Im Lazarett von Gutenbucht II

  • Wann: Einige Tage vor dem Aufbruch des Siedlertrosses nach Kelemthal
    Wo: Shäekara/Gutenbucht
    Wer: Eilynn, Nef, Phexdan, Khaid, alle sonstigen im Lazarett


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    Nepheruna und Phexdan geleiteten Eilynn wie versprochen hinauf zu der Anhöhe auf der die Aventurier und ihre freyenmärkischen Mitsiedler gerade ihr Zeltlager abbrachen.
    Die Garetherin schlenderte neben der rothaarigen Albernierin.

    "Khaid könnte etwas übermüdet sein. Es liegt derzeit ein Mädchen im Lazarett, die von der Klippe gestürzt ist. Er kümmert sich sehr viel um sie - es scheint ihr schon besser zu gehen. Seit gestern Flattern ihre Lider. Khaid geht davon aus, dass sie die kommenden Tage zu sich kommen könnte." berichtete sie mit galanten Handgesten untermalend.


    Obwohl die Sonne schon so tief gesunken war, dass es auf die Nacht zuging - waren noch viele Menschen auf den Beinen. Der Gedanke an eine neue Heimat ließ sie nicht schlafen - sie mussten etwas tun.

    "Es wird sicher eine freudige Überraschung für ihn sein, dass er Euch wohlbehalten wiedersieht."
    Sie lächelte zufrieden in sich hinein bei dem Gedanken an eine Reunion alter Freunde.

    Sie deutete auf das geräumige weite Lazarettzelt, dessen Leinenplanen sich im salzigen Küstenwind aufbäumten. Es brannte Licht. Gut so

  • Kurz blinzelte der Strubbelkopf in die in den Sommermonaten spät untergehende Sonne. Diese Zeit des Tages brachte in ihm stets zwiespältige Gefühle hervor. Einerseits blendete einen die Sonne ständig - gerade wenn man durch seinen Weg gezwungen war immer in dieselbe Richtung zu gucken. Andererseits mochte er das Gefühl der bevorstehenden Dunkelheit. Er liebte es sich einzelne Blumen, Steine oder sogar ein Gebäude anzusehen und zu wissen, dass er jetzt noch im Licht eines sterbenden Tages stand, das gemeinhin als sicher galt aber bald von der aufziehenden Dunkelheit der unsicheren Nacht besiegt würde.


    In Begleitung der beiden Frauen bewegte er sich hinauf in Richtung des aventurischen Lagers, hinauf dorthin, wo das Lazarett stand und das Waisenmädchen lag. Wohlig umsorgt von Khaid und wie er hörte auf dem Weg der Besserung war. Seine Laune hob sich, während er mit einem gut gelaunten Lächeln auf den Lippen nach der Hand der Rotgewandete angelte. "Gut zu hören, dass sich langsam Zeichen einer Verbesserung bei dem Mädchen zeigen. Ich hatte schon befürchtet, dass sie den Rest ihres Lebens schweigend und regungslos verbringen würde."
    Er drückte nur kurz die Hand, ehe er sie wieder losließ.


    Dann wandte er sein Gesicht Eilynn zu. "Magst du Tiere? Lebende meine ich - nicht geschmacklich."

  • "Von einer Klippe gestürzt?" Die Rothaarige wandte den Kopf zur Seite und blinzelte Nef mitleidig entgegen. "Das arme Ding. Ich meine...ist sie wirklich gestürzt oder...nun ja..." sie vollführte eine etwas hilflos wirkende Kreisbewegung mit ihrer Hand. Ihre Ketten am Hals klingelten dabei leise.
    "Aber vermutlich macht es keinen Unterschied." Leicht den Kopf schüttelnd atmete sie tief durch und blinzelte dann wieder nach vorne, zu dem Zelt, das in das warme Licht der untergehenden Sonne getaucht war und hinter dessen Zeltwand Schatten über das weiße leinen tanzten.
    "Tiere, wie? Ja. Natürlich. Warum fragt ihr?" Ihre Augen verengten sich etwas, eine Spur Misstrauen erschlich sich seinen Platz in ihrer Mimik. "Welche Art von Tieren? Zählt ihr Krabbeltiere zu Tieren? Kleine, meine ich. Sehr kleine. Spinnen und derlei. Ratten? Ich bevorzuge sie etwas größer. Meine Tiere. Früher bin ich viel geritten - wir hatten einige Pferde bei uns am Hof. Und Hunde und Katzen. Eulen. Anderes Gefieder - das Geflügel war recht amüsant und eigensinnig. Oder Delphine, die den Bootsbug umgarnen, wenn das Schiff durch die Gischt jagt. Solche Tiere mag ich. Aber zurück zu euch - warum die Frage?"
    Immer wieder wanderte ihr Blick zurück gen Zelt. Es war etwas Zeit vergangen seid sie Khaid das letzte Mal gesehen hatte.

    Und jetzt war er alles, was ihr geblieben war.

