Wiederaufbau in Quingard

  • "Fräulein Nef! Fräulein Nef!" Essandra rannte die Treppe des ehemaligen Gasthauses trampelnd hinauf, immer zwei Stufen auf einmal nehmend.

    Ihr blonder Zopf flog dem ungestümen Mädchen in bereits viele Strähnen zerzaust hinterher.

    Sie hatte sich mittlerweile vollständig von ihrem Sturz von den Klippen Gutenbuchts erholt. Aber Möweneier wollte sie nimmermehr essen, darauf beharrte die elternlose Vierzehnjährige.


    Nepheruna stand in einem der drei Schlafsäle im ersten Stock und betrachtete einschätzend das Werk der letzten Stunden. Ihr langes Haar trug sie mit all den Zöpfen und Perlen darin zurückgebunden. Die rote tulamidische Hose und die mittelreichische Tunika waren staubig, die Ärmel hochgekrempelt. Während sie arbeitete, hatte sie sogar einige ihrer Lieblingshalsketten abgelegt - nur noch die wichtigsten drei Anhänger baumelten um ihren schmalen Hals.

    Es gab in Quingard für die Waisen kaum Strohmatratzen, geschweige denn Betten.

    Aus Mangel an weichen Unterlagen hatte sie vor fast drei Wochen Kinder geschickt, saftiges Wiesengras in ganzen Bündeln zu pflücken.

    In bester Sonneneinstrahlung war es regelmäßig gewendet worden und so hatten sie notdürftig ihr eigenes Heu hergestellt. Die erste Fuhre war heute fertig geworden und lag nun wohl drapiert gemeinsam mit geflickten Decken als improvisierte Schlafplätze auf dem Dielenboden.

    Auch an Unterlagen und Decken für kühlere Nächte mangelte es.

    Sie hatten unter den Flüchtlingen alte Kleidung und Lappen gesammelt – es war am Ende nicht viel geworden, aber es hatte gereicht daraus eine Hand voll weitere Bahnen Stoff zu nähen.

    Die Waisen wollten emsig mitarbeiten, wo sie es konnten, auch sie sehnten sich nach einer Art Zuhause.


    Von oben, aus dem Dachstuhl, erklang der monotone Lärm von mehreren Hämmern.

    Die zugeteilten Arbeiter reparierten die letzten Löcher. Herbst und Winter hatten wohl einige Schindeln gekostet.


    Die Arme locker verschränkt, mit den Händen jeweils den gegenseitigen Ellenbogen umfassend, trat Nepheruna zu einem der Fenster und blickte auf die Straße hinaus… und fuhr sachte zusammen, als Essandra plötzlich neben ihr stand.

    Die Arbeitsgeräusche vom Dach hatten die Schritte und das Rufen des Mädchens übertönt.

    Die Garetherin mit den auffälligen Zöpfen und Ketten lachte belustigt und atmete sich demonstrativ ans Herz fassend auf.

    „Essandra! Du Schleichkatze!“

    Sie war es nicht gewohnt derart erschreckt zu werden. Normalerweise war mit ihrem Gehör alles in bester Ordnung.

    „Fräulein Nef!“ die Hämmer von oberhalb setzen einen Augenblick wie aufgefordert aus – sicher unterhielten sich die Arbeiter.

    „Tomme meint, dass das Heu vom dritten Hof auch fertig sein könnte. Sollen sie es hinauf bringen?“

    „Wurde es heute schon gewendet?“

    „Ja! Der Herr Praios hat so heiß gebrannt zu Mittag, dass es gut durchgetrocknet ist.“

    „Klingt vielversprechend – aber mach dir die Mühe und wiederhole unten noch einmal, was ich schon zu Anfang meinte: Kontrolliert das Heu in der Anfangszeit, wenn ihr darauf schlaft – bewegt es ab und zu. Nicht, dass die Dielen schimmeln.“

    Essandra nickte und stürmte durch den künftigen Schlafsaal zur Tür.

    Insgesamt hatten sie auf dieser Etage drei davon.

    In jeden davon passten etwa zehn Kinder. Das wäre immer noch viel zu wenig Platz gewesen, wenn sich nicht die Handwerker bereits bereit erklärt hätten, viele der Waisen als Lehrlinge in ihr Haus aufzunehmen.

    Nef rieb sich die Arme, ging in die Hocke und richtete eine weitere Bettstatt her.

    Es erleichterte sie ungemein, dass viele der Elternlosen bald ein Heim ihr eigen nennen konnten.


    Schneider kamen nicht hinterher Decken, Kissen, Betttücher herzustellen. Wie auch – es gab viel zu wenig Schafe und Flachs für nötiges Leinen war nicht angebaut.

    Vielleicht gab es in den Wäldern reichlich Moos, um dieses Defizit auszugleichen..?

    Decken waren in mehr oder weniger gutem Zustand vorhanden - sie hatten auch während der bisherigen Reise darunter geschlafen. Aber der Erdboden, das Gras beim Lagern war doch weicher als der Holz-, Lehm- oder Steinboden eines Hauses - es brauchte mehr für darunter.

