Auf der Suche nach der Heilerstube - oder auch nicht?

  • Khaid nieste. Leise murrend fasste er sich an die Nase und sah anschließend recht unbegeistert zu Dorian Fuxfell hinüber. Nein, der Geweihte der Peraine war nicht plötzlich erkrankt, es war lediglich der Staub der seine empfindliche Nase reizte. Khaid und Hausstaub, das vertrug sich nicht sonderlich und er vermutete zumindest unter einem leichten Staubschnupfen zu leiden. Doch er wollte sich nicht beklagen.. nicht übermäßig. Schließlich waren sie nicht grundlos losgezogen, Häuser auszukundschaften. Während das Ganze bei Dorian möglicherweise ein geeigneter Vorwand war, war er doch eines von Phex' ganz besonderen Kindern. Ein Taschenspieler, ein Händler, aber eben auch ein Dieb. Noch gab es hier nichts, doch für einen denkbaren Bruch und dessen Planung wollte er sicherlich bestens informiert sein. Falls er sich der Sache nicht ohnehin schon angenommen hatte. Irgendeinen Hintergedanken gab es aber sicher.


    Der Geweihte der Peraine hatte dagegen einen anderen Grund sich in bester Lage umzusehen, schließlich hatten Stordan und Dorian seinem Wunsch stattgegeben - oder sich auf seine fast schon dreiste Forderung eingelassen. Khaid war sich unsicher, denn als dreist empfand er die eigenen Aussagen im Nachhinein schon ein wenig. Letztendlich störte er sich daran aber doch so wenig wie an der Herkunft des Stoffs, aus dem seine Robe einst geschneidert worden war. Zwei von drei Möglichkeiten, die Dorian als passend und groß genug erachtet hatte, hatten die Beiden bereits hinter sich gelassen. Noch war er unschlüssig. Die Räume waren im ersten Haus ungünstig geschnitten, würden einen größeren Umbau bedeuten als ihm lieb war. Das zweite oder das dritte Haus - konnte funktionieren, auch wenn er dann auf den Arbeitsplatz verzichten musste. Klagen auf hohem Niveau.


    "Oh nein, ich kann nicht Zuhause arbeiten", schoss es ihm durch den Kopf und entlockte ihm zumindest ein kurzzeitiges Lächeln.


    Nachdenklich schritt der Heiler weiter durch die Räumlichkeiten, das Ganze abmessend und auf einem Stück Papier grob skizzierend.


    Dann knüllte er das Papier in seiner Hand mit einem Mal zusammen. "Dorian, das passt einfach noch nicht", verkündete er nüchtern.


    "Das sind, zugegeben, teils wunderschöne Häuser - wenn sie einmal saniert sind. Aber sie passen mir nicht auf den Zweck, für den sie eigentlich vorgesehen waren, Arbeit und Wohnen in irgendeiner Weise zu vereinen. Hier könnte ich bloß leben, nicht ackern. Das zweite Haus gefiele mir gegenwärtig am besten, es hat eine schöne Aufteilung im Erdgeschoss mit den zweieinhalb Räumen und dem aus Ess- und Schlafzimmer bestehenden Obergeschoss. Doch ich hätte unten nicht den Raum, um großartig viel Heilerbedarf aufzufahren. Als Wohnstatt würde es mir jedoch genügen und ich könnte wohl sogar noch eine Person aufnehmen, meinen Geliebten oder derlei..."


    Es war nur ein müder Scherz gewesen, der ihm gegen Ende des Satzes über die Lippen glitt. "Dazu wäre ein Keller möglicherweise praktisch, des Stauraumes wegen - oder wie siehst du das?", hakte er interessiert beim phexischen Scharlatan nach, der seinerseits das Treiben des Heilers beäugte, so seine Neugier nicht gerade verlangte auf etwas anderes zu achten und sich nur mehr dafür zu interessieren. Elendige Neugier. "Zumindest würde ich mich da ein wenig nach euch richten, schließlich kann ich schlecht Angebote machen und sie dann einfach nicht einhalten. Aber du siehst ja: Schön, aber für einige Dinge beachtlich ungeeignet. Und ich würde nun ungerne noch einen Laden in der Nähe für mich beanspruchen, den Brodrix dann entsprechend umfunktionieren müsste."