  • Behutsam fuhr sich der Heiler mit der Rechten erst über die Stirn und dann durch die Haare. Es war wieder einer dieser Tage, an denen er seit den frühen Morgenstunden im Lazarett ausharrte und diese Kulisse des Zeltes fing allmählich an ihn zu zermürben, war es doch kein halbes und kein ganzes Lazarett. Es war einfach ein Zelt. In diesem hatte er auch an diesem Praioslauf wieder einmal nach bestem Wissen und Gewissen die eigenen Patienten gehegt und gepflegt. Glücklicherweise waren es bis auf das Mädchen von der Klippe nur kleinere Gebrechen, die sich verhältnismäßig schnell klären ließen. Dennoch stand ihm allmählich der Sinn nach einer Mahlzeit, Dienstende, Freizeit, etwas Gesellschaft. Es war schließlich Abend und er würde höchstens länger bleiben, sollten die Pocken ausbrechen oder dergleichen.


    Der Bote, den er in diesem Zusammenhang losgeschickt hatte, brachte ihm hoffentlich bald frohe Kunde. Etwa das Viertel einer Stunde wartete er bereits auf Rückmeldung, ob er sich guten Gewissens entfernen konnte und bald abgelöst würde. Ansonsten musste er seinen Platz eben räumen und das Zelt für eine unbestimmte Zeit geschlossen halten - er würde sicher einen Wachmann finden, der sich dafür einspannen ließ und falls nicht, würde er schon dafür sorgen, dass Dorian oder sonst jemand dem Bürschchen die Leviten las. Solange er hier Patienten hatte, wollte er diese jedoch lieber in fähigen Händen wissen, es war einfacher als wenn der Wachmann im Notfall noch jemand anderen in Richtung der Heiler schicken musste.


    Lazarett. Seit so vielen Monaten. Wie konnte er nicht anfangen des Lazarettzeltes überdrüssig zu sein?


    Durchatmend genehmigte er sich als Vorspeise einen Apfel. Wenigstens davon hatten sie noch genug, auch wenn ihm gerade mehr nach etwas herzhaftem war, einem Bier und vielleicht einem guten Gespräch. Und dann wollte er wieder arbeiten, am besten in einem Siechenhaus, keinem Zelt, sondern einem tatsächlichen Gebäude, aus Holz oder Stein, etwas, das eben mehr als einem kräftigen Windzug, vielleicht sogar einem Sturm, in angemessener Weise standhalten konnte und weniger leicht anzuzünden war, sollte irgendjemand böse Absichten verfolgend. Nickend biss er ein weiteres Stück vom Apfel ab. Das würde sich schon klären lassen, das, und hoffentlich einige andere Dinge. Bald, sobald sie fort waren aus dem - eigentlich - ganz schönen Landstrich, der ihrer aber wahrscheinlich ähnlich überdrüssig war.


    "Schließlich nehmen wir ihnen die Arbeitsplätze weg", murmelte er leise und schüttelte schmunzelnd den Kopf.

    :queen:


    "Der Metzger weiß, dass die Heilung nur durch die Erteilung zusätzlicher Schmerzen zum Erfolg gedeihen kann."

  • Mit wiegenden Hüften schlenderte sie an Eilynns Seite die Anhöhe herauf. Sie genoss mit tiefen Atemzügen den lauen Wind der ankündigenden Nacht, der nach Meer roch und exotisch fremden Düften.
    Zikaden zirpten ihr monoton beruhigendes Lied in tausendfachem Chor und untermalten die Unterhaltung der drei Aventurier.


    "Wir glauben sie sei gestürzt, mit Sicherheit sagen, können wir das nicht. Es scheint so als wäre sie mit einem Korb an der Klippe herumgeklettert, um..." sie holte kurz Luft, "Möweneier zu sammeln. Viele hier ersteigen die steilen Hänge zum Meer hinunter, um die Vogeleier zu holen. Sie werden wohl häufig gegessen." Sie selbst hatte in der letzten Zeit auch das ein oder andere Möwenei auf ihrem Teller gehabt - sie mochte es gut durch und fest, nicht tropfend. Eigentlich schmeckte es gar nicht so viel anders als das Ei einer durchschnittlichen Henne.
    Sie drückte Phexdans Hand in stillem, einträchtigen Zeichen zurück, ließ sie dann los.

    "Phexdan hat herausgefunden, dass ihr Name Essandra lautet und dass sie eine Waise ist. Vierzehnjährig. Noch nicht lange elternlos.. Ihr Vater fiel beim Überrennen von Neu-Zackenberg durch das Schwarzeis."
    Ihre Stimme verlor an der üblich sanften Bodenständigkeit - wurde heiserer, rauer. Es fröstelte sie, obwohl es noch immer warm war. Wenn der Wind auch bereits einige kalte Ströme mit sich blies. Sie blickte auf den Boden vor ihren Füßen, während sie sprach.
    "Wann auch immer sie aufwacht - wir werden uns schon um sie kümmern." Das klang sehr entschieden.
    Sie wandte den Kopf zu ihrer rothaarigen Begleiterin.
    "Habt Ihr Euch schon überlegt, wie Ihr Euch in Quingard - der neuen Heimat - verdingen werdet, Eilynn? Viel Wasser soll es da nicht geben, habe ich gehört. Zumindest keines, das zur Schifffahrt taugt."


