Im Lazarett von Gutenbucht II

  • "Aber selbstredend. Das hier, habe ich mir sagen lassen, soll starke Wetterfühligkeit lindern." Ihre Finger glitten hinüber zu einem dünkler wirkenden Kraut mit zackigen Kanten, von dem ein herber Geruch ausging.
    "Das hier soll Schwangeren Linderung verschaffen. Vor allem was ihre Übelkeit und Übellaunigkeit betrifft. Kann ich jedoch nicht bestätigen." Grinsend hielt sie einen Stängel mit hellen, herzförmigen Blättern vors Gesicht und blinzelte an diesem vorbei zu ihm nach oben.
    "Ach. Papperlapapp. Ich gebe mich nicht mehr mit Männern ab. Das ist Geschichte." Sie warf das herzförmige Kraut zurück auf den Stapel und stieß sich vom Tisch ab, um sich erneut auf ziellose Wanderschaft durch den Raum zu begeben. Hier und da blieb sie stehen und schien sich auf das eine Fläschchen, das eine Kraut oder ein anderes Utensil näher zu konzentrieren - wohl aber nur, um ihre Gedanken zu ordnen.
    "Uthred treibt sich irgendwo herum. Ich habe gehört dass er dieses Jahr wieder mitkommt, aber alles nur Gerüchte. Wer weiß schon. Kolyan und Cereus sind in der Stadt geblieben. Beim Schiff. Sie werden beim Feldzug wieder auf uns treffen. Und mit Piraten..." Sie spuckte die Worte förmlich in den Raum. "Habe ich nichts mehr zu tun. Efferd soll sie alle holen."
    Die Schultern zuckend, wie um sich selbst zu beweisen, dass ihre Worte der Wahrheit entsprachen, wandte sie sich nach ein paar weiteren Schritten wieder herum und bemühte sich, mit verschränkten Armen, zu einem Lächeln.
    "Was ist mit dir? Welches Weib hat bereits dein Herz erobert? Ist es die Heilerin, die dich unterstützt? Oder bist du gar in diesen Landen fündig geworden? Ist es keine Aventurierin? Oder schlägt dein Herz nach wie vor nur für die verlorenen Seelen auf deiner Bahre? Dann müssen wir dem im Tross entgegenwirken. Ich habe dort letztes Jahr Kontaktanzeigen von diversem Weibsvolk gesehen. Und Kolyan hat ohnehin vor ein Hurenhaus zu eröffnen. Er hat große Ambitionen! Und wenn mir Mannsvolk hinterher schaut, dann deinem Heiler Hinterteil erst recht! Weibsvolk, so habe ich gehört, bevorzugt harte Hände, die sie gleichzeitig auch sanft zusammenflicken können!"

  • Unverhohlen sah der Therbûnit zu Eilynn als sie mit den Blättern vor seinem Gesicht wedelte und ihn angrinste, wie es ein Schelm nicht hätte besser machen können. Seine Frage, so viel war ihm klar, würde jetzt womöglich irritieren: "Ich wusste gar nicht, dass du bereits Tsas Segen empfangen hast. Kolyan oder Cereus?" Seine Mundwinkel zuckten vor Amüsement, dann folgte er ihr mit dem Blick als sie den Gedanken an Männer einmal mehr verwarf. "Wirst du also zur Amazone, Eilynn? Keine Männer mehr, ganz keusch? Nicht mehr den Einen suchen?"


    "Uthred ist also gar nicht bei euch?", fragte er dann eher irritiert als sie erneut das Thema wechselte. Bedauerlich, dachte er sich, schließlich war ihm der Knabe durchaus sympathisch gewesen und es wäre sicher nur lustiger geworden, mit einem weiteren Thorwaler in der Nähe. Auch er zuckte dann jedoch kurzerhand mit den Schultern und lehnte sich mit dem Gesäß am Tisch an, den sie eben noch umrundet hatte.


    "Sie heißt Peraine", entgegnete der Heiler schließlich nach einer kurzen Pause.


    "Einer besseren, gütigeren Frau bin ich nie begegnet", fuhr er schmunzelnd fort. "Auf menschlicher Seite hingegen ist es bislang keiner gelungen, mein Herz im Sturm zu erobern. Meine Helferin mag ich, doch bin ich weder ein Freund von Romanzen am Arbeitsplatz, womit ich auch meine Patienten erst einmal ausschließe, noch würde ich mich dem Empfinden nach gegen Rahja oder Travia stellen und zwei, die zueinander gefunden haben wie Nepheruna und Feqzjian, voneinander trennen wollen. Das wäre nicht ich. Kontaktanzeigen sind ebenso wenig meine Art wie der Gang zu Dirnen. Ich bin wohl einfach ein hoffnungsloser Romantiker, der sich einfach von Rahja überrumpeln lassen möchte ."


    "Und mein Hinterteil sieht man doch kaum, bei dem vielen Stoff. Ich bin züchtiger gekleidet als jede angehende Praios-Novizin."


    "Und hast du meine Hände je ohne Handschuhe gesehen? Weich wie der Hintern eines Neugeborenen", scherzte er - oder nicht? Khaid konnte sich jedenfalls zu einem Lachen durchringen, das heiter wirkte. Kurios.

