Zu Sonnenuntergang in Gutenbucht

  • Was für ein sonniger Tag es gewesen war!

    Praios' strahlendes Antlitz hatte für gute Laune und ausgelassene Albernheit gesorgt.

    Nef hatte mit Phexdan in nicht ganz ernst gemeinter Diskussion gerätselt, ob das dem gestrengen Götterfürsten wohl gefiel und er gar nicht so sehr dem Bild des humorlosen Richters entsprach, das gerne gezeichnet wurde oder ob er im Gegenzug zu all dem mit Wasser Nassgespritze, Getanze und süße Früchte Naschen schnell irgendwo ein paar Felder hatte verdorren lassen müssen, um ins Gedächtnis zu rufen, dass das Leben ernst war und kein Honigschlecken.

    Jetzt zumindest senkte sich die goldene Sonnenscheibe langsam hinter den Horizont und sie und Phexdan spazierten barfuß und mit noch feuchtem Haar den Pfad zum aventurischen Lager empor, die Schuhe in den Händen. Sie hatten den Tag vertrödeln dürfen - die Erlaubnis hatten sie von fast alleroberster Stelle bekommen: von sich selbst.


    Khaid und Kaira - ein ähnlich gut klanghaftes Gespann wie Zulhamid und Zulhamin, fand Nef - kamen heute gut ohne sie zurecht und zu Packen hatten sie nicht viel.
    In weniger als zwei Stunden wäre ihre Habe geschultert und die Zeltplane verschnürt. Sie hatten also noch bis morgen Zeit damit.


    Die Garetherin trug ihre dünne tulamidische Hose bis zu den Knien hochgekrempelt und dazu nur noch ihre mittelreichische, mehrfach geflickte Tunika, die ihr bis zu den Schenkeln reichte.

    Um den Hals klimperte und klirrte das halbe Dutzend Ketten, darunter die gelochte bosparanische Münze, die sie vor Jahren zuerst Phexdan und er etwas später wieder ihr geschenkt hatte.


    Ohne Umschweife schlugen sie den Weg zu Dorian Fuxfells Zelt ein. Es war vielleicht noch etwas früh, aber sie hatten sich entschieden, dass sich ein Umweg zu ihrem eigenen Lager nicht mehr lohnen würde.

    Das eigentliche, nur wenige Momente dauernde Spektakel des Sonnenuntergangs lag sicher noch fünf bis zehn Augenblicke in der Zukunft.
    Srsngenmsrmelsde... gestikulierte sie in einem Übungsspiel mit Phexdan auf Atak.
    Sie war eingerostet und zudem nie außerordentlich gut in der Zeichensprache gewesen.
    Zinsspindel--- - antwortete Phexdan prompt.
    Sie seufzte, kam nicht hinterher seine schnellen Handbewegungen zu erkennen. Auch wenn es leicht war zu erraten, dass das Ende wohl 'rechenmaschine' gelautet hatte.


    Sie war natürlich neugierig, was Dorian wollte.

    Die Neugier ist der Katze Tod, sagte man im Mittelreich. Aber in den vergangenen Jahren war eine gute Prise Neugier auch Lebensretter gewesen - zwar hörte der Lauscher an der Wand seine eigene Schand, aber manchmal eben auch von unguten Plänen, die ihn selbst sehr persönlich betrafen.
    Der Gedanke war gewandert und hatte nichts mehr mit Dorian zu tun und sie wollte sich auch gar nicht den Kopf darüber zerbrechen, was sein Anliegen betraf. Das konnte nahezu alles sein.

    Viel gespannter war sie, ob der Zackenberger pünktlich kommen würde.
    Ob er es tat oder ob er es nicht tat war bestens dafür geeignet, den Mann ein Stück weiter einzuschätzen.

    Sie hatte sich darauf eingestellt, dass sie beide würden warten müssen.


    "Der Garten der Herrin Tsa ist bunt und vielfältig." meinte sie plötzlich aus dem Nichts heraus zufrieden und lächelte. Ob sie den Satz ohne Zusammenhang einfach als minimales Selbstgespräch loswerden wollte oder ob sie ihn zu Phexdan gesagt hatte, wurde nicht klar.

  • Die warmen Strahlen der untergehenden Praiosscheibe lagen ihm wie eine ungute Warnung als Prickeln im Nacken, während er seine nackten Zehen unwohl in dem auf und ab bewegte, was von der Brandung übrig war, als sie ihn erreichte.
    Er hasste das Meer.
    Niemand wusste, was sich alles an namenlosem Gezücht in seinen dunklen Tiefen verbarg.
    Es verschlang Mensch und Tier gleichermaßen ohne überhaupt Hunger verspüren zu können.
    Die Bösartigkeit der wogenden Wellen konnte niemandem verborgen bleiben, der bei Verstand war – man konnte das Zeug perfider Weise nicht einmal trinken, um seinen Durst zu löschen!


    Er blies die Wangen auf, als er die Luft aus seinen Lungen entweichen ließ und sah dann zur Seite, wo Nef gerade nach ihren Schuhen langte, um sich zum Gehen bereit zu machen. Insgesamt konnte er sich ja doch nicht beklagen. Obgleich er sich dafür am Ende hatte an die Küste begeben müssen, hatte er den ganzen Tag mit seinem Lieblingsmenschen verbringen dürfen. Hatte gefaulenzt, gelacht und darüber philosophiert, warum der väterliche Bruder Praios sich nicht auch an der Freude der Menschen ergötzen sollte.

    Rasch griff er sich seine Stiefel und folgte seiner Gefährtin über Sand und Stein hinauf in Richtung der Reste des Zeltlagers, das die Aventurier bewohnten. Während er die einige Schritte voraus gehende Garetherin einzuholen begann, sah er noch einmal an sich hinab. Die Beine der leichten, bedruckten Stoffhose hatte er etwas hochgekrempelt, damit wenigstens sie der feuchten Zunge des Meeres entkamen und die Brust des dunkelblauen Hemdes trug er offen, sodass seine Ketten gut zu sehen waren – und seine Brusthaare. Ein Anhänger zeigte die silberne Abbildung einer Schneeflocke – ein Geschenk von Nef und ehemals sogar magisch. Inzwischen allerdings waren alle Ladungen des ehemaligen Artefakts verbraucht. Eine andere bildete seinen Vornamen aus hölzernen Buchstaben nach. Er hatte sie sich vor Jahren besorgt, als er es leid gewesen war seinen Namen zum besseren Verständnis zu buchstabieren. Ohnehin half das manchen auch nicht und mit dieser Kette hatten sie die Möglichkeit den Namen geschrieben zu sehen – wenn sie denn lesen konnten.


    Sein Blick glitt zu den Fingern Neferus hinab, als sie sich auf charakteristische Weise zu bewegen begannen.
    Er las Srsngenmsrmelsde.

    Das war kaum auszusprechen, also waren vermutlich das A und das S wieder einmal durcheinandergeraten.

    Arangenmarmelade jedenfalls ergab schon deutlich mehr Sinn.

    Es zauberte ein Lächeln auf seine eigenen Lippen und er hob die freie Hand, um zu antworten.

    Z-i-n-s-s-p-i-n-d-e-l-r-e-c-h-e-n-m-a-s-c-h-i-n-e buchstabierte er rasch und hielt seinen Blick dabei auf das Tannengrün von Nefs Augen gerichtet. Es war immer schwer zu sagen, ob er zu schnell für sie war oder zu langsam. Die rechte Geschwindigkeit traf er zwar immer häufiger, ob der ausbleibenden Antwort war er dieses Mal jedoch offenbar davon abgewichen.

    Trotzdem bahnte sich ein Grinsen den Weg auf seine Züge. Mochte es sein, wie es war. Den Tag konnte das nicht trüben.


    Für heute stand außerdem noch ein Treffen mit Dorian auf dem Plan.

    Er hatte sie gebeten am Abend zusammen zu ihm zu kommen, da er noch etwas mit ihnen zu klären hatte. Wie er zugeben musste, war er neugierig worum es ging – auch wenn es roch als gäbe es Arbeit. Unbezahlte noch dazu.

    „Der Garten der Herrin Tsa ist bunt und vielfältig.“, bemerkte Nef scheinbar vollkommen zusammenhangslos, als sie das Zelt des Phexischen erreichten.

    Kurz hielt der Maraskaner inne und warf einen Blick zu ihr hinüber.

    „Aber bisweilen giftig und gefräßig.“, gab er zur Antwort, zwinkerte ihr zu und schickte sich an mit seinen Stiefeln in der Hand und nackten Füßen die Plane des Zeltes zur Seite zu schieben, um es unangekündigt zu betreten.

  • "Geht ihr immer ungefragt in andere Zelte?"

    Dorians Stimme war emotionslos. Feststellend. Weder be- noch abwertend.

    Der Geweihte kam mit einem Foliant in der Hand den Weg hinter den beiden hoch, pünktlich zum Untergang der Praiosscheibe.


    "Ich mag Pünktlichkeit. Wenn sich alle an dieses einfache Grundprinzip halten, verschwendet niemand Zeit. Je weniger sich daran halten, desto schlimmer wird es für die anderen. Und wenn alle zu spät sind, stört es eigentlich nicht, oder? Ein Paradox. Doch jetzt verschwende ich die Zeit."


    Ohne den Kopf zu bewegen oder eine Antwort auf seine einleitende Frage zu hören, ging Dorian an den beiden vorbei in sein Zelt. Es war spärlich eingerichtet, die meisten Sachen waren offensichtlich schon zusammengepackt und neben dem Schlafplatz für eine kleine Familie waren nur noch drei kleine Hocker und ein Beistelltisch im Zelt vorhanden.