    Fast waren sie da, nur noch wenige Schritt.
    Sie wollte Eilynn antworten lassen, ehe sie den Zelteingang anhob und eintrat.

  • Langsam weiteten sich die Augen des Maraskaners, nachdem sie Eilynn beinahe misstrauisch geschlitzt gemustert hatten. Etwas Zufriedenes trat in die Miene Feqzjians als er antwortete. "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen grob darüber einzuschätzen sind, wie sie sich Tieren gegenüber verhalten." er zuckte mit den Achseln. "Tiere können sie nicht verpfeifen, wenn sie ihnen etwas getan haben und sind in vielen Fällen unterlegen. Egal wie feige ein Mensch ist, wenn er ein Arschling ist, dann kann er eine Katze quälen, versteht ihr?"

    Er saugte die Luft der nahenden Nacht tief in seine Lungen, ehe er fortfuhr. "Wer Tiere mag kann so schlimm nicht sein. Meinen Glückwunsch, Fremdijida." Die Züge des Mannes formten ein gut gelauntes Grinsen, dass in krassem Gegensatz zu der Bezeichnung als Fremdijida zu stehen schien. "Auch wenn ihr weniger Angst vor kleinen Spinnen haben solltet. Die wirklich großen sind viel gefährlicher! Aber auch lohnender - die Spinnenseide kann man hervoragend für Kleidung benutzen, wenn sie einmal gewaschen ist! Außerdem...", ließ er den nächsten Satz in der Luft hängen, während er in seiner - für mittelreichsche Verhältnisse - zu kurzen Weste nach etwas suchte. Bald darauf hielt er ein Stofftier von etwa Handgröße in den Fingern. Es stellte einen stilisierten, bestickten Affen dar, auf dessen Stoffoberfläche hier und dort richtiges Fell aufgebracht zu sein schien. "...kann ich mit niemandem eine Freundschaft beginnen, der Dajin VII. nicht zusagt.", nickte er bedeutungsschwanger.


    Mit dieser weltbewegenden Information wandte er seine Aufmerksamkeit der Frau in Rot zu, ehe er echote "Wir kümmern uns um das Mädchen, sobald sie aufwacht. Wir mögen nicht so aussehen, aber sie wird es gut bei uns haben."
    Erst dann - als erinnere er sich eben erst, dass Nef sie überhaupt gestellt hatte - schwenkte das Interesse Feqzjians auf die Frage nach dem zukünftigen Verbleib Eilynns ein: "Übrigens eine nicht uninteressante Frage: Habt ihr Talente, die über die Seefahrt und hoffnungslose Wirtshausschlägereien hinaus gehen?"
    Kurz blinzelte er sich einige der dunklen Strähnen aus den Augen und schenkt dann beiden Frauen ein gut gelauntes Lächeln.

  • Ihr Blick schweifte zurück zu dem erleuchteten Zelt, welches immer näher zu kommen schien. Mit jedem Schritt wuchs auch ihre Nervosität, ihr pochendes Herz in der Brust nur der Vorbote all der Fragen, die in diesem Moment in ihrem Kopf herumschwirrten.

    "Nun, ich habe in meinem Elternhaus etwas über die Heilkunst erfahren. Ich kann also durchaus auch im Lazarett aushelfen oder später, wenn jemand Tinkturen oder Kräuter benötigt." Sie zuckte leicht mit den Schultern, musterte erst Phex und dann Nef.
    "Seit meiner Ankunft auf Mythodea habe ich allerdings von meinen Heilkünsten recht wenig anwenden können, da ich meist diejenige war, die darauf angewiesen war." Begleitet wurden ihre Worte von einem unsicheren Lächeln, ehe der Blick wieder voran glitt.

    "Jedoch bin ich wissbegierig kann schreiben und lesen und bin bereit, neues zu erlernen, wenn die Umstände es erfordern. Was sie wohl werden, wenn ich euren Prophezeiungen lausche." Erneut glitten die blauen Augen zu den Seiten.
    "Mit was verdingt ihr euer Brot?" Ihre Frage galt dieses Mal mehr Phex als Nef.

  • Nefs Blick war abgelenkt. Ihre Schritte wurden schneller und länger, als sie das letzte bisschen Abstand zum Lazarettzelt überwand.
    Sie schob die Hand zwischen die Bahnen schweren Leinenstoffes und hielt schwungvoll den Eingang in das erleuchtete Innere auf.