    Meister der Ernte

    Mitglied des Ordens der Gesegneten Heilerschaft der Peraine-Gläubigen

  • "Tsa kann ihren Segen belassen wo die Sonne Albernias niemals hinscheinen mag. Sehe ich aus als wäre ich an einem Balg an meinem Rockzipfel interessiert? Pah." Sie winkte ab und begann erneut mit ihrer Wanderung durch das Zelt.
    "Zudem mir das Mannsvolk fehlt und ich dem Klang des Wortes Amazone durchaus etwas abgewinnen kann. " Ohne sich zu ihm umzuwenden, blieb sie vor einem Regal stehen, in dem ein paar Bücher lagerten. Wahllos griff sie nach einem, vorsichtig und behutsam als wäre das das einzige Kleinkind, dem eine solche Behandlung zuteil werden konnte.

    "Nein. Uthred ist ein Wanderer. Er wird schon wieder auftauchen. Weshalb die Bekümmnis in der Stimme?" Sie blickte über die Schulter hinweg zu Khaid zurück. "Vermisst du ihn etwa?" Schmunzelnd kehrte der Fokus zurück auf dem Buch, welches sie nun aufschlug und langsam zu blättern begann.
    "Hm. Nun wir wollen doch sehen ob Rahja nicht bald auch dein Leben versüßt. Nun, da ich auf dem Feldzug keine Hintern mehr außer deinem zu retten habe, habe ich mehr Zeit, mich um dein Liebesleben zu kümmern. Ich bin mir sicher, dass sich da etwas machen lässt." Am Ende des Buches nach wahllosem Blättern angekommen, stellte sie es wieder behutsam zurück und zog ein weiteres hervor.
    "Natürlich habe ich deine Hände ohne Handschuhe gesehen. Ich will fast meinen, guter Freund, dass ich deine Hände öfter ohne Handschuhe als mit gesehen habe! Was sagt uns dies?"
    Wieder blinzelte sie mit Schelm in den Augen zu ihm zurück.

  • "Was heißt schon vermissen", begann der Heiler nachdenklich während sein Blick ihr aus müden Augen folgte, "er gehört nun einmal irgendwie dazu, auch wenn er ziellos über die Meere irrt oder noch so avesgefällig umherwandert, ohne festes Ziel vor Augen." Sachte nickte er daraufhin, als wolle er seinen Worten einen Hauch von Nachdruck verleihen.

    "Dazu erfreue ich mich schlicht an jeder Thorwalerseele in unseren Reihen, die im Namen des Gottwals auf den Feldzug geht. Und ich weiß gar nicht, ob es in diesem Jahr ausschließlich Ragnar und Uthred sein werden, oder ob es ein unerwartetes Wiedersehen mit irgendjemandem geben wird."

    Schlussendlich blieb seine Aufmerksamkeit an dem Buch zwischen ihren Fingern hängen, dessen Einband er aus der Distanz und ob der zunehmenden Dunkelheit nicht entziffern konnte. "Darf oder muss ich mir ansonsten Hoffnung oder Sorgen machen, so sehr wie du dich offenbar um mein Liebesleben kümmern möchtest? Habe doch nicht etwa eine Verehrerin, die ich bislang in Ermangelung von Kenntnisnahme verschmäht habe?"


    Seine Mundwinkel zuckten nach oben, dann pausierte Khaid einen Augenblick, ehe er verhalten lächelnd einige Worte anfügte:


    "Ah, nein, mit den Herren der Schöpfung bist du ja durch.. Bedauerlich."

    Meister der Ernte

    Mitglied des Ordens der Gesegneten Heilerschaft der Peraine-Gläubigen

  • "Richtig. Vorerst ist meine erste Liebe dem Alkohol gewidmet. Und davon reichlich und viel!" Sie schlug das Buch wieder zu und stellte auch dieses vorsichtig zurück, bevor sie sich das nächste nahm.
    "Ach Khaid..." setzte sie seufzend fort. "Wann wurde das Leben nur so kompliziert?" Sie hielt für einen Moment inne, dann schüttelte sie nur den Kopf. "Richtig. Als Männer in mein Leben traten." Mit der Zunge schnalzend, blätterte sie dieses Buch weitaus rascher durch und verbannte es ebenso rasch wieder ins Regal, bevor sie sich umwandte.
    "Oh, hätte Raja unsere Wege nur früher gekreuzt. Ich könnte heute dein Weib sein, mit zwei Bälgern am Rockzipfel, eines auf der Hüfte und ein weiteres bereits auf dem Weg. Ach und sehnsüchtig würde ich deine Wiederkehr von langen, abenteuerlichen Reisen erwarten, während ich der Pflichten eines Hausweibes gewissenhaft frönen würde." Für einen Moment schien sie in Vorstellungen zu schwelgen, die sich vor ihrem inneren Auge abspielten bevor sie hell zu lachen begann und wieder auf den Tisch heran schritt.
    "Doch stattdessen habe ich eine pochende Wange von einer Wirtshausschlägerei, einen Seelenstein, den ich gewillt bin, in den nächsten Ozean zu werden und keinen Met mehr. Apropos Met..." Sie blinzelte wieder zu ihm auf. "Du hast mir ein Glas besten Tropfens versichert!" Grinsend hievte sie ihren Körper auf die Tischkante und lies die Beine baumeln.
    "Was denkst du, werden wir dieses Jahr erleben? Ich meine, wie oft werde ich dich zusammenflicken müssen? Und wie oft wirst du wohl von Orks überfallen werden? Oh und ob wir diesen Frieden erreichen werden? Was ist eigentlich aus dem Vorwurf geworden, dieses eine Lager im Reich der Rosen würde mit Menschenblut handeln?"