    Schreiner standen vor einer nicht zu befriedigenden Bettennachfrage. Immerhin gab es hier Bäume im Überfluss. Gerade die Holzhandwerker waren zu dieser Zeit mehr als angewiesen auf ihre Lehrlinge.

    Nepheru tippte darauf, dass es gerade die Tischler und Schreinersleute waren, die die Kinder mit offenen Armen empfangen hatten. Und natürlich die Schmiede. Schmiede brauchte es immer, wenn es eine Bedrohung gab, deren Namen man kannte.


    Gedankenvoll erhob sie sich und machte eine erneute Begehung: Drei mittelgroße Schlafsäle und drei kleinere Räume für jeweils zwei Ältere im ersten Stock. Unter dem Dach die Verwaltung, Bücherregale konnten sich gut unter den Dachschrägen machen.

    Lagermöglichkeiten für Langfristiges gab es. Zwei Doppelzimmer für Verwalter, Betreuende, Gäste. Sollten die Kinder wieder zahlreicher werden, gab es weitere Möglichkeiten, dann auszubauen. Das Gasthaus war ein geräumiger Bau.


    Ihre rasch-gezielten Schritte trugen sie die Treppe hinunter.

    Es war angenehm kühl im Erdgeschoss – hier machten recht schön verlegte Steinplatten den Boden aus. Zwei Speisesäle, die miteinander verbunden waren, hatten in ihrem bisherigen Dasein als Tavernenzimmer der Herberge gedient. Zuerst hatten sie überlegt einen großen Raum daraus zu machen. Die Statik der tragenden Wände hatte ihn aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Doch immerhin war der Durchgang, der eine Brücke schlug, großzügig.

    Bisher gab es noch keinen Tisch.

    Doch was sprach dagegen vorerst wie die Tulamiden zu essen?


    Daneben lag die geräumige Küche, ein Lagerraum, ergänzend ein kleiner Raum für bürokratische Angelegenheiten mit Fenster.

    Draußen im Hinterhof ein weiterer Lagerraum – daneben zwei Aborte.

    Es war großartig, dass es hier im Wohnviertel einen Anschluss an eine Kanalisation gab. Etwas, das nicht jede Stadt dieser Größe hatte. Luxus.


    Nicht großartig war, dass aus dieser Kanalisation immer wieder diese vermaledeiten Ratten kamen. Vielleicht hatte sie sich wegen der Ratten so vor Essandras plötzlichem Erscheinen erschrocken: Ratten machten sie einfach schreckhaft.

    Wo lag bloß ihre Nahrungsquelle?

    Sie hoffte inbrünstig, dass die Söldner bald das alte Kornlager oder die verendeten Tiere finden würden, von denen die Nager zehrten.

    Es musste etwas in diese Richtung sein.

    Ohne entsprechende Nahrung vermehrte sich eine Population nicht.

    Und sie hoffte ebenfalls, dass sich die Leute an das erinnerten, was sie gesagt hatte: Die Katzen würde nur ein Verrückter als Problem betrachten und anrühren.

    Sie waren die einzigen, die die Ratten derzeit vernünftig in Schach hielten. Die schnell genug waren und effiziente Jäger, genau auf diese Art von Beute spezialisiert. Und auch sie würden von dannen ziehen, Kater würden vermehrt fremden Nachwuchs töten, Jungtiere würden bei geringerem Nahrungsangebot nicht überleben, ihre Population würde sich von selbst erholen, gesunden – wenn die Rattenplage eingedämmt worden war. Die Ratten waren das Problem, nicht die Katzen. Dass sie ein ganz persönliches Herz für die Samtpfoten hegte, hatte sie ausgelassen.


    Um die Vögel kümmerte sich Corvin. Sie verließ sich auf ihn.

    Er hatte die Angewohnheit, Dinge richtig zu machen, wenn er sich ihnen erst einmal widmete.

    Nef stützte sich auf den derzeit einzigen, leicht wackelnden Tisch, der im Eingangsbereich stand. Sie hatte unter eines der Beine bereits einen kleinen Holzkeil geschoben. Einige Zettel lagen auf der Tischplatte, anbei ein Kohlestift.

    Sie notierte die neuesten Entwicklungen der letzten Woche für die Heroldin Federica. Bald - voraussichtlich übermorgen - konnten die Dacharbeiter vom Waisenhaus abgezogen werden.

    Aus dem Augenwinkel linste sie zum Fenster. Dieser Tag ging zur Neige.

    Sie wollte nach Phexdan sehen.

  • Übernächtigt schob sie das als Tür dienende zerrissene und wieder geflickte Laken zur Seite, das ihr eigenes Lager von dem der jüngsten Kinder trennte. Nicht nur die Konstruktion war provisorisch für die man Fingerspitzengefühl brauchte, um die Stoffbahn nicht kurzerhand von der Wand zu reißen, sondern auch die Schlafsituation in ihrer Gesamtheit.


