“


    Xandros suchte in diesem Zuge Dorian Fuxfell auf. Stordan teilte ihm mit, er vertraue Dorian blind und dieser kümmere sich in seiner Abwesenheit um die Baronie, wenn auch die Heroldin Federica nicht zur Verfügung stand (Eine Heroldin? Wie interessant! Und das als Stellvertreterin des Barons. Sie muss wohl auch eine Adlige sein).


    Dorian Fuxfell war für die Anmeldung zur Turney zuständig. Munteres Treiben herrschte bei der Anmeldung, dennoch kam Xandros sofort ins Gespräch mit Dorian (Wen wunderte es, er als Außenseiter musste wohl wirklich auffallen):


    Dorian: „Euer Hochgeboren, Ihr wollt euch bestimmt bei der ein oder anderen Disziplin anmelden!


    Xandros: „Nunja, so sicher bin mir da noch nicht, wollte eigentlich erstmal hier ankommen.


    Dorian: „Aber so könnten wir euch besser kennenlernen!


    Xandros (spöttisch) : „Dann tragt mich doch am besten für alle Disziplinen ein!


    Dorian: „Nun so sei es, Xandros von und zu Wehrheim meldet sich für alle Disziplinen!


    Na super, konntest mal wieder dein vorlautes Maul nicht halten. Die Garether haben ganz schön abgefärbt mit ihrer „Schnauze“, das kannst du dir hoffentlich hier in Mythodea abgewöhnen. Und so schlimm wie ein militärischer Zwölfkampf wird es schon nicht werden.


    Leicht geknickt machte er sich auf die Suche nach den Hauptleuten, auf den ersten Blick boten sich ihm jedoch nur die Stadtgardisten zamt Leutnant (mit dem er schon ein paar Wortfetzen wechselte), die gemütlich an einem Lagerfeuer saßen. Xandros ging schnurstracks auf die munter und heiter wirkenden Gestalten zu. Eifrig und beflissen begleitete ihn der Leutnant auf der Suche nach den beiden Hauptleuten, die beiden Gardisten taten es ihm gleich.


    Fleißig wie eine Garether Schranze’n.


    Und da fällt er schon wieder auf, schlimm, wie ein Pfeffersack, er muss sprichwörtlich wie der Mirhamer Luxus auffallen.


    Die beiden Hauptmänner dann endlich angetroffen, setzte er die Beiden in Kenntnis. Er überreichte Antonius das C.V. und das Ahnenblatt, so dass Antonius sich ein grobes Bild machen konnte. Die Hauptmänner wünschten sich noch einen ruhigen Abend, da es für „Geschäftliches“ zu spät sei und außerdem stand noch eine wichtige Zeremonie an, der Xandros doch bitte beiwohnen sollte.


    ZEPHEQXS nochmal, das hatte Stordan auch erwähnt. Wo bin ich nur mit meinen Gedanken!


    Es war eine Kor-Novize der zum Geweihten geweiht wird, sehr interessant so einer Zeremonie beizuwohnen. Bisher kannte Xandros nur die Weihe für Rondra- oder Praiosanhänger, so wie es in den Reihen der Armee üblich war. Rekruten, Kadetten und Soldaten erhofften sich dadurch ein angenehmeres, ja gar ein wohlhabenderes Leben.


    Xandros sah etwas, das er zuvor noch nie gesehen hatte. Dabei es nicht im Speziellen um die Kor-Weihe.


    Aqua, Terra, Ignis und Aero?! Oder was wurde da gerade erwähnt?! Kristallfürsten? Jademeister? Herren der Tiefe? Kinder des Traumes? Was zum Gehörnten! Ja, ich darf wohl wirklich Vergus aufsuchen und wieder die Schulbank drücken. Stordan meinte das wirklich ernst und ich dachte, er will mich damit ärgern!


    Nach der Weihe begab sich Xandros mit der versammelten Menschenmenge in die Schenke, oder wie man eins in Wehrheim sagte, in die Schwemm. Ach, wie er doch diese Zeiten vermisste.