    Dann erst sah sie zu Phexdan und Eilynn. Auf ihrem Gesicht lag wie so häufig das ruhige Schmunzeln.
    "Wenn Eure Eltern heilkundig waren und Ihr zumindest ein bisschen davon im Hinterkopf mit Euch herumtragt, Eilynn.. dann würde ich behaupten Ihr seid hier nicht nur wegen des Wiedersehens mit einem alten Freund richtig. Khaid wird mit Euch sicher gerne die verstaubten Erinnerungen an die Heilkunst aus dem Kopf locken."


    Sie hielt noch immer die Stoffbahn emporgehoben. "Nach Euch!"

  • Ehe er sich noch duckte, um das Zelt zu betreten, wandte er seinen Blick noch einmal in Elynns Richtung.
    "Im Augenblick, zukünftig oder...ach ich sage Euch einfach alles.", setzte der Strubbelkopf an, um seinen eigenen Satz dann von vorne zu beginnen.
    "Im Augenblick fasse ich dort mit an, wo ich gebraucht werde. Dinge tragen, Leute finden, solche Sachen. Die letzten Jahre haben mich vor allem im Dschungel beschäftigt gehalten. Die maraskanischen Einheiten sind heutzutage oft zahlenmäßig unterlegen und agieren unabhängig voneinander. Betrachtet mich als Freischärler. Was die Zukunft angeht...", ließ er seine Antwort einen Augenblick in der Luft hängen, in der er sein Augenmerk auf Neferu richtete, um dann erst zu der Rothaarigen zurück zu sehen.
    "...sehen wir mal, wofür die Talente, die ich mir in der Vergangenheit erworben habe gut sein werden. Jedenfalls liege ich weitaus weniger oft auf der faulen Haut als es den Anschein hat." Mit einem gut gelaunten Grinsen setzte er an das von Nef offene gehaltene Zelt zu betreten, ehe er rasch zurück zuckte. "Verzeiht mir - die Damen zuerst."

  • Leise durchatmend ließ der Heiler mitten im Begriff seine Sachen zu packen von seiner Tasche ab und legte sie zurück auf ihren angestammten Platz in seiner kleinen Ecke. Obgleich er aufgrund seines angeschlagenen Gehörs nie der beste Zuhörer gewesen war, die Stimmen am Eingang waren ihm ebenso wenig entgangen wie die Bewegung der Zeltplane. Mit ein, zwei kurzen Handgriffen hatte er das Paar Stoffhandschuhe wieder über die Hände gezogen und postierte sich nahe eines Hockers, auf den er den nahenden, vermeintlichen Patienten hatte platzieren wollen.


    Was ihm wohl jetzt drohte?


    Ein gebrochener Arm,

    ein Schnupfen ausgelöst vom ungewohnten Klima

    oder wieder der flinke Difar, der bei vielen ebenso Shäekara geschuldet war?


    Khaid betrachtete sich den Eingang und die Personen, die Anstalten machten hindurchzugehen und seinen Arbeitsplatz zu betreten.


    Nach einem Augenblick hob er in sichtlicher Verwunderung die Brauen. Noch einen Moment später löste sich der Heiler aus dem Orden der Therbûniten von seinem Stehplatz und bewegte sich, statt unnützerweise wie angewurzelt stehenzubleiben, mit gewohnt langen Schritten auf den Zelteingang zu. Es war ihm als trübten ihn seine Augen.

    Meister der Ernte

    Mitglied des Ordens der Gesegneten Heilerschaft der Peraine-Gläubigen

  • Sie merkte, wie ihr Herz mit jedem Schritt, dem sie sich dem Zelt näherte, schneller zu pochen begann. Das Blut rauschte so lautstark durch ihre Ohren, dass die junge Frau unbewusst beide Begleiter einfach mehr und mehr ausblendete, ihr Fokus alleinig auf dem Zelt liegend.
    Als die Zeltwand zur Seite geschoben wurde, blieb sie stehen, ihre blauen Augen durch den Eingang ins Innere huschend, sich umsehend, prüfend, wartend. Abschätzend. Als sich seine Gestalt in ihren Visus schob, spürte sie wie ihr Herz einen Sprung machte und plötzlich war alles vergessen. Der Streit in der Taverne. Die rügenden Worte. Die Hiobsbotschaft um William. All dies wich einer weitaus stärkeren Emotion, die sie in diesem Moment wie ein Tsunami schlichtweg überrollte: Freude.
    Losstartend huschte Eilynn durch die angehobene Stoffbahne und hinein in die Wärme des Innenraumes, der durch Kerzen in orangefarbenes Licht getaucht worden war.
    "Khaid!" Rief die junge Albernierin und hatte wenig später bereits ihre Arme um seinen Hals geschlungen, ob seiner Größe halb auf Zehenspitzen tänzelnd, seinen persönlichen Freiraum komplett ignorierend und ihr Gesicht in seiner Brust vergrabend.
    "Khaid! Was habe ich euch vermisst! Oh wie gut es tut ein mir bekanntes Gesicht zu sehen nach alledem!" Sie schlang die Arme nur noch fester, eine Zehenspitze halb in der Luft schwebend.