    "Läden sind für solche, die etwas verkaufen", hielt er das Offensichtliche noch einmal fest und hielt den Blick auf Dorian gerichtet.

    Meister der Ernte

    Mitglied des Ordens der Gesegneten Heilerschaft der Peraine-Gläubigen

  • Dorian war schon eine ganze Zeit mit dem Heiler hier unterwegs. Solange wie er sich nun schon die Straßen und Gassen dieser Stadt anschauen musste könnte man meinen, er würde sie sich auswendig merken müssen. DIESES Mal ging er mit Khaid durch die Stadt. Er hatte das ja nicht schon etwa 40 Mal mit allen anderen gemacht und musste sich JEDES Mal Genöle anhören. Aber hier war das etwas anderes. Er sah das hier tatsächlich als einen Spaziergang an, der zufällig den Zweck hatte, ein Haus mit Arbeitsbereich für den Heiler zu finden.


    "Es war deine Idee von zu Hause zu arbeiten", erinnerte Dorian ihn gemütlich. "Nachts das hysterische Klopfen einer Mutter, dessen Kind gefallen ist. Ihr wisst schon, sowas! Hättest du einen Lehrling, wäre das natürlich einfacher. In dem Fall hätte ich auch ein ganz anderes Haus zur Verfügung. Tatsächlich wäre es - mehr als ausreichend denke ich."


    Er ging mit Khaid, der jetzt ebenfalls in ein zumindest verhandelndes Genöle zu fallen schien, zu dem Haus, was er die ganze Zeit schon für ihn im Sinn hatte. Es lag - zentral. Ziemlich sogar. War gut geschnitten, hatte einen Keller - wenn auch nur über eine Leiter schnell begehbar und eher für Nahrungsmittellager zu gebrauchen - und eigentlich genau den Schnitt, den er wollte. Zudem hatte er einen Garten der groß genug für Heilkräuter und kleinen Ackerbau war. Zudem nicht genug, fast direkt vor dem Haus war ein Brunnen.


    "Sieh dich um. Wenn du hier noch was auszusetzen hast, schuldest du mir 2 Flaschen Met. Wenn ich ehrlich bin glaube ich, dass hier früher schon ein Heiler drin war. Siehst du das Schild, direkt am Eingang?"


    Er deutete auf ein abgeschliffenes Schild direkt neben der Tür. Soviel Zeit musste offensichtlich noch sein, um den Namen vom Schild zu kratzen. Aber irgendwie war die Ausrichtung und die Art des Schildes... prädestiniert für einen Arzt.


    "Mehr als dieses und die anderen kann ich dir für den Zweck nicht zeigen. Und für einen Neubau wird es erstmal nicht reichen. Doch an dieses Haus hier, knüpfe ich wie bei vielen Handwerkern die Bedingung, einen Lehrling aus den Waisen zu wählen und auszubilden. Ebenso ihm eine Schlafstätte und Essen zu gewähren. Die Angebote sind immer gleich und Stordan wird finanziell aushelfen wo er kann."


    Es war die gleiche Leier. Er hatte so viele Lehrlinge an die Handwerker gebracht. Doch wenn er ehrlich war, konnte er nicht glauben dass es dieses Mal funktionieren würde. Es war Khaid und Dorian hatte sich wirklich nicht die größte Mühe gegeben einen Lehrling an den Heiler zu bringen.


    "Denk drüber nach. Es wäre mehr als schön, wenn du deine Gaben und Künste weitervermitteln würdest."

    "Wer den Segen des Nebligen genießt, den schützt er auch vor dem Zorn seiner Geschwister."