    Dorian setzte sich zielstrebig auf den Hocker direkt am Schlafplatz und legte sein Buch auf den Tisch. Mit einer Handbewegung deutete er seinen Gästen sich zu setzen.

    "I like goblins, they make funny little popping sounds when they die"

    - Braids, dementia summoner

  • „Aber bisweilen giftig und gefräßig.“
    Kurz blinzelte Nef und blickte zu Phexdan, der Anstalten machte, den Zelteingang zu öffnen.
    Sie hatte nicht mit einer Erwiderung gerechnet - aber Recht hatte er.


    "Geht ihr immer ungefragt in andere Zelte?" erklang es hinter ihnen.
    Nef lag ein amüsiertes 'Wir wurden eingeladen und haben den Türklopfer übersehen' auf der Zunge, aber sie schluckte den Kommentar herunter. Der Tag auf den sonnenbeschienenen Hügeln, in der Stadt und an der Küste war vorüber. Es war an der Zeit die unbedarfte Ausgelassenheit vor dem Eingang des Zelts abzuladen und sie später wieder abzuholen.


    Immerhin. Er kam rechtzeitig. Er schien kein derartiger Wichtigtuer, der andere absichtlich warten ließ, nur um zu präsentieren wie ungemein unentbehrlich und überbeschäftigt er überall auf Dere war.

    Sie blickte ihm nach, während er einen kurzen Monolog führend in das Zelt rauschte. Sie stellte ihre Stiefel vor das Zelt, wie es in den Tulamidenlanden üblich war.


    Nef folgte noch immer barfüßig nach. Es war ganz anders im Zelt, als sie es sich vorgestellt hatte. Sie hatte zwar erwartet, dass bereits gepackt worden war, allerdings nicht geahnt, dass es gleichzeitig auch der Privatbereich seiner Familie war. In ihrem Kopf hatte sich immer das Bild eines schlichten Empfangs- und Arbeits'zimmers' ergeben, wenn sie an dieses eine der vielen zackenbergschen Zelte gedacht hatte. Sie hatte keine Übersicht, wer von ihnen wo schlief.
    Dass es auch der Schlafbereich der kleinen Freya und seiner Frau Boronaya war.. änderte an ihrem Eindruck eine Menge.


    "Ihr hattet uns hergewünscht, da sind wir." lächelte sie samtig.
    Sie ließ sich auf einen der Hocker nieder und schlug die Beine übereinander.

  • "Geht Ihr immer ungefragt in andere Zelte?" hörte er die Stimme Dorians in seinem Rücken und hielt in der Bewegung inne, um über die Schulter zurück zu sehen. Ohne die selbstkasteiende Zurückhaltung seiner Begleiterin, ließ er seine Antwort sofort erfolgen: "Fast immer. Ich meine - was tut man sonst? Von draußen rufen? Was, wenn das Zelt leer ist? Da kommt man sich doch vor wie ein Wahnsinniger der mit einem Zelt spricht. Oder soll man an die Zeltbahn klopfen? Selbst wenn jemand drin ist, hört er das vermutlich nicht. Also - gehe ich rein und sehe nach, ob jemand da ist."
    Rasch zuckte er mit den Schultern und hielt Dorian gastfreundlich sein eigenes Zelt auf, damit er leichter eintreten konnte.
    "Immerhin.." fügte er an, während er den Eingang auch für Nef offen hielt. "...sind wir jetzt alle da."

    Mit einer kurzen Handbewegung ließ er seine Stiefel vor dem Zelt fallen und folgte den anderen hinein, um sich drinnen zunächst kurz umzusehen. Sein Blick glitt über die bereits gepackten Sachen, die Schlafstatt für die Familie sowie die Sitzgelegenheiten von denen er eine anzusteuern begann.
    "Ihr habt Eure Familie mit hier drinnen? Das gefällt mir.", setzte er hinzu und hob seine Mundwinkel zu einem aufrichten Lächeln an. Familienmenschen waren gute Menschen. So jedenfalls hieß es.
    Als er den Hocker erreichte, ließ er sich darauf fallen und sah kurz zu Dorians Buch hinab, ehe er seinen Blick in sein Gesicht zurück wuchtete. "Worum also geht es?"

  • Dorian war still geworden, ehe er mit den Ellenbogen auf den Oberschenkeln nach vorne gebeugt zu den beiden sprechen wollte. Ein kurzes Lächeln durchfuhr ihn aber zunächst und er drehte sich um.


    "Tee? Leider schon kalt aber er ist trotzdem sehr erfrischend."


    Er stellte die kleine Kanne auf den Tisch, mitsamt drei Bechern und deutete dann sich selbst etwas zu nehmen .



    "Ja ich habe meine Familie mit in meinem Zelt. Tagsüber ist Boronaya zusammen mit Freya bei den Waisen, ich kann die Zeit dann nutzen um einige, private, Gespräche hier drin zu halten. So wie dieses."


    Er nahm das große Buch zur Hand und schlug es beim Lesezeichen auf. Sein Finger glitt zu einer Stelle in der Namen standen.


    "Feqzjian und Nepheruna, ahja, da. Wir haben uns vor dem Feldzug zum schwarzen Herzen getroffen, das erste Mal. Und jetzt hier. Ich möchte euch, Nepheruna, zunächst für die Hilfe im Lazarett danken. Es ist so, das hier aktuell jede Hand benötigt wird. Die Nahrungsmittel sind nicht das Problem, allerdings das Trinkwasser. Wir werden einige Tage unterwegs sein, ehe wir auf eine neue Quelle stoßen. Daher versteht ihr hoffentlich das jeder, der hier in unserem Lager Gast ist und an diesen Vorräten mitnagt, sich auch entsprechend wie alle anderen einbringen muss und sollte. Das hier ist kein Urlaub, für keinen von hier."


    Dorian ließ die letzten Worte ernst im Raum stehen. Sein Blick verfing sich in den Unmengen an Ketten um Nephs Hals, doch auch zu denen von Feqzjian.


    "Ihr seid Maraskaner. Ich mag Teile eurer Kultur, auch wenn das Essen nicht das meine ist. Ich war leider nicht so lange zwischen den euren wie ich Zeit bei den Novadis in Unau verbracht habe. Kulturen zu verstehen hilft in vielerlei Hinsicht weiter. Auch deshalb werde ich nun kein schlechtes Wort über euer Tanzvergnügen verlieren, wo doch alle helfen wo sie können. Insbesondere die Zelte des Waisenhauses und das drumherum könnte sicherlich mehr Hilfe gebrauchen, als sie zur Zeit haben."


    Er machte zwei schnelle Schriftzeichen hinter die beiden Namen, ehe er das Buch wieder zuklappte und hinter sich auf die Schlafstätte legte.


    "Dieses 'Projekt' hier, steht und fällt mit jedem einzelnen. Ich will niemanden in eine feste Rolle zwängen in die er nicht gehört, aber jeder der hier ist, sollte seine Rolle früher oder später selber finden. Mein Bild das ich mir bislang von euch machen durfte ist durchwachsen. Daher eine direkte Frage: Könnt ihr euch in bestehende Strukturen einleben oder lebt ihr frei heraus in den Tag und schaut was Aves euch auf seinen Wegen bringt?"

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  • Seine Augen sackten zu der Teekanne hinab und musterten sie kurz, ehe er mit den Schultern zuckte und nach der Kanne griff, um Nef einzuschenken. "Möchtet Ihr auch, Dorian?" fragte er und hielt die Kanne derweil schon leicht über den Rand von Dorians Tasse geneigt.

    Erst nach der Antwort des Phexgeweihten, wandte die Kanne sich seiner Tasse zu, ehe er auf die Ausführungen zu der Familie Dorians verstehend nickte.
    Als er die Teekanne schlussendlich wieder abgestellt hatte, lehnte er sich ebenfalls vor - weit genug, um sich mit den Unterarmen auf dem Tisch abstützen zu können. Der Tee roch verführerisch, das Zelt begann im schwächer werdenden Licht der untergehenden Sonne gerade abzukühlen und er trocknete langsam.

    Die Ausführungen Dorians erhoben sich über das leise anschwellende Geräusch der Zikaden und irgendwo in der Nähe schien jemand sein Abendessen zu kochen, wenn er seiner Nase glauben durfte.
    "Das hier ist kein Urlaub, für keinen von hier.", nahm er auf und legte den Kopf minimal zur Seite. Während der harten Kämpfe in Neu Zackenberg war ihm ungewöhnlicherweise eine gewisse Anstrengung für das Allgemeinwohl bereits aufgefallen. Aber sicher wollte er auf noch mehr hinaus.
    "Ihr seid Maraskaner...", bestätigte Dorian gleich darauf seine Vermutung. Sicher, alles was auf diesen Beginn folgte war durchaus weniger feindlich gesonnen, als alles, was üblicherweise darauf folgte, aber zu seinem Amüsement lief es auf die übliche Andeutung hinaus. Er glaubt ich sei faul und sollte mal lieber mit anpacken.