  • Nepheruna hielt Eilynn das Zelt auf.

    "Khaid...? Hier ist jemand für dich." Ein sachtes, nahezu hintergründiges Schmunzeln lag auf ihrer Miene, als hätte sie die Pointe eines guten Witzes bisher zurückgehalten.

    Sobald Eilynn durch den Eingang wirbelte, folgte sie ihr nach in das Lazarettzeltinnere.


    Wortlos beobachtete sie das Wiedersehen. Sie hob das Kinn nach einer kurzen Weile, als signalisiere das ihr gedankliches Aufwachen.
    Die dunkel umrandeten Augen blickten zur Seite, fanden Phexdan.

    "Sie ist William wirklich ähnlich. Sogar sehr." urteilte sie leise und mit nüchterner Belustigung in der sanften Stimme.

  • Die dunkel umrandeten Augen des Maraskaners fanden zu Neferujida der Roten hinüber, als sie ihn ansprach nachdem er zuletzt das Zelt betreten hatte.. Ein zustimmendes Nicken später sah er ernst zu der Begrüßung zweier alter Freunde hinüber. "Mag sein, ja." Ein Lächeln stahl sich auf die Züge Feqzjians. "Aber wie es aussieht ist sie wirklich froh ihren Freund Khaid wiederzusehen. Und da fragen sich die Leute, wo in dieser Welt sich wohl die Schönheit versteckt."

    Während er seine Worte leise verklingen ließ, griff er nach der Hand der jungen Garetherin. "Lass uns gehen. Die beiden haben sicher einiges zu besprechen - und brauchen uns dafür nicht." Kaum, dass er diese Worte ausgesprochen hatte, begann er sich in Richtung des Zelteinganges zurückzuziehen.

  • Überrumpelt von der überschwänglichen Begrüßung der Albernierin musste sich der Götterdiener einen Moment sammeln, bevor er die Arme um die Frau legte und sie nicht weniger fest drückte. Ungefähr sechs Monde hatte er selbst auf diesen Moment gewartet um die Gewissheit zu haben, dass sie noch lebte und nicht zu dem Schäfchen geworden war, das fernab der eigenen Glaubensgemeinschaft verendet war. Weniger aus blanker Gefühlsduselei, sondern weil ihn kurz nach der Ankunft in Shäekara ein Schreiben erreicht hatte, in dem sich Eilynn noch nach dem freyenmärkischen Neu-Zackenberg und dem Wohlbefinden einiger Mitreisender erkundigt hatte. Das Schreiben erreichte ihn mit gut gemeinten Fragen insofern zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Die Antworten darauf war er ihr schuldig geblieben, er konnte ihr nicht Rede und Antwort stehen, ohne zu wissen wohin er das Antwortschreiben hätte adressieren sollen.


    Khaid hatte sie daher schweren Herzens im Unklaren darüber lassen müssen, dass die Burg in Neu-Zackenberg gefallen und zurückgelassen worden war, die Allianz im Reich der Rosen gestrandet war und dass die Ottajasko - rund um die alten Freunde - tatsächlich abgereist war und er sich schwer damit tat, die langjährigen Begleiter nicht um sich zu wissen. Doch auch zu ihrem William, dem Einen, hatte er kein Wort verlieren können. Der Umstand, dass er einen Rock gefunden hatte, der ihn genug begeistertet um fortzugehen, es wäre sicherlich interessant für sie gewesen. Schließlich war sie ihm doch immer auf den Fersen. In diesem Zusammenhang hatte er sich wiederholt gefragt, ob eine Allianz ohne William zwangsläufig auch eine Allianz ohne sie bedeutete - oder konnte sie die vermeintlich große Liebe doch hinter sich lassen, sich neuem zuwenden, ein verhältnismäßig normales Leben leben und nach einem gesünderem Umgang Ausschau halten als dem verschrobenen Piraten aus Havena?


    Ein tiefes Durchatmen später hatte er die Gedanken um die jüngere Vergangenheit abgeschüttelt und dachte über die kurz zuvor gesprochenen Worte von Nefeqzjian nach. Die beiden maraskanverbundenen Gestalten hatten sich im Hintergrund gehalten, genauer gesagt am Zelteingang, doch das alleine hielt den Diener der Gütigen nicht davon ab beiden grüßend zuzunicken.


    Sie hatten recht. Eilynn und er hatten sicherlich einiges zu bereden: Wo hatte sie sich nach dem Feldzug noch herumgetrieben? Gab es Erlebnisse des Heilers, die sie interessierten abgesehen vom Offensichtlichen wie Neu-Zackenberg? Wie lange würde es dauern, bis sie eine Frage nach William stellte? In jedem Fall war er den neu gewonnenen Freunden und bisweilen Lazaretthelfern dankbar dafür, dass sie dem Wiedersehen die erforderliche Ruhe und Zeit einräumen wollten, zumindest deutete er Feqzjians Bewegungen entsprechend. Offensichtlich hatte er eine gute Wahl getroffen, was seinen neuen Umgang anbelangte. Die Unterhaltung selbst würde dennoch warten müssen, aus zweierlei Gründen.