    Nepheruna hatte ihre bisherige Zeit in das Waisenhaus gesteckt und sich keinen Dunst um das eigene Wohnhaus gekümmert, das deshalb am Anfang seiner Ausbesserungen stagnierte und für das höchstens Tair Alfahan , Kalas ( Shekki ) und Pancho einen zähen Finger rührten.
    Cosimo wollte seinen Traum von einem eigenen Spielcasino verwirklichen - wie es darum stand, da hatte sie keine Ahnung. Sie hatte den Al'Anfaner schon drei Tage nicht zu Gesicht bekommen.

    Warum also nicht gleich im Haus für die Elternlosen schlafen, hatte sie sich vor einer Woche gedacht, verbrachte sie ohnehin die meiste Zeit dort.
    Sie hatte die weinroten Decken, das gleichfarbige Kissen und ihre dünne Strohmatratze in den ersten Stock tragen lassen und sich in einer türlosen Seitenkammer eingerichtet.

    Phexdan war ihrem Beispiel gefolgt. Auch wenn er seine eigene Baustelle zu meistern hatte - er stahl sich jeden Abend zu ihr, wie es sich gehörte und rollte sich fast wie eine Katze in ihrem Rücken zusammen - eine menschenähnliche, dunkle, unrasierte Katze. Er ratzte noch tief und fest in Borons Armen.


    So war sie dem Zelt entkommen - So sehr sie das Reisen liebte, feste Bauwerke waren ihr ein Dutzend Mal lieber als ein Zelt - und vorläufig in ihr Projekt und zu den Kindern gezogen. Sie widmete sich den Kleinen mit Geduld und Hingabe. Nicht wie eine zärtliche Mutter - mehr wie eine fürsorgliche Ratgeberin. Sie beantwortete Fragen und stand für ihre Bedürfnisse ein - aber keinesfalls wollte sie eine zu enge Bindung schaffen, weshalb sie gerade die Jüngsten nicht oft auf den Arm nahm, sie zu trösten oder zu belustigen.
    Enni war besser in so etwas. Auch die Frau von Dorian steckte viele Stunden des Tages in die Notwendigkeit des Waisenheims.
    Zwei weitere Frauen - beide freyenmärkische Flüchtlinge - und ein Handwerker standen tagtäglich zur Verfügung, um aus dem alten Gasthaus ein zeitweiliges Zuhause für junge Menschen zu machen.


    Nur mit ihrer roten, grobvernähten Tunika bekleidet, die ihr knapp bis unter den Hintern reichte, wanderte sie barfuß durch den Raum. Die sieben Kleinkinder, die hier schliefen, waren ohnehin zu jung, um eine eventuelle Schamhaftigkeit ob der halben Nacktheit der Garetherin zu empfinden - also wars ihr einerlei.
    Das kalte Wasser der Schüssel dort machte Bekanntschaft mit ihrem noch müden Gesicht.
    Was für eine Nacht... Es war nicht die einmalige Unterbrechung durch ein Babyweinen gewesen, das sie aus dem Schlaf gerissen hatte, nein.
    Irgendwo in der Wand hatte es unablässig getapst und gescharrt. Ratten.

    Zumindest war das ihre paranoide Vermutung.
    Misstrauisch beäugte sie aus dem Augenwinkel die Innenwände. Jetzt war alles ruhig... natürlich.
    Sie hasste namenloses Gezücht inbrünstig und allem voran hielten Ratten ganz oben auf ihrer Hassliste die Stellung.
    Zwar war ihr bewusst, dass die Ratte im alttulamidischen als Symboltier für Feqz genutzt wurde, aber.. nein! Ratten gingen einfach nicht! Ein Schauer lief ihr von Kopf bis Zeh durch den mit spontaner Gänsehaut gespickten Körper.
    Sie erinnerte sich unwohl und mit einem Ziehen in der Magengegend an ihre Kindheit im Winter in Eschenrod. Ein Mädchen war eines nachts im Bett gestorben.. nicht aufgestanden am frühen Morgen... Und als sie ihr die Decke weggezogen hatten, die Schlafmütze zu wecken, waren da.. Ratten. Überall. Dutzende Leiber. Hatten sich die halbe Nacht von der kleinen Leiche genährt und..


    Sie tauchte ihr ganzes Gesicht überschwänglich in die Schüssel, um die Bilder zu vertreiben.


    ~~~


    Eine Stunde später, ging es erneut ans Werk. Es war noch früh am Tag - der Mittag war noch zwei, drei Stunden außer Sicht.
    Gedanklich war Nepheru immer noch bei den Festspielen, die vor zwei Tagen außerhalb von Quingard stattgefunden hatten.
    Allerdings war das nicht das Schlechteste. Während sie sich also daran machte, die beiden alten rußverschmierten, schmiedeeisernen Öfen auf ihre Reinigung mit Essig vorzubereiten, wanderten ihre Gedanken über den Festplatz, beobachteten die Teilnehmer des Kampfes, unterhielten sich mit Dorian Fuxfell im Turm, zeichneten Stordan von Zackenberg und Antonius als die Pfeiler des Lehens, sprachen mit Tarvin Leuentrutz über Greifenfurt, Gareth und das Vortäuschen, applaudierten Corvin ( Tarion ) bei seinen Kartentricks und beobachteten Feqzjian von Tuzak stolz beim Bogenschützenturnier.
    Sie umwickelte sich die Haare mit einem schmalen Stoffrest zu einem dicken Zopf und band sich eine zerschlissene, lange weiße Schürze schützend vor die rotfarbige Kluft.
    "Fräulein Nef?" schüchtern stand die kleine Mirabelle im Türrahmen zur steingefliesten Küche und unterbrach den bunten Zirkus an frischen Erinnerungen.