    Mit enspannter Miene griff er nach seiner Tasse, hob sie den anderen kurz prostene entgegen, ohne den Sprechenden dabei unterbrechen zu wollen und nahm einen Schluck, dann noch einen zweiten. Als der Gastgeber schließlich, geendet hatte, schmatzte Feqzjian zweimal leise, wie um sich den Geschmack des Tees auf der Zunge zergehen zu lassen.
    "Das kommt darauf an, von welchen Strukturen wir reden. Wenn die Frage darauf abzielt, ob ich ein guter Zinnsoldat bin und kein Problem damit habe ich in einen Schildwall zu stellen, dann lautet die Antwort: Nein. In solcherart gefügte Militärstrukturen lebe ich mich nicht eben gut ein. Wenn die Frage aber darauf abzielt, ob ich bereit bin mich im Alltag aber auch in Gefahrensituationen auf meine Art für eine Gemeinschaft einzusetzen der ich angehöre, dann lautet die Antwort:", kurz stockte er, ehe ein gut gelauntes Leuchten auf seinem Gesicht erschien. "Ja. Ich bin Maraskaner - seid ihr gut zu mir, bin ich gut zu euch. Es ist wichtig einander zu helfen - gerade in Notzeiten. Ich bin lediglich davon überzeugt am besten einschätzen zu können, wo ich nützlich bin und wo genau das Gegenteil. Es kann daher passieren, dass ich angeforderte Hilfe in dem Wissen ablehne, dass ich alles nur schlimmer machen würde. Ansonsten aber, bin ich gerne ein wertvoller Pfeiler der Gesellschaft."


    Mit diesen Worten streckte er den Arm mit dem Becher zu seiner Linken aus und drehte die Öffnung nach unten, um ihn - so weit entfernt von den Schlafplätzen wie möglich und fernab jeden Teppichs - auf dem Boden zu entleeren. "Der Tee schmeckte komisch.", kommentierte er mit einem belustigten Unterton und nahm sich fest vor heute Abend noch mit Corvin zu reden.

  • Während der Worte von Feqzijan nahm Dorian ebenfalls den Tee und trank davon.

    Nachdem er seinem Satz beendet und den Tee verschüttet hatte, blickte er zu Neph.

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  • Nef sah zu der Kanne und nickte leicht.

    „Vielen Dank. Ich liebe Tee. Speziell den Tulamidischen.“ Phexdan schenkte ihr ein und sie nahm die Tasse in beide Hände.
    Sie war froh, dass er bereits kalt war, denn der Tag war schon warm genug gewesen.


    „So ist es – wir sprachen bisher erst zwei Mal miteinander. Allerdings trafen wir uns häufiger. Als Eure Tochter zu zahnen begann, zum Beispiel.“ Sie lächelte noch immer auf eine ruhige, heitere Art.

    „Natürlich verstehen wir das. Bisher haben wir – und damit meine ich unsere ganze Lagergemeinschaft – uns selbst versorgt, was gerade hier in Gutenbucht nicht schwer war. Wir haben ausreichend unterschiedliche Talente, um uns erfolgreich zu verdingen. Wir legen es nicht darauf an, jemandem zur Last zu fallen, im Gegenteil.“


    Urlaub. Einen kurzen Augenblick dachte sie nach und stellte fest, dass sie in ihrem ganzen Leben noch keinen Urlaub gemacht hatte. Bisher hatte sie sich immer durchgeschlagen. Meistens sehr gut sogar – gerade in Gareth war sie nahezu wohlhabend gewesen. Die letzten Jahre allerdings waren härter gewesen. Trotzdem.. einen Urlaub, wie ihn die horasischen Adeligen veranstalteten, war ihr fremd.

    Sie trank von ihrem Tee.


    „Khaid brauchte jede Hand. Auch wenn ich mich vorher nie in der Heilkunst betätigt habe, ist aus meiner Zeit als Unterstützerin eines Waisenhauses in Gareth-Eschenrod einiges hängen geblieben, was kleinere Wehwehchen angeht. Mittlerweile könnte man allerdings sagen, dass ich über die letzten Monate Erfahrung und auch durch Khaids Anweisungen in diesem Bereich einiges dazulernen konnte.“

    Sie schien die Wirkung des Tees nicht einmal zu merken. Trank ein weiteres Mal.


    „Ich fragte damals zur Krisenzeit in Zackenberg Khaid, wer mehr Hilfe benötigte, das Waisenhaus oder das Lazarett. Damals war es das Lazarett, also bin ich bei dem Meister der Ernte geblieben. Wenn es heute die Hilfe für die Kinder ist, werde ich mich ihnen widmen. Auch wenn ich zugeben muss, dass sich meine Besuche im Lowanger-Greiber-Waisenhaus Eschenrods meistens auf Besuche beschränkten, die leitende Traviageweihte mit finanziellen Mitteln, Kinderspielzeug und Kleidung zu unterstützen, als Kinder zu wickeln oder mit ihnen zu spielen. So war es zumindest im Waisenhaus. Im Privaten habe ich durchaus Erfahrung im Umgang mit Kindern.“
    Hatte sie das erzählen wollen? Es war ihr so herausgerutscht.


    Zwischendrin sah sie zu Phexdan und verfolgte Dorians Worte ihren Gefährten betreffend.

    Sie schienen nicht die einzigen zu sein, die weit herumgekommen waren. In Unau war sie nie gewesen. Dafür zu lange in Fasar.


    „Ich denke das gilt nicht nur für dieses… „Projekt“ wie Ihr es nennt. Jeder – egal wo, hat doch seine Rolle zu finden, um sein Leben zu deichseln. Bis auf das letzte Jahr, habe ich niemals in den Tag gelebt. Ich war recht erfolgreich in Gareth – Strukturen machen mir keine Angst, im Gegenteil, ich halte sie für ein notwendiges Konstrukt, ohne das selbst eine kleinere Gemeinschaft nicht funktioniert.“

    Sie war recht offenherzig heute, wie sie selbst fand.

  • "Ich verstehe", gab der Vater in Ruhe von sich während er noch einmal von dem Tee nippte.


    Er hatte ruhig den Worten gelauscht und dabei teilweise die Augen geschlossen. Er hatte sich konzentriert.


    "Ich rede von keinen militärischen Strukturen. Ein Lehen braucht mehr als ein stehendes Heer. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, NICHT in eine Schildreihe zu passen, auch wenn die Ausrüstung vorhanden wäre. Wenn man dort nicht hineinpasst, ist es nicht förderlich dort zu sein. Man gefährdet mit seiner Anwesenheit mehr als das man ihnen hilft. Von daher bin ich nicht böse über ehrliche und klare Worte.

    Ich rede hier eher von Strukturen wie Gesetze oder Absprachen zwischen uns. Ich pflege mein Wort stets zu halten und lasse mich darauf auch festnageln. Wer sein Wort bricht, der zerbricht aus das Vertrauen untereinander. Ihr scheint nicht diese Art von Personen zu sein, zumindest bei dem, was ich bislang gesehen und gehört habe."


    Er goss sich noch einmal Tee nach und schaute noch einmal die anderen fragend an, ob sie denn auch noch einmal wollen. Zu Feqzjian deutete er auf einen Wasserschlauch in seiner Nähe. Dann trank er noch einmal den ganzen Becher am Stück aus.


    "Ich bin diese Wärme nicht gewöhnt. Meine Haut ist nicht gerade geeignet, um den Praiosstrahlen lange standzuhalten. Dafür friere ich nicht, nie."


    Er blinzelte zwei drei Mal ehe er sich wieder Nepheruna zuwandte.


    "Ich bin angetan von eurer Offenheit. Schön zu hören. Ich verspreche , das niemals gegen euch einzusetzen."


    Sein Blick war ernst dabei, denn genauso meinte er es auch. Er stand kurz auf und öffnete das Schloss an seiner Truhe. Hervor kam ein vollständiges Inrah-Kartenspiel, eingehüllt in schwarzes Leder, mit einem Phex-Zeichen verziert. Er holte es heraus und sortierte die Karten heraus, die nicht zum Boltan spielen geeignet waren.


    "Während wir über eure Rollen reden, wollen wir uns die Zeit damit ein wenig erheitern? Ich habe jetzt bestimmt Monde lang kein Boltan gespielt und würde die Anwesenheit zweier Mitspieler sehr begrüßen. Ich hatte einen langen Tag und er ist auch nach diesem Gespräch noch lange nicht vorbei. Wir haben noch etwa zwei Stunden ehe Boronaya mit Freya kommt, weil die Kleine schlafen muss."


    Fragend hielt er die Karten hoch.


    "Ah, meine erste Intention eurer Rollen hier wäre übrigens Abseits vom Militär und auch vom Lazarett. Zweiteres vielleicht auf Feldzügen. Ich sehe euch in der Stadtverwaltung Nepheruna, und euch in der Führung eines kleinen Trupps Feqzjian. Nichts militärisches, eher... besonderer Natur."

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  • Draußen war die Sonne endgültig versunken.
    Mit überschlagenen Beinen saß Nef auf dem Schemel und hielt die Hände locker um die Knie zusammen geführt. Ab und zu löste sie die Schranke ihrer Finger und nippte an ihrem Tee.

    Während Dorian sprach, begann sie gedankenvoll mit ihren Halsketten zu spielen. Da sprang ein Silberdelphin, daneben hing eine silberne Feder, die von rot bemalten Holzperlen eingefasst war, eine alte Münze mit einem Loch in der Mitte, das wohl nachträglich hinzu gefügt worden war, befand sich sehr weit oben – Zwei weitere Ketten verschwanden in ihrem Ausschnitt, befestigt an dunklen Bändern. Am auffälligsten war ein recht großes Symbol des Listenreichen, das offensichtlich und frech über die anderen Ketten gelegt worden war. Es handelte sich um eine raue, schlichte Arbeit – vielleicht das Werk eines Handwerkers mit wenig Erfahrung oder das eines Hufschmieds, der sonst keine Schmuckstücke goss.

    Ganz unten prangte eine kleine Holzscheibe, in die ein Fuchs in Seitenansicht graviert war.

    Scheinbar war Nepheruna stolze Bürgerin Gareths, so vehement wie sie den Patron der Hauptstadt des Mittelreiches an sich selbst prangen ließ.