    Noch umklammerte sie ihn - und er würde sich einen Spaß daraus machen, dass sie sich nicht so leicht aus seinem Griff befreien konnte. Die Mundwinkel des Heilers zuckten nach oben.


    "Eilynn!", entgegnete er schließlich nach einer gefühlten Ewigkeit, auch wenn es nur Wimpernschläge waren.


    "Es ist schön dich zu sehen", raunte er ihr nach einer weiteren, dramatischen Pause zu.

    Meister der Ernte

    Mitglied des Ordens der Gesegneten Heilerschaft der Peraine-Gläubigen

  • Ihr Kopf hob sich an, das Kinn spitz in seine Brust drückend, die blauen Augen zu ihm empor angehoben. War das leichte Glitzern darin Spur der Erschöpfung oder Freude des Wiedersehens, gar die des vermeintlichen Heimkommens? Für einige Momente verharrte die junge Albernierin in dieser Position, ehe sie tief durchatmete und ihr Lächeln sich intensivierte. Unter seinen Händen konnte er spüren, wie Anspannung und etwas anderes von ihr abzufallen begannen wie unnützer Ballast, den sie bis hierher auf diesen Berg mit sich getragen hatte.
    "Ich habe dich vermisst!" Wiederholte sie leise, bevor sie sich mit einem plötzlichen aber gekonnten Griff zweier Finger in seine Seite aus seiner Umarmung befreite und ein paar Schritte zurücktänzelte. Zu dem Lächeln auf den Lippen mischte sich ein Leuchten in den Augen, als sie die Hände in die Seite stemmte und ihn von oben bis unten musterte.
    "Gut siehst du aus, mein guter, alter Freund. Die Zeit ohne mich hat euch gut getan." Schelmisch glucksend nickte die junge Frau ein paar Mal, wie um sich ihre eigene Worte wiederholt selbst zu bestätigen, bevor sie sich kurz umsah, etwas zu suchen schien.
    "Beherbergt dieses herrliche Zelt Alkohol? Und damit meine ich nicht jenen zur Desinfektion, denn darum wurde sich bereits gekümmert." Ihre Lippen verzogen sich etwas und in den flackernden Kerzenschein getaucht offenbarten sich nicht nur eine getrocknete und gereinigte Platzwunde an ihrer Lippe sondern auch ein dunkler Fleck auf ihrer Wange, der nicht alleinig von dem über ihr Gesicht tanzenden Schatten kommen konnte.

    "Du hast mir viel zu erzählen!" Nur kurz glitt ihr Blick zur Zeltplane, die sich gerade wieder zu schließen schien und ihre beiden Retter in der Dunkelheit zu verschlucken schien, bevor die hellen Augen sich wieder auf seine Gestalt fokussierten.

    "Und ich bin auf jede einzelne Geschichte davon gespannt!"

  • Kaum dass sich die Seefahrerin von ihm gelöst hatte, betrachtete und musterte die Robengestalt sie ausführlicher. Es wäre nicht sie, hätte er nicht Spuren einer Verletzung am Kopf oder anderen Körperteilen erspähen können. Diese Platzwunde. Sollte er überhaupt fragen, was passiert war? Khaid verwarf den Gedanken kurzerhand, falls notwendig würde sie schon davon berichten - oder eben nicht - und immerhin sah es aus als hätte sich bereits jemand darum gekümmert.


    "Ich würde lügen, würde ich behaupten, dass ich dich nicht auch vermisst hätte, Eilynn", erwiderte der Heiler.


    Ihre weiteren Worte sorgten hingegen für einen Hauch von Irritation und erst eine, dann zwei hochgezogene Augenbrauen. Abgekämpft, erschöpft und ermüdet gleichermaßen war er sich tatsächlich nicht sicher, ob es sich um eine ironische Bemerkung hinsichtlich seiner äußeren Erscheinung handelte. Gut Aussehen. Beim Alkohol war er hingegen sicher, dass das nicht mehr und nicht weniger als ernst gemeint war. Die Schultern leicht hebend entschied sich Khaid, die Sache mit dem Spaß erst einmal beizubehalten.


    "Gutes Fräulein, selbstredend verfügt auch dieses Lazarett nur über die edelsten Tropfen - wünscht ihr ein, zwei oder drei Kreuze?", kam es schwulstig aus seiner Richtung. Flaschen irgendeines Fusels hatte er tatsächlich stets griffbereit - das genügte für gewöhnlich um die Schmerzen der meisten Versehrten einen Moment zu betäuben, war zum Desinfizieren aber herrlich ungeeignet. Zu trinken wollte er derlei dennoch niemandem geben. Nicht, wenn die jeweilige Person nicht darauf bestand. Die zwei, drei Flaschen gewöhnlicherer Alkoholika, die sich im Bereich für die Heiler in einer Truhe wiederfanden, verschwieg er fürs Erste. Wiedersehen hin oder her, das Lazarett war keine Schenke. Es war ein Arbeitsplatz, den er für heute nur zu gerne hinter sich gelassen hätte. Ein Siegel für eine Taverne, um den Abend auf angemessene Weise ausklingen lassen zu können. Gerne auch in Begleitung einer verhältnismäßig jungen Dame, vielleicht entstand daraus auch interessanteres Getuschel über ihn.


