Sich selbst ein gemütliches Lager machen...

  • Die Gespräche mit Dorian, Stordan und den anderen waren nicht lange her, als eine einzelne Gestalt, bewaffnet mit dem abgeschnittenen Rest eines Brettes, Pergament und Kohlestift auf die nordwestliche Straße einbog und dann dem Stichweg folgte.

    Feqzjian hatte sich entschieden so wenig Zeit wie möglich verstreichen lassen. Lagerhäuser und Nahrungsspeicher mochten keine Prestigebauten sein, aber sie waren zu wichtig, um lange auf ihre Nutzung warten zu können.


    Zunächst einmal wollte er sehen, in welchem Zustand die Lagerhäuser waren – und als was sie vorher in Benutzung waren. Irgendetwas war gelagert worden, soviel war klar – aber auch Nahrung? Oder nur unverderbliches Handelsgut? Eilig legte er das Pergament auf das Stück Brett und strich es dort glatt, um es leichter beschreiben zu können. Während dieses Konstrukt, einem Kleinkind gleich, in seinem linken Arm ruhte, umfasst die Rechte das Kohleschreibgerät.


    Ein abschätzender erster Blick glitt über die Häuser, zählte sie und betrachtete den Zustand ihrer Fassade, Fenster und Tore, während er sich rasch einige Notizen machte. Mit dem Größten fange ich an., schoss es ihm durch den Kopf, ehe er rasch den Kopf schüttelte. Das dauert sicher zu lange. Ich fange mit dem Kleinsten an. Wieder ein Stocken. Aber was, wenn da nicht alles reinpasst? Ich brauche dringend einen Überblick über die vorhandenen Vorräte. Dann kann ich das Lagerhaus bestimmen, mit dessen Instandsetzung wir anfangen müssen.


    Kurz sah er sich um, als wolle er die Umgebung erfassen. Ob es Wasser in der Nähe gibt? Mit etwas Glück kann man sogar Flusskähne hier anlegen lassen, um die Waren direkt zu verladen. Nachdem seine Erkundung beendet war, zeichnete er sich erneut einige gekrakelte Schriftzeichen auf das nicht klemmende Klemmbrett.

    Erst danach wandte er sich dem ersten der Häuser zu und stopfte seine Schreibutensilien in die Tasche, um das Zugangstor aufzustemmen. Zukünftig sollten diese Häuser dazu dienen Nahrung und Handelsgüter zu lagern und beides stellte vollkommen unterschiedliche Anforderungen an die Lagerung. Getreide musste hoch gelagert werden, um Ratten oder Mäuse fernzuhalten. Es brauchte Fenster und am besten einen Boden mit Löchern darin, um seine Trocknung und Belüftung zu garantieren. Außerdem musste man leicht darankommen, damit man es wenden und umschichten konnte. Ohne diese Arbeit faulte das Korn nur allzu schnell und konnte eine sicher geglaubte Ernte einem auch dann noch entreißen, wenn man sie sicher im Kornspeicher geglaubt hatte - das war bekannt.


    Fisch konnte man ohnehin nicht lange lagern – außer man bereitete ihn entsprechend vor. Pökeln, Räuchern, Trocknen; es gab viele Methoden. Aber das Ergebnis all dessen musste angemessen gelagert werden. Pökelfisch musste in Fässern aufbewahrt werden, während Trocken- und Räucherfisch am besten von der Decke hing, um nicht von umtriebigen Katzen – und von denen gab es hier genug – ergaunert zu werden. Das Gleiche galt für die Lagerung von Fleisch. Es brauchte also einen Bereich in dem Haken von der Decke hingen, ebenso wie einen in dem man schwere Fässer lagern konnte. In diesem Bezug konnte der Fisch sich den Aufbau mit Wein und Bier teilen.


    Als das Tor endlich offen war, betrachtete er den Aufbau des Hauses und suchte mit dem Blick nach einer Möglichkeit in ein höheres Stockwerk oder auf einen Heuboden zu gelangen. „Wehe dir, Bruder Feqz, wenn diese Speicher das Zentrum der Rattenplage sind. Dann gehst du zur Strafe heute Abend ohne Strümpfe ins Bett!“, warnte er vernehmlich, während er die Augen nach den kleinen Nagern offen hielt – und hoffte gleichzeitig das Beste für sich und den bedrohten Gott.

    OT
  • Feqzjian befindet sich im Südöstlichen Teil von Quingard, er war von der Hauptstrasse, die durch das Südlich Stadttor führt, in das Viertel der Papiermühlen und Alchemisten gelaufen, nach dem er an einigen Mühlen und Laboren vorbei war, hatte er die ersten Lagerhäuser gefunden. Sie erstreckten sich bis hinüber in's Handwerkerviertel.

    Der Maraskaner betritt eins der größeren Lagerhäuser, man hatte es früher als Getreidesilo genutzt. Als er das große hölzerne Tor aufstößt bemerkt er sofort ein gewimmel und gewusel. Er sieht einen riesen Haufen verdorbenen Korn und eine Armee von Ratten. Einige die sich nicht schnell genug ein Versteckt suchen können streben auf das Tor zu, in dem Feqzjian steht....