  • Einen Moment lang wollte Khaid den Phex-Geweihten mit seinem Stab erschlagen, nur einen Moment lang. Er besann sich jedoch eines Besseren und atmete tief durch, um sich nachfolgend jenes Haus zu besehen, das Dorian ihm willentlich und wissentlich vorenthalten hatte. Der Hochstapler hatte Bedingungen, die er an die Vergabe knüpfte und erwartete, dass Khaid ein Kind aus dem Waisenhaus unter seine Fittiche nahm. Womöglich rechnete er gar nicht damit, dass der Gedanke für den Therbûniten durchaus plausibel daher kam. Langfristig brauchten die meisten Kinder eine Perspektive und, so sehr ihn dieser Gedanke auch schmerzte, es würde der Tag kommen an dem der Flügelschlag des schwarzen Raben für ihn verdächtig laut zu hören war.


    Zwar waren Dorothea oder Kaira sporadisch zugegen, doch der Leiter des Siechenhauses hatte seit längerem das Bedürfnis seine mögliche Nachfolge frühzeitig zu regeln und auch etwas Verantwortung abzugeben. Das lag alleine daran, dass er sich jeden Feldzug wieder für andere in Gefahr begab. Letztes Jahr hatte er schon die Befürchtung es könnte ihm ergehen wie Ivan und er würde sich in die Reihe derer einreihen, die ihr Leben für die Aventurische Allianz gelassen hatten. Versuchend den morbiden Gedanken abzuschütteln, blickte Khaid zurück zu Dorian.


    "Du Schelm", erwiderte er auf Dorians abschließende Worte, nachdem er ihm lange genug gelauscht hatte.


    "Lass es mich so sagen. Langfristig möchte ich hier keinen Medicus sitzen sehen, der einfach das Arztsein gelernt hat", fuhr der gelernte Heiler selbstsicher fort, "sondern eine Schwester oder einen Bruder aus meinem Orden. Nicht einfach ein Medicus, sondern jemanden der die Heilkunst dieser und unserer Welt vereint. Einen Therbûniten, dem der Spagat zwischen den Welten besser gelingt als mir. Der das Siechenhaus hegt, pflegt, aber auch in dieser Stube regelmäßig anzutreffen ist und sein Wissen weitervermittelt."


    Der Anspruch, den er stellte, war zugegebenermaßen hoch. Doch er wusste mittlerweile, dass es ihm selbst stets schwieriger fallen würde als einem Kind, das von der Pike auf alles lernte, was es brauchte um hier, dort, irgendwo die Gesundheit der Menschen und die Leben der Einzelnen zu bewahren.


    "Zum Punkt. Wenn sich ein geeignetes Kind findet, dann nehme ich es auch gerne ins Noviziat oder die Lehre. Ich werde mit Nepheruna darüber sprechen, ob ihr auf Anhieb ein geeignetes Waisenkind für diesen Zweck einfiele. Ansonsten klingelt es beim Namen Essandra in meinem Kopf, falls sie sich mehr als Botin für das Siechenhaus vorstellen kann - einen Schlafplatz würde ich ihr hier in jedem Fall einräumen, so sie denn möchte. Aus logistischen Gesichtspunkten, fungiert sie doch als Botin, - und weil wir uns prächtig verstehen."


    Khaid machte eine kurze Pause, ehe damit fortfuhr Dorian allmählich mürbe zu reden.


    "Allerdings - und damit bist du hoffentlich einverstanden: Falls sich unter diesen Kindern derzeit schlicht kein Geeignetes findet, würde ich hier verbleiben und mein Wissen zunächst anderen Interessierten vermitteln, wie etwa Traviane. Sie kam auf der Turney am ersten Abend noch einmal auf mich zu. Gegebenenfalls werden wir uns auch noch mit Corvin zusammensetzen, zwecks eines Austauschs in der Alchimie."


    "Gegen hysterische Mütter am Abend habe ich ansonsten nichts einzuwenden", warf er schmunzelnd ein.


    "Du kommst dem hier schließlich fast noch am nächsten, wenn ich an deinen letzten Besuch denke."

    Meister der Ernte

    Mitglied des Ordens der Gesegneten Heilerschaft der Peraine-Gläubigen

  • Dorian hörte genüsslich zu. In seinem Kopf war noch einmal kurz abgeschweift und musste noch einmal an Tarvin denken. Hach war das schön. Nichtsdestotrotz hörte er seinem Glaubensbruder aufmerksam zu und nickte lächelnd - immer noch Tarvins Gesichtsausdruck im Hinterkopf - ab und an.