    Fuxfell konkretisierte seine zuerst sehr vage gewählte Formulierung von ‚bestehenden Strukturen‘.

    Bestehende Strukturen als solches waren nie ein Problem. Es war eher das Gegenteil der Fall. Strukturen waren wie das Netz einer Spinne: Worauf sollte man sonst klettern?

    Nef musste wieder unwillkürlich an Gareth denken. So ein gigantischer Apparat an Strukturen. All die Gassen, Tunnel, die verschiedensten Viertel – jedes für sich wie eine einzelne Stadt, nur dürftig zusammengefasst unter dem garethischen Fuchsbanner.

    Ja, doch. Sich in ein solches Gefüge einzufinden – das war genau ihr Ding. Die einfache Herausforderung eines ‚neuen Tages‘, wie es dem fahrenden Volk nachgesagt wurde, genügte ihr mitnichten.


    „Wenn Ihr von diesem ‚Projekt‘ sprecht, was genau fasst Ihr da ein? Eine Heimat für alle Aventurier in Mythodea und inbegriffen natürlich das Sichern der Region, nicht nur in Kelemthal, sondern auch auf Feldzügen?“ Sie wählte die Worte absichtlich sehr offen.

    „Ich bin ganz bei Euch, was diese Art von Strukturen angeht, die Ihr nennt. Allerdings nicht uneingeschränkt. Für eine gesunde, funktionale Gemeinschaft gehört für mich _jedes_ Zahnrädchen. Gesetze sind gut und nötig, solange sie sinnvoll sind. Sie haben allerdings, wie viele Befehle auch, kein Herz. Sie-“

    Kurz stockte sie und äugte einen winzigen Augenblick zu dem Tee in ihrer Hand – nur noch die Neige war unten in der Tasse. Ihr Lächeln blieb nach wie vor, wurde eine Sekunde lang nur etwas schmaler. Kurzerhand und fast demonstrativ kippte sie den letzten Schluck herunter und setzte die Tasse hörbar, aber nicht zu laut auf dem Tisch auf.

    „Was ich sagen will ist, dass ich jeden Mann unterstütze, der einen Befehl zum Abrücken im Feld willentlich missachtet, um einem schwerverwundeten Kameraden das Leben zu retten, der zurückgelassen werden sollte. Dass ich niemals ein stehlendes Kind zu einem Richter schaffen würde, gerade wenn die ‚geschädigten‘ Händler gut im Saft stehen.

    Absprachen sind etwas anderes. Im Regelfall halte ich mein Wort. Stelle ich fest, dass mein Gegenüber sich nicht an seines hält oder nicht das ist, wofür er sich ausgegeben hat, ist meines hinfällig. Ich kannte einmal einen Mann den ich überführte, sich dem Dreizehnten anzubiedern. Mitten in Gareth. Auch wenn ich ihm zuvor zugesagt hatte, ihm bei einer gänzlich anderen Sache zu helfen, habe ich keinen Moment gezögert, ihm am Ende dem Tod zu überlassen. Damit will ich nicht andeuten, dass Ihr – Dorian Fuxfell – ein eben solch verdorbener Mann sein könntet. Ich will damit sagen, dass Gesetze und Versprechen wertvoll sind – aber dass es immer Situationen geben wird, in denen sie nicht aufrechterhalten werden können.

    Aber solange ich feststelle, dass Ihr meines Vertrauens würdig seid, dann müsst Ihr auch nicht befürchten, dass ich versuche, Euch auf eine schadensbringende Art zu täuschen.“

    Es tat gut, so klare Worte zu sprechen. Sie ließ sich von ihm Tee nachschenken.

    „Glücklicherweise war meine Mutter Tulamidin. Meine Haut verbrennt nie. Dennoch genieße ich den Schatten, denn wer blickt schon gerne mit sonnenverkrampfter Miene in einen Sommerhimmel.“ Erwiderte sie in heiterer Ruhe.


    Dorian holte seinen Satz Inrah-Karten aus einer Truhe. Er schien sehr viel Wert auf diese Karten zu legen, denn sie waren wohl verwahrt in gefärbtem Leder und sogar das war noch verziert worden. Das konnte eigentlich nur bedeuten, dass diese Karten ihm Anerkennung schaffen konnten, weil er es gut gelernt hatte, mit ihnen umzugehen.

    „Ich spiele sehr selten. In meiner Jugend war ich einmal recht geübt. Aber mittlerweile hat es mir das Inrah selbst mehr angetan. Wenn mir der Sinn danach steht, lege ich die Karten, das Schicksalsrad... den Lebensbaum. Ich fürchte, ein leichter Aberglaube liegt mir im Blut. Ich habe sicher ebenfalls schon Monate kein Boltan mehr gespielt, auch wenn Phexdan und Tair ebenfalls jeder mindestens einen Satz Karten bei sich haben.“

    Sie lachte.

    „Aber wenn die Herren es wünschen.. spielen wir.

    Und was die Verteilung von Aufgaben in Quingard angeht, stellt sich mir die Frage, inwieweit es bereits einen Verwaltungsapparat gibt, der von Neu-Zackenberg übernommen wird. Ich nehme doch an, der Baron segnet alle Entscheidungen ab, die das Lehen Kelemthal und seine Verwaltung betreffen? Und damit auch alle neu zu besetzenden Posten, Rollen, Aufgaben – wie Ihr es nennen mögt.

    Ich weiß, dass es die Heroldin Federica gibt und den Hofmagus Eslam – außerhalb der militärischen Riege, meine ich. Kurz gesagt: Inwieweit vertretet Ihr also die Entscheidungen des am Ende Adeligen an der Spitze? Oder hat er die Verteilung der Personen zu passenden Aufgaben komplett an Euch delegiert?

    Mir ist zudem bewusst, dass Verwaltungsarbeit undankbar ist, im Normalfall bekommt man wenig Licht, hat viel zu tun – und man hat in Kürze einen dünn und breit gesessenen Arsch, wenn man nicht gleichzeitig einen ausreichend angelegten Ausgleich hat, der einen körperlich fordert. Ich höre mir Euer Angebot bezüglich einer solchen Aufgabe gerne weiterhin an, wenn berücksichtigt wird, dass ich mehr als sehr gut mit Phexdan zusammenarbeite. Phexdan sollte entscheiden dürfen, wann es passend und hilfreich wäre, dass ich bei einem seiner ‚speziellen Aufträge‘ zugegen bin.“


    Damit trank sie wieder einen guten Schluck kalten Tee.


    In zwei Stunden erst würden seine Frau und das Kleine zurückkehren, hatte er gesagt. Nepheru stellte sich vor, dass Boronaya den Kindern des Waisenhauses jetzt gerade Schlaflieder sang und sie in der Zukunft gemeinsam mit ihrem eigenen Spross aufwachsen lassen würde. Ihr gefiel dieser einträchtige Gedanke.

  • Während er den Ausführungen Dorians offenkundig den Großteil seiner Aufmerksamkeit widmete, folgte sein Blick kurz dem Wink zu dem Wasserschlauch, ohne dass er Anstalten machte ihn zu nehmen. Stattdessen ließ er seine Aufmerksamkeit zu Dorian zurück rucken, und begann mit den Ketten um seinen Hals zu spielen. Neben einer stilisierten Schneeflocke aus Silber hingen dort einige Holzbuchstaben, die zusammen genommen den Namen „Feqzjian buchstabierten. Zuletzt, gut sichtbar pendelte eine eher einfach gearbeitete Holzscheibe von einem Lederband. Darauf zu sehen war das Profil eines Fuchses wie auf der Kette seiner Begleiterin – nur das über seinem Tier noch ein Halbmond eingraviert war.


    „Gerne. Für meinen Geschmack spielen die Leute hier viel zu selten. Beinahe ist es als wollten sie ständig ihre Probleme vor Augen haben.“, merkte er dann ernster als gewohnt an, hob einen Finger und setzte dann fort. „Ich meine – natürlich ist es keine gute Idee zu trinken und zu rauchen, bis man gar nichts mehr realisiert. Das funktioniert zwar kurzfristig auch, macht die Probleme auf lange Sicht aber nur noch ärger. Ja – da spreche ich aus Erfahrung. Aber so ein Spiel unter Freunden? Das nimmt der Klinge des Lebens doch etwas von ihrer Schärfe. Hübsche Karten.“

    Mit weit offenen Augen streckte er eine Hand aus, als wolle er die Karten zum Mischen an sich nehmen. „Auch ansonsten bin ich ganz bei euch. Wir leben in einer Welt, die niemand zur Gänze kontrollieren kann. Die einzige Sicherheit, die existiert ist die Ehre, die einen an das eigene Wort bindet. Das ist wohl das Mindestmaß, dass jeder Mensch, der es verdient als solcher bezeichnet zu werden erfüllen sollte. Wenn wir uns nicht auf das Wort des Gegenübers verlassen könnten – dann lebten wir im völligen Chaos und verlören darüber jede menschliche Hemmung und Moral.“


    Einen Augenblick sah er zu Nef hinüber, um ihre Reaktion auf die Einschätzung Dorians abzuwarten, sah dann aber wieder zu dem Mann zurück, der sein Zelt mit ihnen teilte. Für einige Sekunden war das einzige Geräusch, das von dem Maraskaner ausging das Geräusch der möglicherweise übergebenen Spielkarten, die aneinander rieben. Als er sich mit einem tiefen Ausatmen wieder vorlehnte, hatte sein Tonfall an Stabilität gewonnen.