    "Hm?" Etwas Eloquenteres brachte die Angesprochene durch das spontane Herausreißen aus ihren Tagträumen nicht zu Stande.
    "Was machst du da?"
    Eine typische Frage eines noch nicht ausgewachsenen Menschen.
    Die Garetherin mit der Schürze und den Haarperlen neigte sich ein wenig vor und lächelte das Kind heiter an.
    "Um später Essen in diesen Öfen machen zu können, das nicht nach Jahre altem Fett und Ruß und Staub riecht und schmeckt, muss ich versuchen, diese alten schmierigen Krusten und Schlieren mit aller mir aufzubringenden Kraft vom Eisen zu entfernen."
    "Ist das schwer?"
    Nef stemmte eine Hand in die Hüfte und blickte Mira einen Wimpernschlag lang schweigend an.
    "Ja, es.. geht schon etwas auf die Hand. Wahrscheinlich werde ich mir die armen Finger wund schrubben. Dabei bin ich doch jetzt eine Künstlerin!"
    Das Lächeln ging in ein belustigtes Grinsen über und sie fuhr fort. "Schließlich habe ich nur diese zu bemitleidende Wurzelbürste, die auch schon bessere Tage gesehen hat. Und diesen Lappen!" Beides hielt sie präsentierend nacheinander in die Höhe.
    Sie hielt noch einmal inne, musterte das Kind, als klügelte sie einen Plan aus.
    "Weißt du, Mira... renn doch einmal auf die Straße und sieh, ob du einen Mann findest, der so aussieht, als würde er gerne für stark und stattlich gehalten werden.. Das trifft auf genug Männer zu - du wirst schon einen finden. Und dann fragst du den Herrn - eigentlich egal, ob erwirklich stattlich ist oder nur halbwegs - ob er dem Waisenhaus einen großen Dienst erweisen möchte, da seine männlichen Arme und kräftigen Hände dringend von uns schwachem Kind- und Weibsvolk benötigt werden. Machst du das bitte für mich? Und erwähne unter keinen Umständen, dass es um die Küche geht!"
    Sie zwinkerte.

    Das Gesicht der Siebenjährigen - zuerst noch fragend und verwirrt, klarte sich auf und auch sie lächelte breit und zeigte ihre winzigen weißen Perlenzähne.
    "Das mach ich!"
    Schnell war sie aus der Tür.
    Nef warf sich den Lappen über die Schulter, lächelte noch immer verschmitzt vor sich her und war gespannt, wen das Kind anschleppen würde, während sie sich die Schürze abnahm.


    OT
  • Nach einiger Zeit öffnete sich die Tür und erhellt durch das Licht der Praiosscheibe trat ein Mann ins Waisenhaus.

    "Welch Kunde ereilt mich da. Eine holde Maid in Nöten. Ein Unterfangen eines Ritters würdig"

    Tarvin musste sich das lachen dabei verkneifen. Zeilen aus dem garethischen Theater, vorgertagen mit halb so viel Talent wie ein richtiger Schauspieler.


    Wenn man ihn nicht kennt, könnte man Tarvin gerade nicht als Geweihten Rondras erkennen. Er trug nur eine lange Untertunika. Da drüber eine weitere Tunika mit roter Borte. Abzeichen, Anhänger und Wappenrock tug er nicht. Diese waren wahrscheinlich in dem Bündel aus gefalteten Klamotten die er auf dem Arm trug.

    Er löste den Schwertgurt und lag Klamotten und Schwert auf einen Stuhl neben der Tür. Dann wand er sich Nepheruna zu.

    "Einer eurer Schützlinge meinte ihr könntet Hilfe benötigen.... und das ihr einen stattlichen Mann sucht. Ich nehme einfach mal an, dass sich das alles auf euer derzeitiges Problem bezieht"

    Ein breites Grinsen ging über Tarvins gesicht.

    "Also bei was genau kann man euch helfen?"

  • Nef befand sich in einer für sie eher untypischen Lage: Sie putzte.

    Während sich die kleine Mira draußen in der bereits morgendlich recht hitzigen Rahjasonne herumgetrieben hatte, um einen geeigneten Recken für die Hausarbeit des Waisenheims zu finden, hatte sich der Teil ihrer Vormundschaft, der sich Nepheruna Banokborn nannte, Eimer, Wasser, Lappen und Besen besorgt.
    Irgendjemand muss es ja schließlich tun... war ihr zielführendes Motto für die Schrubberei gewesen. Also hatte sie sich den roten Stoff der Ärmel hochgekrempelt, den Zopf nach hinten geworfen und angefangen großzügig den Inhalt des Wassereimers über den Steinplatten des Foyers zu verteilen, um mit ihrem langstieligen Putzutensil Staub und Schmutz vom -jetzt sehr nassen - Boden zu bürsten.
    Vielleicht hatte sie mit der Menge des Wischwassers ein klein wenig übertrieben. Putzen lag ihr einfach nicht.