    "Was soll ich sagen Khaid. Einen Spagat muss ich hier auch schaffen. Wenn ich jemandem nur wegen Gefälligkeiten ein schickes Haus gebe, habe ich parallel andere am Hals die auch eins wollen. Du kennst das ja 'aber der hat das und das'. Du bist da zum Glück - trotz deines sehr...direkten Wesens - anders. Die Leute mögen und schätzen dich auch aufgrund deiner harten Arbeit und deinem Fachwissen, was du seit Neu-Zackenberg an die Leute gebracht hast. Hauptsächlich wegen deiner Heilkünste haben hier mehr überlebt als ich es mir zu träumen gewagt habe, und dafür gebührt dir nicht nur mein Dank."


    Dorian ging zum Eingang des Hauses und öffnete es. Lichtdurchflutete Zimmer im Erdgeschoss. Eine kleine überdachte Terasse nach hinten zum Garten und nicht weit vom Obsthain innerhalb der Stadt.


    "Staubig, aber gut erhalten. Ich denke, dass hier nicht einmal Handwerker ranmüssen, sondern nur eine ordentliche Putzkolonne."


    Mit einem Ruck zog er die Bodenklappe hoch und ließ den Blick in den Keller senken. Dann kramte er in seiner Tasche und holte eine kleine Phiole heraus, die er kurz schüttelte und die sodann zu leuchten begann. Er kniete sich kurz hin und leuchtete in den Keller.


    "Kalt genug, auch jetzt im Sommer. Sehr schön."


    Er raffte sich wieder auf stand mit verschränkten Armen im Raum.


    "Natürlich macht es keinen Sinn, IRGENDEIN Kind aufzunehmen. Es muss schon passen - das wissen wir glaube ich beide. Dein Angebot für eine kleine Heilerschule nehme ich dennoch dankend an. Ich glaube wir alle könnten viel mehr dazulernen. Was die Alchemie angeht, wir haben ein eigenes Alchemistenviertel."


    Er zwinkerte kurz.


    "Scherz beiseite. Ich will dir dieses Haus überlassen. Du suchst dir ein Waisenkind, falls das nicht vorhanden, gerne auch ein anderes und bildest es aus. In der Zeit bis du eine Novizin hast, wirst du Unterricht in der Heilkunst geben und parallel hier arbeiten. So war das richtig ja?"


    Dorian öffnete dann schnell die Tür nach hinten damit ein wenig Durchzug im Haus war.


    "Eins noch. Egal welches Kind du ausbildest. Es wird diesen Spagat lernen. Wenn du es nicht in der Aspekt- und Elementlehre unterrichten kannst, macht es wer anders. Aber es wird lernen. Einverstanden?"

    "Wer den Segen des Nebligen genießt, den schützt er auch vor dem Zorn seiner Geschwister."

  • "Es bleibt wohl abzuwarten, ob ich mich je wirklich damit werde anfreunden können, dass die Elemente von einigen hier auf eine Stufe mit den Zwölfen gestellt werden. Falls ja, werde ich derlei wohl vermitteln können oder dürfen und falls nicht, werde ich auf Vergus zurückgreifen", antwortete er bemüht sachlich, den Blick nicht von Dorian lösend. Ja, er war kein Freund der Aspekt- und Elementlehre und glaubte nicht daran. Ihm waren es zu viele verschiedene Faktoren die berücksichtigt werden sollten, um Peraines Gunst für eine ihrer gegebenen Liturgien zu erbitten. Zum Zeitpunkt seiner Ankunft waren es nur die Elemente, jetzt irgendwelche Subspezies und offenkundig alveraniarähnliche Wesenheiten wie die Kristallfürsten und derlei.