    „Die Erwähnung eines solchen Trupps ist verlockend, aber die Formulierung ist schwammig. Reden wir von Spionage, Sabotage oder schnellen Freischärler-Vorstößen nach dem Vorbild kleiner Einheiten die gezwungen sind es mit größeren Truppenverbänden aufzunehmen? Vielleicht sogar von allem drei? Das wäre durchaus möglich, wenn nicht sogar aus praktischen Gründen vorzuziehen. Die bisherigen Gruppen taten jedenfalls alles zugleich.“


    In einer kurzen Redepause griff er nach einer gefilzten Tasche an seinem Gürtel, öffnete sie und zog einige Münzen heraus, um sie vor sich auf den Tisch zu legen. „So ein Spiel macht ohne Einsatz schließlich wenig Sinn und sogar noch weniger Spaß.“ Ein kurzer Blick zuckte zwischen den anderen beiden am Tisch hin und her, als suche er für diese Ansicht nach Bestätigung oder Ablehnung.

    „Was den kleinen Trupp angeht: Für eine solche Tätigkeit gibt es Bedingungen. Die erste und Wichtigste ist, dass ich die Mitglieder selbst aussuchen darf.“ An dieser Stelle zuckte seine rechte Hand vage in Nefs Richtung

    „Nicht zwangsrekrutieren versteht sich – aber auswählen und anfragen. Davon abgesehen – eine solche Einheit bekommt normalerweise gewisse Ziele vorgegeben. Wem würde der blanke Zeigefinger gehören, der hierhin und dorthin zeigt?“

  • Dorian nickte bei einigen der Aussagen, bei anderen hingegen schüttelte er den Kopf oder setzte einen fragenden Blick auf.


    "Zu eurer ersten Frage Nepheruna. Ja und Nein. Neu-Zackenberg, jetzt Zackenberg, ist im vergangenen Jahr gewachsen. Nicht nur mit Leuten aus der Heimat, sondern auch mit vielen Tagelöhnern und anderen, die einen festen Sold im Militär hier haben wollen. Außerdem ist die Aussage 'für alle Aventurier' nicht zutreffend. Hier ist kein Platz für diejenigen, die wir auch in der Heimat gemieden haben. Paktierer, Anhänger des Rattenkindes", dabei tat Dorian so, als ob er auf den Boden spucken würde, "und notorische Randalemacher haben hier einfach keinen Platz. Zackenberg nimmt diejenigen auf, die rechtschaffen sind. Doch dann, ja, stimmt es. Zackenberg soll eine Heimat sein für die Aventurier, die in dieser Sphäre, Globule, Kontinent oder was weiß ich einen Platz suchen. Zackenberg, und damit Stordan von Zackenberg, hat als ehemaliger Baron die Verwaltung von Kelemthal übertragen bekommen. Wir haben Aufgaben und Ziele die wir uns zuwenden müssen, wir Alle. Gerade jetzt in der Anfangsphase muss jeder mit anfassen. In einigen Jahren wird sich die Lage hoffentlich stabilisiert haben. Wir werden Gasthäuser und Unterkünfte haben, in denen auch Gäste einfach so bei uns bleiben können, gegen bare Münze natürlich. Federica ist Stordans persönliche Vertretung, richtig. Eslam der I. und Praiodan der II. Hofmagus. Vergus kümmert sich um alle Schriften und das gesammelte Wissen und Antonius von Zackenberg ist für die militärische Führung da."


    Fast beiläufig gab er seinen Stapel Karten an Feqzjian.


    "Ich selber war einst der Junge, von dem ihr gerade gesprochen habt Nepheruna. Ein gutes Gesetz ist jedoch mit Logik und Verstand geschrieben. Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß, sondern auch sehr viel Grau. Rechtfertigungsgründe, die den Richter zu einer milderen Strafe oder gar zu aufbauenden Maßnahmen verleiten können, ist das, was ich mir persönlich Wünsche. Doch das ist noch ein anderes Thema. Ihr fragt wozu ich hier bin. Berechtigt, da ich doch von solcherlei Positionen in der Heimat Abstand hätte nehmen sollen und müssen. Nun, seht mich als Berater von Stordan. Mein Wort ist nicht Gesetz, aber es wiegt sehr viel auf seiner Waagschale."


    Er nahm die Karten, die Feqzjian austeilte mit einem leichten Kopfschütteln entgegen.


    "Teilt ihr immer aus ohne vorher abheben zu lassen?" Ein leichtes Zwinkern folgte direkt seinen Worten.


    "Kommen wir zum Punkt, damit wir noch ein wenig spielen können und ich danach noch zu meinem nächsten Termin kommen kann."

    Seine leicht erheiterte Stimme schwankte relativ schnell in einen ernsten Ton.

    1. Egal wie perfekt oder gut das Gesetz ist, ein jeder wird sich daran halten müssen. Es ist nicht nur unser Gesetz, sondern vielmehr das des Reichs.

    2. Suche ich jemanden, der mich unterstützt. Jemanden, der mit dem Volk redet, sich ihre Probleme anhört und an Lösungen arbeitet. Einzelfalllösungen die dennoch im Allgemeinwohl stehen. Bislang habe ich das gut alleine geschafft, ohne Probleme. Doch am Ende, vor der Evakuierung, wurde es schlicht zu viel. Ich hatte kaum noch Zeit für meine Familie. Ich möchte, dass ihr mir dabei helft Nepheruna. Freischaffend, nicht an einem Schreibtisch, mit gewissen Befugnissen, damit einhergehend Privilegien und Pflichten.

    3. Ich bin der Mann, der mit dem Finger zeigt. Doch werde ich keinen blinden Gehorsam oder dergleichen verlangen. Ich würde euch das Problem schildern, eure Meinung dazu befragen, und, so ihr wollt, gemeinsam einen Plan aushecken. Ich bin selber kein Freund von nicht hinterfragten Befehlen. Jede einzelne Mission, die im übrigen alle drei Sachen beinhalten kann, die ihr oben angesprochen habt, würde in Ruhe besprochen und abgesprochen.

    4. Ihr hättet für diese Tätigkeit freie Männer-/Frauenwahl, solange diese nicht in einen Konflikt geraten. Ihr könnt zum Beispiel keinen Krieger aus der geplanten Schlachtreihe ziehen, wenn dies nicht vorher mit Antonius abgesprochen ist. Sprecht die Leute an. Die kennen ihre Befehle und anschließend klärt es selbst oder lasst sie das klären.

    Niemand der hier Anwesenden ist vermutlich besser dafür geeignet einen kleinen Trupp zu führen, als ihr, Feqzjian."


    Nach der Aufzählung stand er kurz auf. Holte einen Schlüssel an einer Kette um seinen Hals offenkundig hervor und öffnete damit das Schloss an der Kiste. Er holte eine kleine Truhe hervor und griff mit der Hand rein um einige Kupfer und Silbermünzen hervorzuholen, danach verschließt er wieder alles fachmännisch.



    "Wie hoch wollt ihr den Einsatz?"


    "Ach, und noch was." Ein leichtes Lächeln war in seinem Gesicht. Schwer zu deuten ob belustigt oder schadenfroh. "Oron ist gerade keine 3 Tage Fußmarsch von uns entfernt. In einem eigenen Lehen, mit mehr Befugnissen als wir es haben. Macht den euren bitte deutlich, dass jede aggressive Haltung ihnen gegenüber auf alle zurückfällt. Verlieren tun wir dadurch alle, da sie in der Gunst des Archons und der Nyame stehen. Kriegt ihr das hin?"


    Gemütlich schenkte er sich etwas von dem Wasser ein, das Feqzjian nicht haben wollte.

    "I like goblins, they make funny little popping sounds when they die"

    - Braids, dementia summoner

  • Sie wechselte das überschlagene Bein, während Dorian ihr am Tisch gegenüber saß.

    Aufmerksam und schweigend verfolgte sie seinen kurzen Monolog.

    Draußen hörte sie Zikaden zirpen, die die nicht mehr ganz so ferne Nacht ankündigten. Sie liebte das Geräusch, denn es erinnerte sie an gute Tage in Fasar – als sie Phexdan kennengelernt hatte.


    Dorian Fuxfell zog die Grenze, die sie durch das Erwähnen einer Heimat für alle Aventurier vermieden hatte, exakt da, wo sie es sich erhoffte. Er schloss die direkten Feinde der Götter aus, aber nicht diejenigen, die üblicherweise aufgrund von Vorurteilen vom ängstlichen Volk gemieden wurden: Hexen, Schwarzmagier, Kulturschaffende aus exotischen Regionen.

    Mit ruhiger Miene nickte sie ein paar Mal sachte, während sie innerlich aufatmete. Es gefiel ihr, dass er ‚rechtschaffen‘ gesagt hatte, nicht ‚gesetzestreu‘.
    Sie hatte schon immer einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn gehabt – einige Male war sie deshalb mit dem Gesetz in Gareth aneinander geraten. Sehr viel häufiger aber hatte sie das Gesetz unterstützt.


    „Ihr sagt, dass Stordan von Zackenberg als ehemaliger Baron die Verwaltung übertragen bekommen hat. Das klingt nicht so, als würde er in Kelemthal selbst als Baron eingesetzt, sonst hättet Ihr wohl anders formuliert. Wirkt er dort also viel mehr als Beamter, Verwalter, als Statthalter eines anderen?“

    Noch ein leichtes, verstehendes Nicken folgte, als er die bereits vergebenen Aufgaben aufzählte. Sie kannte die Namen – bis auf Praiodan. Sie hatte nicht gewusst, dass es einen zweiten Hofmagier gab.


    Sie setzte die Tasse an ihre Lippen, während ihre Augen weiterhin auf Dorian lagen.