    Als sich die Tür öffnete, hob sie den Blick und stützte sich auf den Besenstiel. Geblendet von der Morgensonne, die zur offenen Tür hereinbrach, blinzelte sie der dunklen Silhouette entgegen, die da auf sie zukam. Präventiv deutete sie ein Lächeln an.
    Als sie Tarvins Begrüßung hörte und ihn erkannte wurde das beginnende Lächeln zu einem Schmunzeln. Er war Garether, wie sie. Er hatte sicher einmal das Theater Fuchsbau besucht. Sie selbst hatte das Schauspiel dort mehrere Male genießen können und entschied sich, ihn irgendwann einmal danach zu fragen. Doch zuerst hatte er eine tadellose Begrüßung verdient.
    "Einen zwölfgöttergesegneten guten Morgen, Euer Gnaden Leuentrutz!"
    Sie garnierte wie so oft eine sehr höfliche Anrede mit einem verschmitzten Mundwinkelhochziehen - ganz so, als habe sie irgendwo einen heimlichen Witz versteckt - was aber nicht der Fall war.
    "Oh, es trifft sich ausgezeichnet, dass Mira ausgerechnet Euch gefunden hat! Schließlich ist das Retten braver Bürgersleut' ja gewissermaßen genau Euer Steckenpferd, richtig? Es wird für Euch also sicher in gewisser Weise erfüllend, mir zur Hand zu gehen."
    Sie zwinkerte ihm zu, dann linste sie kurz aus den Augenwinkel zu dem Kind, das mit den Füßen auf den feuchtnassen Steinplatten herumpatschte.
    Bezüglich ihrer Formulierungen würde sie das Früchtchen Mira noch schulen müssen...
    Nefs Augenmerk glitt zurück zu dem Rondrianer, der soeben Waffen und Bündel abgelegt hatte.


    Alibimäßig wischte sie ein paar Mal mit dem Besen auf dem nass viel dunkler wirkenden Boden herum, dann lehnte sie den Kehrwisch an die Wand.
    "Das derzeitige Problem - " wiederholte sie seine Worte bedeutungsvoll und wandte sich zu einem Durchgang ohne Tür, der in eine noch ausgesprochen leere Küche im Erdgeschoss führte in der es nichts gab außer zwei Tische, zwei Hockern und ebenfalls einem Paar schmiedeeiserner Öfen zum Backen und Kochen.
    "Sind diese zwei Eisenkolosse. Sie sind schmierig, rußig, staubig... und ich bin mir nicht sicher.. vielleicht wurden sie von all den Ratten im Laufe der letzten Zeit auch als Brutstätte genutzt. Die Kinder würden sicher von einer Krankheit und dann der nächsten gejagt, wenn wir sie nicht gründlich reinigen, bevor wir sie zum Essenkochen nutzen." Sie deutete schuldzuweisend auf die immens verrußten Öfen, eingelassen in eine massive Basis aus Bruchstein.
    Sie atmete tief ein, sah Tarvin ins Gesicht.
    Um Ernsthaftigkeit in der Mimik bemüht, hob sie ihre Handflächen, präsentierte ihre Fingerspitzen.
    "Ich brauche jemand mit kräftigeren Händen und stärkeren Fingern als die meine, um dem hartnäckigen Ruß Herr zu werden.... Ich hätte auch eine Schürze für Euch, um Eure eigene Kleidung zu schonen, wenn Ihr mögt. Selbst wenn Ihr derzeit nicht das Ornat tragt, weiß ich nicht, ob verkohlte Flecken sich gut auf Eurer Tunika machen."
    Sie musterte ihn einmal rasch, fast beiläufig von Kopf bis Fuß, während sie das sagte.
    "Ihr... Helft mir doch?"
    Es klang hoffend.

  • Noch während sich die beiden unterhielten, konnte man ein Geschepper vom Eingang und lautes Miaun und Fauchen hören.

    In der gleichen Sekunde waren es drei Ratten, die ihren Weg in das Waisenhaus gefunden hatten. War die Tür aufgeblieben?

    5! Katzen rannten wie wild hinter ihnen her und prügelten sich dabei schon fast selber aus dem Weg. Zusammengekehrte Staubhaufen wurden verwirbelt und Blecheimer umgeworfen. Die Ratten wollten, nachdem sie euch realisiert hatten woanders hinflüchten, doch die Katzen waren hier schneller. In einem Fuchsteufelswilden Angriff wurden die Ratten nahezu zerfetzt. Noch ehe einer reagieren konnte, wurden die Rattenleiber geschnappt und weg waren sie. Übrig war noch das Rattenblut der Jagd...

  • "Was für eine Ungezieferflut?"

    Für einen kurzen Moment hatte sich Tarvins Miene verbittert und er folgte der Spur aus Rattenblut wieder aus der Küche.