    Doch wer garantierte, dass er auf diese Weise diesen Schleier in irgendeiner Form lichten und den Blick seiner Herrin auf sich lenken konnte? Was, wenn es irgendeine Entität Aquas war, die sich dazwischenschaltete und Peraine von seinem Wirken nie erfuhr? Es waren ihm zu viele Ungenauigkeiten, zu viele Dinge die er als nicht vertrauenswürdig empfand und die Diener der Elemente machten es nicht unbedingt besser. Sie missionierten dem Empfinden nach recht aggressiv und je elementtreuer das eigene Banner oder Lager, desto eher wurden andere Glaubenslehren abgelehnt. Aus der eigenen Heimat kannte er das nur bezüglich zwei, drei Möglichkeiten: Boron in Al'Anfa, Dämonenpaktierer oder -kultisten und Anhänger des Rattenkindes.


    Bei jeder nur sich bietenden Gelegenheit, so wirkte es, wollten sie die Geweihten der Zwölfe beiseite nehmen und ihr Mantra herunterbeten. Um Gespräche dieser Art und die Elementardiener selbst hatte er bislang einen großen Bogen gemacht, fürchtete jedoch, dass es im Reich der Rosen während des Feldzuges ein unvermeidliches Gespräch mit irgendjemandem würde geben - müssen. Doch ob nun Gemeiner, Priester der Elemente, Nyame oder Archon - er würde ihn allen in derselben Weise von seiner Skepsis erzählen und sie mussten sehen, was sie daraus machten. Fortjagen konnten sie ihn schwerlich, nur weil er ihnen keinen blinden Gehorsam entgegenbrachte. Glücklicherweise band ihn kein Schwur an irgendeinen Landstrich, eine Institution oder ähnliches, diese Verbindungen hatte er auch weiterhin nur in die Heimat.


    Khaid pustete die Luft scharf aus. Ungeachtet dessen, was ihn störte, war er in diesem Moment begeistert.


    "Diese Haus ist großartig und ich freue mich schon darauf, es zu beziehen. Fraglich ist nur, wer mir das nötige Mobiliar herstellt und auch herschafft, und ob ich noch einmal das Kleingedruckte auf dem Vertrag zur Übernahme dieses Hauses lesen darf, sofern es einen gibt. Falls dort eine Klausel zum Obsthain enthalten ist, möchte ich sie beibehalten und falls nicht, erwarte ich, dass eine hinzugefügt wird die besagt, dass der Obsthain in die Obhut der Peraine-Kirche übergeben wird. Es fühlt sich an wie ein Stück Zorgan, das unmittelbar vor der eigenen Türe steht."


    Die Mundwinkel des Geweihten zuckten, während er vom Obsthain erzählte und sich im Hinterkopf das Bild seines Heimattempels aufspannte. Es fehlte ihm tatsächlich ab und an, über die langen Wege des Zorganer Hains zu flanieren oder auch einem Knaben eine saftige Arange in die Hand zu drücken. Es war ein friedlicher Ort, von dessen Grundstimmung er gerne etwas in diesen Quingarder Hain transportieren wollte. Ein Hain, der stets von einem Perainediener gepflegt werden sollte. Dazu gab es an einem warmen Tag im Praios-, Rondra. oder Rahjamond kaum einen besseren Ort für eine Lektion, als einen gut bestückten Obsthain. Er spendete Schatten, er spendete Früchte, doch der Anblick wusste auf viele auch inspirierend zu wirken. Es war eben ein schöner Anblick, so ein Hain.


    "Du hast doch Zeit, oder? Lass uns ein wenig spazieren, jetzt, wo das Haus so gut wie meins ist. Sicherlich gibt es auch noch ein paar Orte, die ich unbedingt kennenlernen sollte."


    Der Berobte öffnete die Vordertür des zweistöckigen Heilerhauses und und machte eine einladende Geste, es zu verlassen.


    "Nach dir, Dorian."

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  • "Für das Mobiliar wirst du die Tischler fragen müssen. Ich verstehe, dass du dringend einige Möbel für die ärztliche Versorgung benötigt, und halte das auch für genauso dringend wie die Möbel im Siechenhaus. Ich werde versuchen, dir da ein wenig beschaffen zu können - auf Kosten Zackenbergs.

    Für deine private Möbel wirst du dich dann wohl persönlich kümmern müssen, das dürfte dir aber ja nicht schwer fallen, oder?"


    Als es zum Vertrag kam, lächelte Dorian nur leicht.