    ‚Kind‘ hatte sie gesagt, nicht ‚Junge‘. Sie hatte es absichtlich getan, denn sie hatte auch sich selbst als Mädchen gemeint. Die Frau in rot beließ es jedoch dabei. Der Berater des aventurischen Barons hatte sich in ihrem Beispiel selbst gefunden – und das war gut.


    „Ich gehe also davon aus, dass ihr nicht vorhabt oder befugt seid, das Strafgesetz des Mittelreiches in Teilen für Kelemthal zu übernehmen und das stattdessen einzig und allein das Gesetz des Rosenreiches herrscht? Es gibt im Mittelreichischen eine breite Spanne an Strafen, wie Euch sicherlich bekannt ist. Man ist auf die Laune und die Willkür des Richters angewiesen, ob man glimpflich davonkommt oder eben nicht. Ich kannte in Gareth eine junge Hure, der die rechte Hand fehlte. Sie war vor der Strafe für einen einfachen Diebstahl keine Hure gewesen. Und ich kannte ein anderes Mädchen, das für dasselbe Vergehen nur einige Narben auf dem Rücken davontrug. Ich finde bereits den Stock für einen Diebstahl geringen Wertes schlimm genug – dennoch ist es neben dem Pranger die offizielle Mindestbestrafung, nach mittelreichischem Gesetz.

    Ich hatte damals in Gareth aufgrund meines Erwerbs häufig mit Recht und Gesetz und ihrer beider Unterschiede zu tun.“


    Nepheru beobachtete Dorians Augen. Hatte er eine andere Wahl, als ihren letzten Satz misszuverstehen?

    Der noch immer vorhandene Drang in Ihr pochte darauf mehr zu diesem Thema preiszugeben. Sie fühlte sich wie eine Zwiebel. Die nach und nach eine Schale nach der anderen ließ. Eine dritte Tasse Tee wollte sie besser nicht trinken.


    „Es stimmt, dass ich als Kind nach dem Tod meiner Eltern im Südquartier aufgewachsen bin - Ihr scheint eine vergleichbare Vergangenheit zu haben- , mit allem, was dazugehört. Später allerdings.. bin ich in die Stadtwache Südquartier eingetreten. Ich wollte meinem Zuhause mehr Sicherheit geben, das war mein Antrieb. Ich wollte eine bessere Zukunft für Eschenrod. Und aus demselben Grund folgte darauf einige Zeit als Informantin für die unterbesetzte Criminal Cammer. Ich gehörte zu Amt I.

    Und um hier anzuknüpfen: Das Ziel der vorgeschlagenen Aufgabe erscheint mir förderlich. Von welchen Befugnissen, Privilegien und Pflichten sprecht Ihr? Und.. wie nennt Ihr diese Art von Posten der Lösungsfindung?“

    Das verschmitzt-sanfte Lächeln fand seinen Weg zurück in ihr Gesicht und kräuselte ihre Mundwinkel.


    Nur beiläufig sah sie ihm nach, wie er an seine Kiste ging. Die Gier nach Gold hatte ihr nie im Blut gelegen – nahezu gleichgültig wandte sie kurz den Blick in Phexdans Gesicht. Sie wollte sehen, was ihr freimütiges Erzählen bezüglich der Vergangenheit mit seiner Mimik machte. Und sie hatte Angst um seine Barschaft. Sie kannte seine Neigungen Geld zu verschwenden, wenn es um ein Spiel ging.

    Nebenbei schob sie zwei schmale Finger in ihren Ausschnitt und zog ein kleines Stoffsäckchen hervor – kaum war die Kordel aufgezogen, regneten ein paar geringwertige Taler in ihre Hand – ehe sie das finanzielle Arrangement wieder zwischen ihren Brüsten versenkte.

    Dann huschte ihr Augenmerk zurück zu Dorian.

    „Fangen wir doch mit einem Kupfer an“ schlug sie so gering wie möglich vor, als würde sie feilschen.


    „Ich habe von Oron gehört. Ich gehe schlicht davon aus, dass das Gesetz des Rosenreiches auch für sie gilt und sie sich ebenso
    bemühen es zu befolgen, wie auch wir es tun.“
    Sie wusste, letztendlich konnte
    es das eine oder das andere bedeuten.

    „Ich befürchte,“ ihre Stimme hatte einen sarkastischen Unterton – das Thema Oron schien sie nicht zu begeistern, „dass die Oroner ihr Lehen nicht nach dem alten Emirat, sondern nach dem sehr viel späteren Moghulat Oron benannt haben. Das macht sie – wenn sie ihre alte Kultur weiterhin hochhalten und das scheinen sie ja, ignoriert man weder die Namensgebung, noch ihr Wappen – nicht nur zu Anhängern einer Staatsreligion, die BKL anbeteten, sondern auch zu Dienern des dort ebenfalls hochgeheiligten TFL. Ihr als einer der Geweihten seines direkten Widersachers solltet auch ein beachtlich großes Problem mit ihnen haben, wenn ich mich nicht täusche.“

  • Während er noch die Karten austeilte – immer rund herum nicht einen Stapel nach dem anderen – schenkte er Dorian ein munteres Zwinkern. „Immer. Abheben zu lassen hat drei Nachteile. Erstens: Wenn der Abhebende geschickte Finger hat, ist er dazu in der Lage etwas zu seinem Vorteil zu drehen. Zweitens: Der Abhebende könnte meine wunderbare und in betrügerischer Absicht geschaffene Ordnung durcheinander bringen. Drittens: Abheben lassen ist eine Geste, die Vertrauen schaffen soll. Sie anzubieten suggeriert, dass bisher kein Vertrauen herrscht. Und wir vertrauen uns ja schließlich alle, nicht wahr?“, seiner Kehle entrang sich ein aufkommendes Lachen. Nachdem die letzte Karte gelegt war, warft er eine weitere Karte vom Stapel auf dem Tisch ab – ein gutes Stück entfernt von den anderen und mit der bebilderten Seite nach unten.

    „Und immerhin kann man mir nicht vorwerfen, ich würde jemals vergessen Phex zu opfern.“, ein gut gelaunter Hüpfer seiner Augenbrauen unterstrich seine Worte, ehe er nach seinen Karten griff und sie kurz musterte.

    Das Gespräch Neferus und Dorians umfing ihn einen Augenblick, während dem er in seiner Hosentasche nach Münzen wühlte.


    Einige Silbermünzen, die in seiner Hand auftauchten, wurden immerhin auf eine einzelne reduziert, als Nef ihrerseits nur kleinere Münzen hervorzog. Ein kurzer Blick glitt zu der Roten hinüber, während sie sprach. Sie war ausführlich, aber was sie sagte war nicht kritisch – bestenfalls zweideutig. Und das hatte ihn schon immer amüsiert und fasziniert. Auf diese Weise hatte es beinahe etwas von einem Spiel ihr zuzuhören. Ihre Lebensgeschichte war interessant, tragisch, erregte seinen Zorn und beglückte ihn. Und von Zeit zu Zeit hatte er das Gefühl, dass es jedem so ging. Sie das erste Mal zu erfahren war ein wenig als säße man in einem sehr kleinen Boot und rauschte Stromschnellen hinab.


    Während er träge die Karten in seiner Hand nach dem Wert ordnete, den er ihnen zumaß – der keineswegs dem entsprechen musste, der ihnen aufgemalt war – lauschte er den Nachfragen das Gesetz des Reiches betreffend. Ein interessantes Thema – nicht nur, weil es ihr Leben in den kommenden Jahren potentiell beeinflussen konnte, sondern auch deshalb, weil die Gesetzgebung eines Landes stets einiges über seine Herrschaft verriet. Standen ganz oben Dinge wie Aufstände und Landesverrat? Dann war davon auszugehen, dass die Herrschaft weder ihrem Volk noch ihren Beratern wirklich vertrauen konnte. Waren Strafen für kleinere Delikte drakonisch oder eher mäßig? Daran ließ sich ablesen, ob sie Verständnis für Notstände hatte oder ob es ihr wichtig war die wohlhabenden Schichten zu schützen.

    Dieses Gesetz würde er einmal lesen müssen – so oder so.


    Als das Gespräch sich den ehemaligen Bewohnern des Moghulats zuwandte, hatte er seine Hand wohlgeordnet, das Silberstück auf den Tisch gelegt und die Beine - ein wenig zur Seite gewandt - ausgestreckt.

    Schließlich nahm er den Gesprächsfaden selbst wieder auf, um an dem Gesamtwerk weiter mit zu weben: „Im Grunde geht es also eher um einen Vertrag. Ich bilde oder erweitere eine geeignete Gruppe, um die notwendigen Aufgaben durchführen zu können und Ihr oder – wie ich annehme – andere führende Köpfe der Allianz fragen uns dann an. Gemeinsam sprechen wir dann eine Machbarkeit ab und überlegen uns dann die Art und Weise, auf die es durchgeführt werden kann.“

    Noch einmal ging er seine Karten durch: „Das kommt mir entgegen. Und wenn ich recht gehört habe, dann umfasst die Gegenleistung für diese Gefallen, die wir gerne erweisen, zwei nahe beieinander gelegene Wohnstätten in Kelemthal, von denen eine genug Platz bereit hält für einen Kräutergarten und einige Tiere und die andere der Unterbringung der Truppmitglieder dient, soweit diese einen Schlafplatz benötigen. Außerdem den Zugang zu vertraulichen Informationen. Letzteres meint dabei auch auf Wunsch an militärische Planungsräten teilzunehmen, um das eigene Vorgehen mit dem der eigentlichen Truppenverbände abstimmen zu können. Da ich zudem auf eine Bezahlung in Geldform verzichte, gehe ich davon aus, dass es angemessen ist, sich im Rahmen der Aufträge – soweit es das eigentliche Ziel nicht gefährdet – an den Zielen der Aufträge schadlos zu halten. Ich setze ein Silberstück.“

    Bei den letzten Worten schob er die Münze, die ohnehin schon auf dem Tisch lag von sich fort in die Mitte. „Ich gehe davon aus, dass Euch nichts davon Schwierigkeiten bereitet.“, fügte er dann an, wobei er Dorian ein aufmunterndes Lächeln zusandte.