    Wie auch immer es die Ratten und Katzen geschafft haben, aber der Stuhl mit dem Schwert und den Klamotten war umgestoßen und in den nächstbesten Staubhaufen gefallen. Graue Flecken sind waren über die einzelnen Kleidungsstücke verteilt.

    Tarvin schlug die Hände ins Gesicht und seufzte "Warum ausgerechnet am Waschtag?"

    Er stellte den Stuhl wieder auf und legte die nun verstaubten Sachen darauf.


    "na was solls. Hätte schlimmer kommen können." sagte er um sich selbst zu beruhigen und seine Gedanken wieder auf das zu lenken, warum er überhaupt hier war. "Schon verrückt, dass soetwas genau dan passiert, wo ihr ihr mir anbietet meine Kleidung vor Flecken zu schützen"

    "Gut." sagte er und wand sich wieder zu Nepheruna. Sein Gesicht war bei weitem nicht mehr so vergnügt wie zu dem Zeitpunkt als er das Waisenhaus betrat aber von der Verbittung der letzten augenblicke fehlte auch jede Spur. Es war dieser Gesichtsausdruck von jemandem der einen Plan gefast hat und bereit war ihn umzusetzen.
    "Ihr habt mich um Hilfe gebeten, also helfe ich euch. Jetzt einfach wieder zu verschwinden wäre nicht in Ordnung" Er blickte auf die Eisenöfen in der Küche "Aber dafür müssen wir noch kurz was vorbereiten. Ich brauche eine feste Bürste, einen Lappen, heißes Wasser." Sein Blick wanderte wieder zum Rattenblut auf dem Boden. "Darum kümmern wir uns aber zuerst, bevor es eintrocknet. Festgetrocknetes Blut wegzubekommen ist auch ein Krampf"

  • Während urplötzlich die flüchtenden Ratten gefolgt von den randalierenden Katzen, eine Schneise der Verwüstung durch das Erdgeschoss des künftigen Waisenhauses zu ziehen schienen, sah Nef dem Treiben ungläubig und starr wie eine Salzsäule zu. Sich zu rühren war ihr unmöglich.
    Es ging so schnell.
    Und war ebenso schnell wieder vorbei.
    Sie stützte sich einen Augenblick wortlos an die Wand, als Tarvin die Küche verließ, um sich das Ausmaß der Verheerung im Foyer anzusehen, wo die Eimer gestanden hatten und wo der Boden teils vom Wischen und Schrubben nass, teils mit Staubhaufen bedeckt gewesen war.
    Ihr Herz hetzte einen schnellen Takt - Ratten... Wie so oft. Quingard war eine regelrechte Feuerprobe...
    Tief durchatmen... verinnerlichte sie. Es kam ihr gar nicht gelegen jetzt vor dem Rondrianer zu zeigen, wie tief ihre Angst vor den kleinen Nagern ging - gerade wenn sie in Horden und sehr plötzlich auftraten. Sie war nicht der Typ, der in Panik ausbrach und mit empor gerissenen Armen und gellenden Schreien kopflos das Weite suchte - die Furcht vor den Ratten lähmte sie und manches Mal war sie sogar schlicht von einer Ohnmacht eingeholt worden.


    Sie folgte Tarvin in den Eingangsbereich. Nur ein bisschen schwindelig war ihr.
    Noch immer schweigend inspizierte sie die Blutflecken auf dem Steinboden. Zum Glück waren einige davon in dem Bereich, der noch feucht vom Wischen glänzte - sie dankte Phex, dass sie anfangs so mit dem Wasser übertrieben hatte.
    "Die 'Haustiere' des Rattenkindes fühlen sich in Quingard leider überaus wohl. Ich hoffe inständig, dass der Grund für ihre erhöhte Anzahl bald gefunden ist. Irgendetwas muss ja dafür gesorgt haben, dass sie sich ohne den Abfall von ansässigen Menschen in einer verwaisten Stadt so unglaublich vermehren konnten.." erwiderte sie mit ruhiger, samtiger Stimme - lag ein leichtes Zittern darin? Sie sagte es nicht, aber sie hoffte, dass nicht der Goldene, der Dreizehnte höchstpersönlich für die Rattenplage verantwortlich war. Sie sprach es nicht aus, denn sie wollte den Namenlosen nicht sprichwörtlich an die Wand malen.

    Über die Katzen sagte sie gar nichts.
    Sie war sehr froh darüber, dass die felinen Jäger den Ratten schnell ein jähes Ende bereitet hatten.


    Sie nahm die lange Schürze von der Schulter, die da immer noch zusammengefaltet hing und auf ihren Einsatz gewartet hatte.
    "Vielleicht reicht es, Eure gewaschene Kleidung abzubürsten." schlug sie beiläufig vor, ehe sie ihm die zerschlissene Schürze hinhielt. "Wollt Ihr? Ich besorge das warme Wasser. Bürste und Lappen sind in der Küche. Mira? Wenn du noch helfen willst, stell doch die Eimer wieder auf."

    Sie hatte sich wieder gefasst.
    Zwar lächelte sie - aber bissiger und ebenfalls entschlossen.

  • Tarvin nahm die Schürze.