    "Natürlich gibt es einen Vertrag. Und wir werden auch einmal sehen müssen, wie du über die Runden kommt, was? Wir sollten darüber auf jeden Fall noch einmal sprechen, bevor du verhungert bist. Was allerdings die Übertragung des Hains - offiziell - in die Obhut der Peraine-Kirche anbelangt, muss ich dir leider widersprechen. Ich werde in keinem Vertrag hier im Reich der Rosen festhalten, dass etwas an unseren Glauben übertragen wird. Damit würden wir sämtliche Besprechungen und Absprachen gefährden - unter anderem auch das Leben der Leute"


    Bevor Khaid ausholen konnte, sprach Dorian aber weiter:


    "ABER, das Wort offiziell ist ja nun so ein Punkt, über den man streiten kann. Wenn man sagen würde, dass DU die Obhut des Obsthaines, inklusive seiner Pflege und Ernte übernehmen würdest, tja, dann stünde dahinter ein Mann und keine Kirche. Der Glaube des Mannes ist dann in so einem Vertrag von zweitrangiger Bedeutung. Ich hoffe wir verstehen uns da. Ich freue mich übrigens, dass es dir auch gefällt."


    Dorian folgte der einladenden Geeste des Therbûniten und ging vor ihm aus dem Haus.


    "Ich mache einen kleinen Spaziergang mit dir durch den Hain, sehr gerne. Danach kann ich dir noch ein paar andere Gebäude zeigen. Ich werde aber eigentlich schon auf dem Marktplatz verlangt. Xandros wollte noch was von mir, und dafür muss ich vorher noch einmal zu mir nach Hause. Das kann ich dir aber auch gleich zeigen, wenn du willst. Gibt es sonst noch Gebäude oder Orte, die dich interessieren? Vielleicht der Löschteich in der Nähe des Hains?"

    "Wer den Segen des Nebligen genießt, den schützt er auch vor dem Zorn seiner Geschwister."

  • Die Antwort des fuchstreuen Recken entlockte Khaid nicht weniger als ein Schnauben. Kaum, dass er die Gedanken an die Elementtreue abgeschüttelt hatte, rieb ihm Dorian diplomatischen Firlefanz unter die Nase. Ein Obsthain gehörte schlicht und ergreifend in die Hände der Kirche der Gebenden, doch offensichtlich steckten die Anderen weit mehr zurück als er es überhaupt bereit war und dieser Umstand offenbarte Herausforderungen, die ihm nicht all zu sehr schmeckten.


    "Gehen wir, fangen wir mit Hain und Heim an", reagierte er mit ernsterer Miener als zuvor. Diese Worte hatten Begeisterung gekostet.


    Während die Beiden über die Quingarder Wege spazierten, haderte Khaid mit sich, wie er weiter vorgehen sollte. Hätte er es Dorian erklären müssen, für ihn noch verständlich, schwankte er wohl zwischem stillem, tiefen Wasser Aquas und dem womgöglich ignisgefälligen Vulkanausbruch - nur um sich am Ende für einen Mittelweg zu entscheiden. Typisch.


    "Wenn es nicht anders geht", murrte der Therbûnit als sie sich dem Obsthain näherten. Ihm gefiel nicht, was gesagt wurde. Doch dann kam ihm, vielleicht, die zündende Idee das Problem zu umgehen. Vorerst. "Aber vielleicht doch. Ich schlage einen Handel vor", begann er und nickte zwei, drei Mal zustimmend zu den eigenen Worten. Es schien fast so, als hätte Praios ihn erleuchtet. Auch wenn das ob des gewählten Mittelwegs eher auszuschließen war.


    "Du als Verwalter schließt mit dem Leiter des Siechenhauses einen Pachtvertrag für den Hain über vorerst 12 Götterläufe zum Preis eines symbolischen Kreuzers. Wir kümmern uns um die Pflege des Hains. Du gerätst in keinen diplomatischen Konflikt. Und, so Peraine es will, wird der Leiter dieses Siechenhauses in den kommenden Jahren, zumindest bis zu unserer beider Tode, ohnehin stets ein Diener der Gütigen sein. Es hängt dann jedoch nicht an meinem Namen, sondern an der Position die ich innehabe."