    „Auch mir ist das Gerücht über die Oroner nicht neu. Und selbstverständlich werde ich Sorge dafür tragen, dass meine Leute sie nicht gesetzwidrig angreifen. Wenn man allerdings der Namens- und Wappenwahl glauben darf, dann stellen diese Leute eine latente Gefahr dar – und ich war schon immer ein großer Freund der Selbstverteidigung. Ich behalte mir daher vor auf etwaige Übergriffe durch die Äthrajin-Diener mit Maßnahmen zu reagieren, die entsprechende Angriffe schnell und effektiv beenden.“


    Noch einmal sortierte er seine Karten und sah zwischen den Mitspielern hin und her. „Wie steht es um eure Einsätze?“

  • Er hörte lange zu, ehe er ebenfalls mit den gebotenen Einsätzen mitging und klirrend eine Münze auf die anderen schnipste. Wohl nicht ganz so wie erwartet, sprang sie direkt auf den Rand einer anderen und fiel dabei fast vom Tisch runter.


    "Wir haben Kelemthal nicht als Lehen bekommen, sondern als Unterkunft. Das Lehen steht noch unter Reichsrecht und wird vom Reich offiziell verwaltet. Stordan wird sich vor Ort um alles kümmern und die Leute entsprechend seiner Herkunft und seiner Kenntnis einteilen. Der Rest sind dann nur noch Formalitäten. Ich sagte er sei ehemaliger Baron, weil er diesen Titel in der Freyenmark, wie auch in Aventurien niedergelegt hat um einer neuen Bestimmung zu folgen und das beste für seine Leute zu tun. Daher die Bezeichnung."


    Sorgsam kramte er in einem seiner Beutel, ehe er kleine farbige Süßigkeiten? herausholte.


    "Matsch, hab ich von nem Goblin gelernt. Wollt ihr auch?"


    Er legte den Rest auf den Tisch für jedermann zu nehmen.


    "Mit den Gesetzen ist es so. Es gibt ein Reichsgesetz. Dieses kann innerhalb der Lehen erweitert werden, niemals aber überschrieben. Es wird offen bekannt gemacht, sobald wir eine entsprechende Abschrift haben. Ich denke aber Stordan wird einige Sachen ergänzen, so ist er eben. Aber ich kann euch ehrlichen Herzens beruhigen. Stordan ist kein Adeliger wie viele andere Barone, die man verfressen auf ihrem Stuhl sieht und die denken, man wäre viel mehr als sie.

    Stordan war als ehemaliger Offizier immer schon ein Baron, der für das Volk, für die Gemeinschaft da war. Einer der Hauptgründe warum wir so lange befreundet sind."


    Er mischte die Karten immer wieder willkürlich in seiner Hand. Hob ab, steckte sie ineinander und spielte auch sonst durchgehend damit herum. Karten, ja, das lag ihm eben.


    "Nicht jedes Amt trägt einen Namen Nepheruna. Ich habe es früher als Herold getan, doch dieses Amt hat noch andere Pflichten, die ich weitergegeben habe. Die Leute wissen wie gewichtet ihre Aussagen wahrgenommen werden, wenn sie mich ansprechen. Und ich trage auch keinen Titel, noch ein offizielles Amt.

    Aber, ich glaube auf Dauer, sobald das Lehen offiziell vergeben ist, könnten wir einen Stadtrat gründen. Das entlastet sicherlich auch Stordan und Federica, die in diesen Zeiten auf diesem Kontinent sicher andere Probleme haben. Für den Papierkram habe ich meine Leute. Eben aber niemanden, der noch die Probleme der Bürger versteht. Ihr wisst schon, wie die Stadträte in Punin oder Gareth, mit ihren Ratsmeistern.

    Das ist mir wichtig. Hier ist es wichtiger denn je, dass Nachbarschaftsstreite und andere Dinge beigelegt werden. Hier darf es nur eine Einheit geben, die an einem Strang zieht, sonst brauchen wir gar nicht anzufangen."


    Diese Idee war ihm tatsächlich spontan gekommen. Auch Gareth oder Punin hatten einen Stadtrat. Warum also nicht auch Quingard? Zugegeben, es war deutlich kleiner, aber der Rat muss ja auch nicht besonders groß sein.

    Danach kam er erst zu den Fragen Feqzjians, die er vor dem Thema Oron beantwortet haben wollte.


    "Kelemthal hat viele freie Häuser. Die Stadt hat Häuser für jeden von uns, wenn ich den letzten Ausführungen glauben darf. Ich bezweifle, dass wir da keine entsprechenden Bauten finden werden. Helft mir denken, wenn wir vor Ort sind. Das letzte Wort hat da aber natürlich Stordan, was sich dann aber in solchen Fällen meist an meinen orientiert. Wir sehen vor Ort was passt. Einverstanden?

    Und zu euren... Operationen. Es gibt so gut wie keine geheimen Informationen. Hier ist der Krieg vor der Tür, wir ziehen an die Grenze des Schwarzen Eises. Vergus wird seine Bibliothek öffentlich zugänglich machen, natürlich unter Aufsicht um Diebstahl zu vermeiden. Sollte es aber, warum auch immer, trotzdem zu solchen Räten kommen, muss ich eure Anwesenheit erst mit Antonius besprechen. Ich glaube aber, dass dies nur von beiderseitigem Interesse ist. Euer Einwand ist dementsprechend auf jeden Fall gerechtfertigt."


    Die Runde war zu Ende, und er hatte nichts auf der Hand. Schade... Er hatte einen gleichgültigen Gesichtsausdruck aufgesetzt und legte noch ein Silber auf den Tisch.


    "Ich war in Oron und kenne mich dort mehr oder weniger aus. Ich kann euch folgendes jetzt schon sagen.

    Erstens, sie beten weiterhin ihre... Vergangenheit an.

    Zweitens, sie verstecken es vor Elementarschreinen vor der Allgemeinheit

    Drittens, sie bauen weiterhin schwarzen Wein an. Doch der Schleier, der das Land umgibt, verhindert dämonische Einflüsse. Nach eigenen Angaben opfern sie nur eigenes Blut an die Weinrebe.

    Viertens, sie sind ein Problem und eine Gefahr, das will ich nicht abstreiten. Aber das ist etwas, was wir politisch oder in letzter Instanz, geheim, lösen.

    Wenn ihr angegriffen werdet, gibt es nichts besseres. Wenn ihr entkommen könnt tut das und wir berichten es dem Archon. Er kann zusammen mit der Nyame in die Köpfe der Leute schauen und ihre Gedanken sehen. Sie werden es nicht leugnen können und damit hätten wir sie! Etwas besseres, kann dann nicht mehr passieren... und... je mehr Wunden ihr lebend davontragt, desto besser für die Exzellenzen im Nachhinein... ihr versteht?"


    Er legte seine Karten schwungvoll mit einem Lächeln auf den Tisch und sah Feqzjian in die Augen.


    "Eure Aussagen sind allesamt falsch."

    Bums...

    "Erstens, kein Finger der Welt kann einen gemischten Stapel durch bloßes Abheben zu seinem Vorteil verschieben, egal wie gut derjenige ist. Abheben ändert niemals die Ordnung, nur die Reihenfolge. Und da kann derjenige noch Zwanzig mal abgeben.

    Zweitens habt ihr, recht ordentlich was ich zugeben muss, gemischt. Ihr habt euch keine Ordnung zurecht gelegt und

    drittens, kennt ihr sicher den Spruch "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" oder?"


    Beim letzten hatte er bewusst keine Richtigstellung Feqzjians Aussage vorgenommen, doch es war offensichtlich. Hier vertraute noch niemand dem anderen...

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    - Braids, dementia summoner

  • Nef spielte ziemlich halbherzig. Sie bot nur ihre Kupferstücke, die sie auf den Tisch geschoben hatte, aber die anderen beiden schien es nicht sonderlich zu scheren, dass ihr Einsatz geringer war. Sie hatte ja auch nicht einmal Silberlinge bei sich.

    Ohnehin machte sie den Eindruck, als würde sie sich nicht recht auf die Karten konzentrieren.


    „Ein ehemaliger Baron, der seinen Titel nieder gelegt hat!“ sie schmunzelte heiter und lachte dunkel auf.
    „Da sind mir mehr als eine Hand voll Praiospfaffen in Gareth bekannt, die sich die Haare raufen würden, bis sie kahl wären! Der von Praios selbst vergebene Adelsstand! Einige würden sicher sogar sagen, ein Niederlegen sei gar nicht wirklich möglich.“ Es schien sie ernsthaft zu amüsieren. Auf eine positive Weise.

    „Und welcher Abgesandte des Reiches ist derzeit offiziell für Kelemthal zuständig? Oder anders gesagt: Wem erstattet Stordan Bericht? Wer wurde denn mit Kelemthal belehnt, wenn nicht Stordan – falls es niemand ist, steht dann eine Belehnung für den Zackenberger in näherer Zukunft in Aussicht?“

    Sie wollte einen Durchblick bei dieser Sache haben und bohrte lieber zweimal.


    Nepheruna nahm sich von dem Matsch. Süßes hatte sie schon immer gemocht.