    "Ein Kampf nach dem anderen. Erst das Blut, dann die Öfen und dann überlegen wir uns, wie wir die Rattenlöcher finden."

    Er ging in die Küche und um die restlichen Utensilien zu holen und seufzte beim anblick der Bürste.

    "Und ich glaube, wenn wir hier fertig sind, könntet ihr eine neue Bürste und ein paar große Lappen brauchen. Ich bin mir nicht sicher ob ihren Dienst noch lange erfüllen wenn wir hier fertig sind"


    Tarvin begann das Rattenblut vom Küchenboden zu wischen.

    Das Blut von dem Ungeziefer musste voll sein von Seuchen. Da sollte man sehr gründlich sein. Tarvin dachte zurück an seine Novizenzeit. Tempel fegen, Opferschalen reinigen. Das Rattenblut erinnerte ihn an das Mal wo ein Ehrenduell im Tempel ausgefochten wurde. Beide Kämpfer hatten die steinernen Platten

    in der Mitte der Halle vollgeblutet. Er und zwei andere novizen waren beauftragt, alles wieder herzurichten. Wer hätte gedacht, dass er diese Erfahrung gemals gebrauchen konnte. Aber hier war er nun und schrubbte Blut vom Boden.

  • Mit dem Anflug eines überraschten, aber zufriedenen Lächelns sah sie ihm nach, als er ausgerüstet mit der Schürze in die Küche ging.
    Kurz blieb sie gedankenvoll stehen.
    Ein Rondrianer ohne Ornat mit Schürze, der sich anschickt, einen Küchenboden zu wischen. Der Gedanke war anerkennend, nicht spöttisch oder herablassend. Nepheruna wusste jetzt, sie würde Tarvin Leuentrutz mögen können.
    Und sie folgte in die Küche.

    "Gegenstände wie Bürsten und sogar Lappen sind zur Zeit rar. Wir mussten alte Tücher aneinandernähen, damit die Kinder genug weiche Unterlagen haben, solange es nicht ausreichend Betten gibt. Ich hoffe, es gibt bald genug Schafe, um Wolle zu gewinnen, damit die Weber arbeiten können - oder Khaid sorgt dafür, dass Flachs gesät wird. Dann kann es spätestens nächstes Jahr neues Leinen geben. Bis dahin... Können wir Stoffe wohl nur importieren. Und ich habe noch kaum Orientierung, wo und wie weit entfernt die nächstgrößeren Städte für den Fernhandel liegen." erzählte sie ruhig, während sie ihrerseits auf die Knie sank, etwas von dem Essig im Bottich auf den Stein gab und anfing mit dem Putz-Werkzeug, das Tarvin gerade nicht benutzte, das Rattenblut nahe des Durchgangs zum Eingangsbereich wegzuschrubben. Sie trug Rot. Wie bisher immer. Hatte die Ärmel hochgekrempelt. Zöpfe und Haar waren zu einem zerzausten Pferdeschwanz zurückgebunden.


    "Wart Ihr häufig im Theater Fuchsbau am Brig-Lo-Platz? Immerhin ist es ja nur ein Katzensprung vom Rondratempel aus.." kurz sah sie zu ihm hinüber ohne in der Arbeit innezuhalten und ehe sie ihr Augenmerk wieder auf den Boden richtete. Sie wollte so gerne etwas über Gareth hören, die Stadt die sie heimlich vermisste.

  • Nebbi

    Hat das Label Kelemthal hinzugefügt
  • Tarvin musste kurz kichern als das Theater erwähnt wurde.

    "Ja ich habe es paar mal besucht. Einige ernste Stücke, einige Heldensagen und auch die ein oder andere gewollt und ungewollt komische Aufführungen"

    Nochmal musste er kichern und sich bemühen nicht in schallendes Gelächter auszubrechen.

    "Ich habe die Uraufführung von 'die Schneider Belahankas' gesehen. Er sollte ein Drama sein, aber irgendwie konnte man es nicht ernst nehmen.

    Einem der Darsteller ist mitten im Stück das Wams aufgeplatzt und einer anderen Darstellerin wurde mehrfach auf die Schleppe ihres Kleides getreten, sodass sie fast hinfiel" Ein breites Grinsen ging über Tarvins Gesicht "Ich weiß man soll nicht so schadenfroh sein über die Missgeschicke anderer, aber für ein Drama das sich um Rivalität, Korruption und dem Streben nach Perfektion drehen sollte, hatte es einfach zu viele unerwartet lustige Momente"


    Er wrang einen der Lappen über dem Eimer aus. Ein gutes Stück von der Blutspur war schon geschafft. Solange das Blut noch nicht vollkommen eingtrocknet war, ging es zum Glück ohne viel schrubben weg. Ohne murren machte er sich daran den nächsten Abschnitt sauber zu wischen.

    "Und ihr? Da ihr schon so gezielt anch der dem Theater Fuchsbau fragt, nehme ich an, ihr wart auch das ein oder andere Mal dort. Euch ist doch bestimmt auch irgend ein Bühnenstück in Erinnerung geblieben. Oder gibt es was anderes was euch begeistert hat in Gareth?"