    Das ein oder andere Gespräch ergab sich am Abend, aber wie er es gewohnt war, kümmerte er sich um die Moral der Truppe und setzte sich zu den Gardisten, zamt Leutnant (Ja, der altertümliche Wehrheimer Dialekt steckte definitiv noch in Xandros). Die Truppe wollte trinken und spielen, jedoch wurde dieser der Sold noch nicht ausgezahlt. Das war nicht das erste Mal, dass Xandros sowas erfahren musste. Wie in Gareth üblich zahlte er den Sold der Truppe, so wie er es in Gareth auch gewohnt war: dem Leutnant gab er drei Silber, den Gardisten jeweils eines. (Ob hier der Sold der gleiche wie in Gareth ist?) Die Truppe bekam strahlende Augen, um nicht zu sagen Phexens Blitzen.


    Es verging eine durchzechte Nacht mit keinem Würfelglück für Xandros, bei den Karten hatte er mehr Glück, es wollte aber keiner mit ihm spielen.


    Der Morgen graute, Xandros hatte wieder mal schlecht geschlafen. In soldatischer Manier, nein, in phexgefälliger Manier stand er auf, er hatte schließlich einen Gast. Er stibitzte sich leichten Fußes – ja wohl, war leichten Fußes ganz ohne Rüstung, nur in der langen Untertunika – zu den Waschräumen der Schwemm. Wie ein Ritual unter Satinavs Siegel musste es anderen vorkommen, fünfzig Bauchbeugen und fünfzig Schiffsjungenstützen zu machen, bevor es zur Körperpflege ging. Xandros spürte erneut seinen geschundenen Körper, sein Herz pochte, als wäre er diesem Ritual ewig nicht mehr nachgekommen. Vielleicht sollte er für die nächsten Tage die Anzahl reduzieren.


    Erfrischt nach der Körperpflege machte er sich wieder auf zum Zelt. Bei den Nachbarn, wo schon munteres Treiben vorhanden war, fragte er höflich an ob er sich der gemütlichen Runde anschließen konnte. Da er einen Gast, den Barden Kaspar, in seinem Zelt hatte, er diesen aber nicht wecken wollte. Herzlich lud man Xandros ein (So herzlich wie Stordan ihn gestern empfangen hatte. Hier scheinen Travia, Tsa, Rahja und Ifirn wohl sehr gut vertreten zu sein). Kurz war er verwundert an der Tafel ebenfalls die Anhänger Kors anzutreffen. Hier waren wohl mehr Geweihte aktiv als in Gareth.


    Die Turney erschien Xandros wie ein Traum zu sein:


    Den Bogen hatte er seit der Grundausbildung nicht mehr geführt.


    Schwert und Schild lernte er für die Kampfreihen, ist aber nix für das Handwerk eines Stabfähnrichs.


    Kampf mit Zweihandwaffen. Das ist, was er halbwegs konnte, auch wenn er darauf spezialisiert war die Waffe vom Pferde aus zu führen. Aber er wollte sein Glück probieren!


    Baumstammweitwurf, nun ein Baumstamm ist der kleine Holzklotz nicht, dennoch machte sich wieder die Garether Platte bemerkbar, dass man in der Bewegung doch sehr eingeschränkt ist.


    Nandusgefälliges, nun gut wirklich gelehrt und belesen ist Xandros nicht, aber ein weit gereister Tausendsassa, wobei hier ihm wohl die Logik und das Strategische denken weiter gebracht hatte. Die geschickteren Hände hatte der Thorwaller der zu Xandros Team zählte.


    Künstlerwettstreit: Oh du Zwölfe, ewig ist es her. Lyric, Minnesang und Prosa, für ein Musikinstrument war er definitv zu ungeschickt, die Tugenden des Ritters wurde er gelehrt, mit großer Demut des Hofmarschalls Eorlariel Zirillion Silbersee. Nun galt es spontan zu handeln, Nein! Er muss omprovisieren! Wie gut, dass er ein Schreiben dabei hatte, das ihm schonmal aus der Patsche half.


    Xandros Körper ächzte unter dem vergangen Tage, die Sehnen und Muskeln brannten und man hörte die Knochen hin und wieder knacken. Xandros ist zwar ruhiger geworden in den letzten Jahren, aber der Schein trügte.



    (Prosa eines Ahnen von Xandros)