    Endlich warf die Rotgekleidete wieder einen Blick in ihre Karten. Das Blatt war recht passabel. Zwillinge. Immerhin zwei Weissagerinnen. Aber trotzdem nur Zwillinge, kaum besser als ein Gemüseacker. Sie war keine Kartenspielerin – sie hatte Boltan nicht vermisst.


    „Nicht jedes Amt, nein – aber es ist doch ab und zu sehr hilfreich ein Kind beim Namen nennen zu können, anstatt es jemandem umschreiben zu müssen, der fragt. Es kann sogar etwas… sagen wir weniger seriös wirken, wenn ich erklären muss, was ich tue, ohne eine treffende Bezeichnung nennen zu können. Dinge wie diese auf den Punkt bringen zu können, schafft einen ersten, vertrauenswürdigen Eindruck. Wenn es zukünftige Pläne diesbezüglich gibt, bin ich vorerst zufrieden.“


    Die Garetherin blickte beiläufig zu Dorians wildem Haufen und offenbarte ihr Blatt. Die zwei Weissagerinnen zeigten sich.


    Sie atmete einmal stoßhaft durch und lächelte matt.

    „Ich glaube nicht, dass es in Phexdans derzeitigem Interesse liegt, einen offenen Spontankrieg mit den erzdämonischen Buhlen aus Oron vom Zaun zu brechen. Und in meinem schon gar nicht. Der gewaltsame Weg trägt viel zu viele Verluste mit sich und ist meiner Meinung nach der zu allerletzt gewählte Weg. Das wird man langfristig sicher anders lösen können… Wir sind uns wohl alle einig, dass Diener derjenigen, die versuchen vor allem Rahja und Phex und letztendlich der gesamten Zwölfschaft ins Gesicht zu spucken, sich entweder zu besinnen haben oder schon zu lange auf Deres Angesicht weilen. Sie werden uns ganz sicher nicht angreifen – sie sind in ihrer jetzigen Position doch sicher wie in Zulhamins Schoß.“

    Der Blick der schwarz umrahmten Augen wanderte zu Phexdan und sie ergänzte trocken:

    „Und ganz sicher haben sie nicht all die Jahre überlebt, weil sie sich provozieren lassen.“


    Sie kannte Phexdans kleine Spielchen.
    Er stellte mehrere Thesen als gegeben hin und man musste die Unwahren darunter erkennen. Sie konnte allerdings nicht mit vollkommener Gewissheit sagen, ob Dorian seinen Test bestanden hatte. Wortlos hing ihr Augenmerk an ihrem maraskanischen Gefährten.

  • Der Blick des Maraskaners sackte auf die Karten herab, die vor ihm auf dem Tisch zum Liegen kamen und studierte sie einen Augenblick gewissenhaft.

    „Ja – wahr gesprochen. Weder ist es möglich beim Abheben einen nennenswerten Vorteil herauszuschlagen, noch mische ich vor aller Augen ein fremdes Spiel auf eine Art und Weise, die mich bereichert. Nicht ohne zusätzliche Ablenkung jedenfalls. Während einen alle anstarren ist mogeln doch sehr anstrengend. “, meinte er lachend.

    „Was das Vertrauen angeht: Niemand von uns hat eine Waffe in der Hand. Wir vertrauen uns weit genug uns auf Verhandlungen einzulassen. Das ist doch was.“, er gluckste. „Aber ich bin froh, dass wir offenbar in allen Punkten einer Ansicht sind. Das will mir einen guten Einstieg bedeuten.“


    Er warf seine Karten – die ihrerseits nur Maraskaner enthielten - ohne eine Veränderung seiner gut gelaunten Miene neben die von Dorian, ehe er kurz zu Nef sah, ehe er sein Augenmerk wieder dem Gastgeber zuwandte. „Ich nehme mal an, dass Antonius sich noch an mich erinnert. Jedenfalls hat das Gespräch mit seiner Freundin Gwen sich sehr danach angehört, als sollte ich ausgehorcht werden.“, langsam hob er seine Schultern an. „Ich bin gespannt wie er reagiert. Wenn es hilft: Ich verspreche mich nicht mehr ungefragt auf seinen wichtigen Thron zu setzen.“

    Er lehnte sich auf seinem Hocker ein Stück weit nach hinten, um den Rücken gerade zu bekommen und legte seine Hände dann auf seinen Oberschenkeln ab – nur um sie sofort wieder in Bewegung zu setzen. „Matsch, sagt ihr? Klingt interessant.“, ließ er verlauten und griff dann nach dem farbigen Etwas. „Erinnert mich daran, dass ich in Kelemthal etwas zubereite, an dem Ihr Euch versuchen könnt.“


    Mit diesen Worten schnippste er sich etwas von den … Süßigkeiten(?) in den offenen Mund und begann darauf herum zu kauen.

    „Die Oroner sind in ihrer Art ekelhaft und provokant. Und das Problem ist: Sie können es sein, ohne Probleme zu bekommen. Sie dürfen offen ihre Flaggen zeigen und ihren Namen führen, ohne dass es Konsequenzen für sie hat. Und da sie das offenbar schon eine Weile tun, sind sie offenkundig nicht eben schlecht darin ihre eher…hintergründigen Aktivitäten zu verbergen. Aber die Sache daran ist die: Um ihnen doch irgendwann etwas nachweisen zu können, brauchen wir nur einmal Glück. Um sich weiterhin vor uns zu verstecken, werden sie es immer brauchen. Und wie ich den Herrn Phex kenne – hat niemand ewiges und unendliches Glück gepachtet.“


    Wieder glitt sein Blick zu den Karten – diesmal auch denen von Nef. „Wir hatten alle keine besonders guten Blätter, mh? Zwei zweien und zwei sechsen sind da schon das höchste der Gefühle.“, er schob seine Karten wieder von sich, ehe er nach mehr Matsch griff. „Gibt es in offizieller Angelegenheit sonst noch etwas zu besprechen? Nicht, dass ich es eilig habe los zu kommen, aber wenn wir einen Abschluss finden, können wir in dem Moment gehen, in dem Eure werte Gattin mit Eurem geschätzten Kind zurückkehrt.“

    Mit einem Zwinkern im Auge ließ er den Blick zu Nef zucken, um ihn dann offen wieder zu Dorian zurückgleiten zu lassen.

  • Dorian lächelte einmal.

    "Mit Boltan hatte ich es selbst nicht so."

    Dabei deckte er seine Hand auf. Nichts, nicht einmal einen Zwilling. Er schob die Einsätze rüber zu Feqzjian und nickte ihm anerkennend zu.


    "Die Sache in Kelemthal ist... kompliziert, oder auch nicht, je nachdem. Der Thul'Heen hat Stordan das Lehen Kelemthal zur Verwaltung und Unterkunft gegeben. Dennoch ist er kein offizieller Verwalter. Das wäre hier ein Vogt. Doch so ist es nicht, noch nicht. Er verwaltet alle Zackenberger und wir haben mehr oder minder vorerst ähnliche Befugnisse dort. Wir können uns niederlassen, einleben. Doch hängt es noch von anderen Faktoren ab, ob Zackenberg das Lehen offiziell bekommt. Ich denke Stordan wird noch einmal offiziell auf dem Konvent der Elemente in Holzbrück vorsprechen. Ich denke es wird ein längerer Prozess, bei dem wir alle unseren Beitrag leisten können."


    Langsam nahm er einen Teil der Karten und spielte mit ihnen in der Hand herum. Mal verschwand die eine Karte oder eine andere war auf einmal oben auf. Das konnte man ihm nicht lassen, Kartenspielereien, ja, darin war er soviel besser wie im Boltan...


    "Wir werden uns langsam antasten und sicherlich einen gemeinsamen Nenner finden. Sowohl mit Antonius als auch mit Stordan. Wenn wir ankommen bin ich mir fast sicher, dass er mich und Federica einweisen wird, wo wir wohnen werden, also, wir alle. Ich nehme euch beide da schon mit, damit ihr ein Gefühl von ihm bekommt und die Stadt genauso schnell kennen lernt wie ich."


    Nach der Ausführung verstaute er die Karten endgültig in dem ledernen Etui und stand auf um sie wieder zurück in seine Truhe zu legen.

    "Unsere Zeit wird kommen, um die Sache mit Oron zu regeln Feqzjian. Ganz im Gegensatz zu unserem gemeinsamen Essen nach Tradition deiner Heimat. Ehrlich, ich glaube ich bin allen gegenüber immer offen, ich habe viel versucht. Aber... es ist mir zu scharf... oder, zu süß...sauer? Ach ich weiß auch nicht. Weiden hat leckeres Essen, das war immer gut. Oder das Horasreich. Zumindest nach meinem Geschmack, aber darüber lässt sich ja bekanntlich nicht streiten."


    Er setzte sich gar nicht mehr hin sondern schaute beide mit einem ehrlichen Lächeln im Gesicht an.

    "Auf eine gute Zusammenarbeit?"


    Dabei reichte er beiden seinen Arm, nacheinander.

    "I like goblins, they make funny little popping sounds when they die"

    - Braids, dementia summoner

  • Nef stand auf, auch sie lächelte auf sachlich-ruhige Art.
    Die Partie Boltan beachtete sie bereits gar nicht mehr, sondern überließ Phexdan ohne einen weiteren Blick die paar Kupfermünzen, die sie beigesteuert hatte.


    "Ich verstehe. Ziehen wir also an einem gemeinsamen Strang, um den Zackenberger Baron vorerst wenigstens zu einem Vogt zu machen und arbeiten wir alle daran, dass früher oder später Aventurier mit Kelemthal belehnt werden."
    Sie nickte deutlich, fast geschäftlich und gab ihm die Hand. Der Druck ihrer langen, schmalen Finger war solide.


    +++