    Khaid blickte aufmerksam zu seinem Begleiter.


    "Wie stehen Euer Gnaden dazu?", hakte er nach einem kurzen Augenblick forsch nach.

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    Mitglied des Ordens der Gesegneten Heilerschaft der Peraine-Gläubigen

  • Dorian nahm Khaids Stimmungswechsel wahr, doch hatte er auch damit gerechnet. Er wusste, dass es dem Therbûniten ein wenig bitter aufschlagen würde, wenn er sich an die hiesigen Abmachungen halten musste und damit parallel den Zwölfgötterglauben öffentlich einschränkte. Auch wenn man es oft nicht merken würde, aber auch ihn hatte es all seine Überwindung gekostet den Schein nach außen bis heute gut aufrecht erhalten zu lassen.

    Was sollte er tun?


    "Khaid, ich bin noch kein Verwalter. Ich helfe nur gerade inoffiziell bei der Einteilung. Ich bin zwar dazu ermächtigt, trage aber seitdem ich den Heroldposten abgelegt habe keinen Titel mehr, und das ist bislang gut so gewesen. Das heißt aber nicht, dass ich nicht für entsprechende Erlasse oder Verträge sorgen kann."


    Sie durchschritten den Obsthain, an dem junge Äpfel, Birnen aber auch Mirabellen und Kirschen zu finden waren. Selbst am Rande der Straße hatten sich Sträucher mit Him- und Brombeeren am kleinen Holzzaun entlang gehangelt. Als Khaid stehenblieb, tat Dorian es ihm gleich und sah ihm direkt in die Augen.


    "Der Vertrag, den du vorschlägst, bildet letztendlich genau die Möglichkeit, die ich vorher schon nannte, nur um eine Ecke mehr. Mir gefällt deine Denkweise. Wichtig ist aber in dem Vertrag festzuhalten, dass die Früchte des Hains in Lehenshand sind. Die Pflege des Hains würde, wie du schon sagst, dann euch obliegen. Es ist gerade am Anfang wichtig, dass wir entsprechende Waren für alle Richtungen offen halten. Ich schlage daher zunächst einen Vertrag über zwei Götterläufe vor, welcher die Pflege des Hains - und die dazugehörigen Benimmregeln innerhalb des Hains - beinhaltet. Nach Ablauf der Jahre kann man überlegen, dass der Hain gänzlich übergeht, sollte die Wirtschaft stabil bleiben. Natürlich müssten wir für schlechte Zeiten auch dort eine 'Lücke' im Vertrag lassen, aber du wirst sicherlich nichts anderes erwartet haben."


    Nach seiner Antwort machte er sich auf den Weg zu einem Apfelbaum. Dorian pflückte ein paar junge Äpfel und steckte sie in seine Tasche.


    "Ich mag es, wenn sie noch so schön sauer und grün sind. Wollen wir weiter?"

    "Wer den Segen des Nebligen genießt, den schützt er auch vor dem Zorn seiner Geschwister."

  • Dorian hielt inne, als der Läufer ankam. Nach seiner Beschreibung drehte er sich kurz zu Khaid um: "Dann vertagen wir das? Ich muss eh noch woanders hin, dann werden wir eben umso ausführlicher baldigst reden."

    "Wer den Segen des Nebligen genießt, den schützt er auch vor dem Zorn seiner Geschwister."

  • Seufzend drehte der Zwölfgöttergeweihte der fremden Gestalt erst den Kopf, dann auch den Rest seines Körpers zu. Es war ja nicht so gewesen, dass er schon zur Turney vor dem Umgang mit Ratten gewarnt hatte, als sie dachten das Werfen dieser Tiere wäre eine geeignete Attraktion für ein Fest. Für die Turney hatte er Turnierwaffen vorgeschlagen, auch das war abgelehnt worden. Vielfalt war das eine, Chancengleichheit das andere und die Sicherheit das wichtigste. Dazu musste er sich zwangsläufig fragen, weshalb die Leute immer zuerst nach seinem Namen riefen, wenn irgendjemand verletzt war, gleich wie schwer die Verletzung auch ausfiel.