  • Nachdem er die Schocksekunde überwunden hatte, übernahmen die Reflexe. Als die Flut von Ratten sich einer wogenden Brandung gleich auf ihn zubewegte, sah er nach oben, überließ das Klemmbrett samt Schreibzeug der Übermacht und sprang vom Boden ab. Nachdem er an einer über ihm befindlichen Querlatte Halt gefunden hatte, zog er die Beine an und betrachtete dann von seiner leidlich sicheren Position aus das Spektakel.


    Eine Ratte nach der anderen zog vorüber, andere suchten ihr Heil in dem bisherigen Versteck ihrer Streitmacht. Einen Augenblick blinzelte der Maraskaner, um seine Verwirrung zu vertreiben. Das Quieken in seinen Ohren ausblendend, ließ er seinen Blick fort von den wimmelnden Körpern und hin zu dem fauligen Korn gleiten. Welcher Narr hat das Korn denn einfach auf den Boden gekippt? Kein Wunder, dass hier alles voller Graupelze ist. schoss es ihm durch den Kopf, während sein Körper träge an dem Stück Holz an dem er sich festhielt vor und zurück pendelte. Geduldig wartete er ab, bis das tobende Leben unter ihm wieder abebbte, sei es durch Flucht, sei es durch das unvermutete "Verschwinden" des menschlichen Eindringlings. Dann öffnete er die Finger, die sich um das Holz geschlossen hatten und kam kurz darauf wieder auf dem Boden auf. Rasch las er das Brett wieder auf, legte das Pergament zurecht und begann zu schreiben.


    Dann besah er sich den Aufbau des Hauses. Zwar gab es keine Zwischendecke, die als Heuboden hätte herhalten können, aber der ließ sich einziehen. Hoch genug war die Decke jedenfalls. Auch Fenster gab es genug - und sogar eine Luke mit einem Flaschenzug. Anders gesagt: Es war perfekt.


    Mit einem gepfiffenen Lied auf den Lippen verließ Feqzjian das Lagerhaus und wandte seine Schritte dem nächsten der Gebäude zu. Ehe er das Eingangstor erreicht hatte, verstaute er das Schreibzeug sicher. Verschaukel mich einmal, Grauberobter, deine Schuld. Verschaukel mich zweimal - meine Schuld.

    Damit griff er nach den Torflügeln des zweiten Lagerhauses und riss sie schwungvoll auf - nur um gleich danach zum rettenden Sprung anzusetzen. Man wusste ja nie.


    Einige Stunden später konnte man den geborenen Inselbewohner im Gespräch mit einigen der Arbeiter sehen. Seine Erklärungen und Anweisungen unterstrich der Mann mit ausladenden Handbewegungen und sogar einigen kurzen - und eher miesen - Zeichnungen.
    Trotzdem begannen kurz darauf die Arbeiten. Während der Großteil der Männer damit begann das Korn aus dem ersten der Lagerhäuser zu schaffen und auf der vom Feldlager abgewandten Seite der Stadt aufzuschichten, waren einige Wenige damit beschäftigt einige der Samtpfoten aus den Straßen der Stadt in die umliegenden Lager zu schaffen.

    In dem Tumult der arbeitenden Bevölkerung hatte der Verantwortliche es sich auf einer Kiste gemütlich gemacht, von der er gelegentlich aufstehen musste, um einen der Arbeiter ein Werkzeug oder einen Schluck Wasser holen zu lassen.

    In den warmen Strahlen der untergehenden Sonne kritzelte der Freischärler weitere Zeilen auf sein Pergament.



    Nachdem die Schriftstücke schließlich vollendet waren, schrieb Feqzjian sie eilig noch einmal ab, um sie mittels eines der Arbeiter Stordan und Dorian zukommen zu lassen. Mit den Originalen dagegen setzte er sich ab - in Richtung des Waisenhauses.

  • Nachdem Dorian die Nachricht sah, klärte er kurz mit dem Arbeiter ab, dass der Brief an Stordan bei ihm blieb. Er war zur Zeit eh bei den Tunnelbauarbeiten und kam erst zum Sommerfeldzug wieder. Er zog seinen Kreidestift aus dem Hut. Den, an den er eine Feder präpariert hatte damit es ein wenig 'nobler' aussah und schrieb auf einen Notizzettel für Feqzjian.


    Zitat von Dorian

    "Wir treffen uns heute Abend bei dem Haus, was ich euch gezeigt habe. Das, in der Gasse. Und dann sprechen wir einmal über eure Fragen. Ihr seid mit da auch noch eine Antwort schuldig.

    Dorian

    PS: Gute Arbeit"

    "Wer den Segen des Nebligen genießt, den schützt er auch vor dem Zorn seiner Geschwister."

  • Nebbi

    Hat das Label Kelemthal hinzugefügt