    "Wonach dürstet es euch denn?", hakte er mit einem verhaltenen Lächeln auf den Lippen nach.

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  • Seine Worte entlockten ihr ein noch breiteres, intensiveres Lächeln. Man konnte ihr ansehen, wie sehr sie das hier vermisst hatte - die Wärme, eine vertraute Umgebung, eine vertraute Gestalt, die Ruhe, die er ausstrahlte und die Geborgenheit, die mit ihr kam. Zuhause.
    Als er derart schwulstig zu sprechen begann, lachte sie hell auf und ließ sich in den Sessel fallen, glucksend zu ihm aufsehend. Sie wirkte entspannt und zufrieden.
    "Wonach es mich dürstet? Nach Abenteuern, lauen Nächten in Tavernen, Gelächter von Freunden. Nach den Sternen, nach dem Meer, nach der Stille des Ozeans. Nach den Träumen, die der Wellengang mit sich bringt, nach Gesang am Lagerfeuer. Nach guten Geschichten, nach tapferen Recken und gebildeten Weisen, nach Klingenspiel, nach gutem Essen - aber zuallererst, nach irgendetwas, was du hast und was die Kehle hinunter brennt. Der Abend hat nicht unbedingt den Ausklang bekommen, den ich erwartet hatte, als ich heute morgen mit dem Schiff hier angelegt habe."
    Tief durchgeamtet, entspannten sich ihre Züge etwas.
    "Wie ist es dir ergangen? Ich habe gehört, du hattest viel zu tun. Ein Mädchen dass von den Klippen gestürzt ist. Bist du der einzige Heiler des Lagers? Überanstrengst du dich auch nicht?" Ihr Blick wurde bohrender, glitten über seine Züge um nach Anzeichen der Erschöpfung zu forschen, die sie sicherlich finden würde, so wie sie ihn kannte.

  • "Der Abend hat nicht unbedingt den Ausklang bekommen, den du erwartet hast?", wiederholte der Heiler mit einem Hauch gespieltem Argwohn in der Stimme. "Bin ich denn nicht die angenehme Gesellschaft, auf die du hofftest?", hakte er nach und betrachtete die Seefahrerin, bevor er eine abwinkende Geste machte. "Schon gut."


    "Viel zu tun ist gut. Ja, wir hatten kürzlich viel mit Alrike zu tun, dem unbekannten Mädchen das von der Klippe fiel. Bislang konnte niemand sagen, wer sie ist, wie sie heißt. Sehr wahrscheinlich ein Waisenmädchen. Am schwierigsten war, was die Überarbeitung anbelangt, jedoch die Zeit kurz nach unserer Ankunft. Die ganzen Verwundeten, die in ein neues Klima kamen, die Seereise teils nicht vertrugen, wieder krank wurden... ein Elend."


    Khaid atmete tief durch. Es war ihm anzusehen, dass er einige Umstände der Belagerung und ihrer Spätfolgen wohl noch nicht gänzlich verdaut hatte. "Jedoch habe ich, glücklicherweise, eine weitere Peraine-Geweihte hier - Kaira - und obendrein ist Nepheruna eine, sehr, große Hilfe."


    "Aber lass uns nicht über die Arbeit reden. Wie ist es dir ergangen, Piratin?", versuchte er das Thema mit einem knappen Schmunzeln zu wechseln. Ja, bei allen Zwölfen, er wollte gerade nicht wirklich an die Arbeit denken. Dafür vergeudete er tagsüber bereits genug Zeit. Eher beiläufig langte der Heiler anschließend nach seinem Becher, um sich einen Schluck Wasser zu genehmigen.

    Meister der Ernte

    Mitglied des Ordens der Gesegneten Heilerschaft der Peraine-Gläubigen

  • Auflachend, winkte sie seinen spitzen Seitenhieb beiseite.
    "Natürlich hatte ich nicht erwartet, dich hier zu treffen. Ich hatte schon befürchtet, dass du die anderen begleitet hast, um Urukars Seelenstein in die Heimat zu bringen. Ich hatte überhaupt nicht erwartet eine bekannte Seele hier anzutreffen. Insofern - der Abend hat sicherlich nicht die Wendung erhalten, die ich erwartet habe. Wohl aber eine, die ich sehr begrüße!"
    Die Beine überschlagend, strich sie sich eine ihrer widerspenstigen, dunklen Strähnen aus dem Gesicht.
    "Das ist gut. Dass du Unterstützung erhälst, meine ich. Du kannst sie gebrauchen. Du überarbeitest dich sonst noch und dann wüsste ich nicht, was ich tun sollte. Ich meine, dich vor den Fängen des Schwarzen Eises zu befreien ist die eine Sache. Damit kenne ich mich ja mittlerweile gut aus. Aber Überanstrengung?" Lächelnd zuckte sie nur die Schultern.