    Zugegeben: Er leitete das Siechenhaus. Doch was würde er tun? Sich das Ganze ansehen und die Leute bei schwereren Verletzungen zum Siechenhaus transportieren und behandeln - lassen. Möglicherweise war im Siechenhaus aber auch schlicht niemand zugegen, es sollte solche Tage geben, auch wenn er sie nicht gerne sah. Die grundsätzliche Frage, ob seine Anwesenheit unbedingt erforderlich war, stellte er sich dennoch. Nein, war sie nicht. Würde er dennoch gehen und dem Ruf folgen? Natürlich, die Gebote seiner Göttin konnte er nicht einfach außer Acht lassen. Auch wenn er allmählich mehr Struktur in das Siechenhaus bringen sollte, damit sie auch verstanden dass einem Leiter die Möglichkeit gegeben werden musste zu verwalten. Würde er weiterhin jede Behandlung selbst durchführen müssen, sollte er sich ansonsten jemanden suchen der ihn von den Pflichten der Verwaltung entband.


    Eventuell hatte Lechdan Interesse daran.


    "Wir vertagen das, es bleibt uns keine andere Wahl, wenn Kreaturen des verstümmelten Gottes Quingard unsicher machen", antwortete er Dorian.


    Khaid warf die Gugel zurück und setzte an, dem Boten zu folgen. Ach, hoffentlich konnte er seinen Gedanken so lange festhalten.


    "Dann los, Bote, führe er mich hin!"

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    Mitglied des Ordens der Gesegneten Heilerschaft der Peraine-Gläubigen

  • Der Bote nickte eifrig und ging dann voran. Während sie entlang dem Marktplatz gen Osten zum Handwerkerviertel liefen, berichtete der Bote, "Die Arbeiter haben ein altes Lagerhaus geräumt, in dem sich Tonnenweise verfaultes Getreide Türmte, dabei müssen sie auf ein Rattennest gestoßen sein und wurden übel zugerichtet."

    Als sie an dem Lagerhaus ankommen, sahen sie drei Arbeiter am Boden liegen und fünf weiter um sie herum. Sie versuchten sich um sie zu kümmern, doch sah man in ihren Gesichtern die Ratlosigkeit.

  • Skeptisch beäugte der Heiler die fünf Herumstehenden und stellte sich bei seiner Ankunft neben einen der Arbeiter.


    "Gibt es hier irgendetwas umsonst?", fragte er nach einem Moment und fuhr dann fort, "Falls nicht, meine Herren, bitte ich darum weniger schaulustig zu wirken und etwas Abstand zu nehmen, damit der Heiler seine Arbeit machen kann. Außer ihr wurde ebenfalls angefallen. Dann bleibt und setzt euch. Die beiden Fingerfertigsten von euch dürfen ansonsten bleiben, da ich womöglich eine helfende Hand benötigen werde. Der Rest darf sich gerne ein Stück entfernen - oder ihr sucht jemandem, der wichtig ist, dem ihr von diesem Vorfall berichten könnt. Macht unter euch aus, wer was tut. Danke."


    Noch während er den Arbeitern zum Abschluss seiner Worte zunickte, zog er sich ein Paar weiße Handschuhe über und begutachtete nacheinander, behutsam und vorsichtig, die vorliegenden Verletzungen der Arbeiter.


    OT

    Meister der Ernte

    Mitglied des Ordens der Gesegneten Heilerschaft der Peraine-Gläubigen

  • OT


    Der linke verletzte war am Hals gebissen worden und einer der fünf hielt ihm die Wunde am Hals zu, damit das Blut nicht samt seinem Leben aus seinem Körper rinnen würde. Den in der Mitte liegenden hatte es weniger schlimm erwischt, er war "nur" von Dutzenden Bissen an Armen, Beinen, Händen überzogen und lag mit schmerzverzerrtem Gesicht da. Der rechte war Bewusstlos und hatte zusätzlich zu den Dutzenden Bissen, ähnlich wie sein Nachbar, eine klaffende Platzwunde auf der Stirn und das Gesicht war überflutet vom schon trocknenden Blut.