  • Kurz wurden ihre Bemühungen den Boden vom Blut der drei geschlachteten Ratten zu reinigen langsamer, während sie mit belustigt hochgezogenem Mundwinkel den Rondrianer beim Kichern beobachtete.

    "Etwas das 'Die Schneider Belhankas' heißt, sollte ein ernstes Drama sein? Vom Klang des Namens her, hätte ich eher ein sehr.. knappbekleidetes Stück erwartet, in dem geöffnete Westen und pikant in ihrer Position veränderte Kleidschleppen zum allgemeinen Tenor des Inhalts gehören."
    Sie lachte nun ihrerseits dunkel und etwas heiser in sich hinein.
    "Allerdings.." fügte sie mit schiefem Grinsen an, "muss ich gestehen, dass ich nie dort gewesen bin und mein Wissen um Belhanka nur von den Gerüchten herrührt, die man sich in Gareth darüber erzählt. Allerdings scheint die Modeerscheinung des Belhanker Röckchens kein Gerücht zu sein - ich habe mal eine Dame in so einem durchaus sehr kurzen Stück Stoff gesehen."


    Halbherzig wischte sie die letzten roten Spritzer vom Boden, die sich in ihrem Armradius befanden.

    "Es gibt so vieles, was ich an Gareth liebte und vermisse. Allein der Klang der Stadt.. Man hatte das Gefühl nie allein zu sein, ein Mensch unter so vielen. Ich liebe den Puls der Stadt." Sie atmete tief durch und bleib schwammig, führte keine weiteren Einzelheiten aus.
    "Und ja, ich war häufiger im Fuchsbau. Habe das Theater sehr genossen.. Gerade ein Stück... Über die Götter. Es sollte in mehreren Teilen auf die Bühne kommen, ich weiß nicht, ob es je fertig geworden ist. Ich bin schon zu lange nicht mehr dort gewesen."
    Sie überlegte einen Moment und begann dann damenhaft näselnd, "Oh dieser unmanierlich Schelm! Was glaubt er nur, was bildet Phex sich ein? Mich, die ich Liebe schenk den Menschen und Begehren - ja, die ich bin die Leidenschaft höchstselbst - mich will der Dieb, dieser Schändliche, verführen?!"

    Dann begann wieder ihr Lachen. Dieses Mal lauter und weniger verborgen.

  • Tarvin legte den Lappen zur Seite, hob beide Augenbrauen, versuchte angestrengt unbeeindruckt auszusehen und klaptsche mehrfach schnell in die Hände.

    "famos. wirklich famos" sagte er in einer sehr künstlich hochnäsigen Art. Kurz darauf konnte er die Grimasse nicht mehr halten und viel ebenfalls ins Lachen ein.


    "Ja ein wenig vermisse ich den Trubel auch. Die Märkte, meinen Heimattempel, hier ist alles... kleiner .Andererseits hat das alles auch etwas für sich." Er breitet die Arme aus und deutete auf alles um sich. "Ich habe das Gefühl... naja eher die Hoffnung... hier Teil von etwas Besonderem zu werden." Er nahm den Lappen wieder auf und begann mit dem schrubben. "Auch wenn ich jetzt gerade, anstatt mich auf einen Feldzug vorzubereiten, hier Rattenblut wegwische und Öfen reinige... Bei Travia ich habe meine Berufung verfehlt" sagte er wieder in seine fröhliche unernsten Art.

  • Prüfend blickte sie sich um. Als sie kein Blut mehr fand, sah sie zu Tarvin.

    Einen Moment lang erlaubte sie es sich, an ihre Heimat zu denken. Sich die prachtvollen Tempel vorzustellen, die Geräusche des Eisenmarktes und die Gerüche des Al'Anfaner Marktes in Neu-Gareth, das Puniner Tor und die Seilerei in Sonnengrund.


    Nef erhob sich mit staubig-feuchten Flecken an den Knien, auf denen sie eben noch auf dem alten Küchenboden gesessen hatte und warf in einer kurzen Bewegung beiläufig den Lappen zu einem Eimer, der zwar nicht hineinfiel, aber immerhin auf dem Rand hängen blieb.

    "Ich denke, wir haben die Spuren des blutigen Kampfes beseitigt."

    Sie sah immer noch zufrieden aus, nur ihr Lächeln war einen Deut ruhiger.


    "Aves hat uns weit weg geführt. Allein da fängt es ja schon an mit der Besonderheit! Wir werden alle gemeinsam dieses Land sicherer machen und verhindern, dass die Verfehmten jemals nach unserer Heimat langen können. Niemals sollen sie ihre Finger nach Aventurien ausstrecken. Und wenn ein Krieger Rondras wie Ihr es seid damit anfängt, einer Schar von Waisen das Leben zu verbessern - dann adelt Euch das." Meinte sie guter Dinge und mit eiserner Entschlossenheit. Sie glaubte wohl, was sie da sagte. Auch wenn der letzte Satz wohl nicht ganz im Sinne des Herrn Praios gewesen war.
    "Mythodea verdammt..." raunte sie nachträglich andächtig, als stelle sie in diesem einen Moment klar und deutlich fest, wo sie eigentlich war.