    "Mir? Oh. Hervorragend. Einsam, ein wenig. Kolyan und Cereus sind einfach nicht die Begleiter, mit denen man lange unter Deck verbringen kann. Auch wenn sie durchaus einige Geschichten mitbringen. Aber gesehen haben wir viel. Ich war in einem Land, dass von Nebel umgeben war. Gänzlich. Das musst du dir vorstellen. Man geht durch diesen Nebel und dahinter liegt ein ganz anderes Land. Böse, durch und durch. Ich habe Gestalten gesehen, die mich noch heute in meine Träume verfolgen, wahrlich." Ihr eigenen Worte brachten sie zum Erschaudern. Sich etwas aufrichtend, atmete sie tief durch.
    "Ansonsten war ich viel auf See. In den Städten habe ich Kolyan begleitet - er hat ein Händchen für gute Geschäfte. Er hat uns versorgt - mit Waren, mit Handel und mit Geld. Und dass obwohl er mir noch einiges an Silber schuldet."
    Ihr Blick begann durch den Raum zu gleiten.
    "Oh und ich habe einige Kräuter mitgebracht, vielleicht kannst du etwas damit anfangen." Sich zur Seite drehend, fischte sie nach und nach getrocknete, teilweise in bunten Säckchen aufbewahrte Kräuter heraus, die teilweise wohltuende, teilweise intensive Aromen im Zeltinneren zu verteilen begannen.
    "Manche davon kenne nicht einmal ich, aber ich konnte nicht widerstehen und habe gleich an dich gedacht." Aufspringend begann sie die einzelnen Kräuter vor ihm auf dem Tisch aufzubreiten. Manche davon waren ausführlich beschriftet mit Namen, die ihm durchaus was sagten, andere waren ihm womöglich unbekannt. Als sie fertig war, strahlte sie ihn an wie ein kleines Kind, dass gerade erfolgreich eine gesamte Erdbeerernte eingebracht hatte.
    "Ich hoffe du kannst etwas damit anfangen."

  • Stirnrunzelnd sah Khaid zu Eilynn zurück, als sie die Möglichkeit eines Wiedersehens infragestellte. Nicht, weil er es ihr übel nahm, sondern weil er an die Wochen vor der Abreise seiner Freunde denken musste - und wie schwer es ihm bisweilen gefallen war, nach all den Jahren vorerst Abschied nehmen zu müssen.


    "Ich habe lange überlegt", eröffnete er dann und pustete die Luft scharf aus. "Ob ich mitgehe... Sie sind mir über die Jahre doch mehr ans Herz gewachsen und ich habe mich der Ottajasko verpflichtet, aber..." Khaid pausierte einen Moment und rang sichtlich mit sich. "Aber die Aventurische Allianz ist ebenso ihr Kind, wie das meinige und so sehr man an einigen Dingen hier zweifeln mag, so richtig und wichtig ist es wahrscheinlich dennoch, dass wir hier sind. Denke ich. Wenn sie nur halb so couragiert sind, wie ich sie kennengelernt habe, werden wir uns aber ohnehin eines Tages hier wiedersehen - oder eben an Travias Tafel."


    Wohl um sich abzulenken, lenkte der Heiler aus Zorgan die eigene Aufmerksamkeit auf die Kräuter. "Danke, Kräuter kann man nie genug haben. Auch wenn ich wohl Unterricht in Kräuterkunde bei dir werde nehmen müssen, damit ich auch den Wert derer erkenne, die mir fremd sind. Hast du dich näher damit beschäftigt?" Mit einem kurzen Handgriff löste Khaid den Verschluss seiner Tasche und holte einen Handschuh hervor, um die fremden Kräuter aus nächster Nähe inspizieren und kurz an ihnen riechen zu können.


    "Von der Einsamkeit wirst du dich hier jedoch verabschieden müssen. Es gibt hier genug Männer, die gerne Zeit mit einer unverheirateten Frau verbringen möchten - ob nun unter oder über Deck. Und die Beiden, Kolyan.. Cereus.. dieselben, die dich auch letztes Jahr begleitet haben, die am Feuer saßen, während du erheitert in den Armen deines Piraten lagst? Und was ist eigentlich aus Uthred geworden, ist er mit den Thorwalern mit oder habt ihr ihn irgendwo verloren?"


    Khaid schmunzelte und blickte von den Kräutern einen Augenblick auf. Er wäre nicht er, hätte er es irgendwie anders ausgedrückt.

    Meister der Ernte

    Mitglied des Ordens der Gesegneten Heilerschaft der Peraine-Gläubigen