Die Visitation durch die oronische Gesandschaft

  • Auf dem Hoftag der Rosen und Dornen

    Stordan von Zackenberg und Dorian Fuxfell waren zum Hoftag der Rosen und Dornen im Reich der Rosen gereist, direkt von der Front in der Freyenmark, der letzten Verteidigungslinie gegen die Truppen des schwarzen Eises vom Herzen der Festung. Begleitet wurden sie von Mugrim, dem Zwergen und letzten Diplomaten der Freyenmark.

    Das Ziel ihrer Mission war gleich, doch während Mugrim noch voller Hoffnung auf Rettung für die Freyenmark war, dachten Stordan und Dorian schon weiter. Die Verteidiger würden nur noch wenige Tage stand halten können, maximal ein paar Wochen, und dann würde die Mark fallen. Sie mussten sich jedoch um die einfachen Siedler, insbesondere jedoch die Waisen, die sie in Zackenberg aufgenommen hatten, kümmern. Man konnte ihnen nicht schon wieder eine Schlacht und eine verzweifelte Flucht zumuten.


    So kamen sie dann am 11. Boron zum Audienztag am Hofe an, wo sie vom Hofmarschall willkommen geheißen wurden und einen Termin am Abend erhielten, um seiner Exzellenz und ihrer Herrlichkeit ihre Bitte vortragen zu können. Stordan hatte schon den ganzen Tag über wertvolle Gespräche am Hofe führen können, Dorian ebenso, bis sie am Abend dann zur Audienz gebeten wurden. Die Herrscher hörten genau zu und ließen sich die Situation ausführlich berichten. Dann sagten sie eine Zuflucht für die Bürger Zackenbergs in der Baronie Shaekara zu, der Heimat ihrer Herrlichkeit.

    Da Mugrim jedoch noch seiner Hoffnung auf einen Sieg mit Hilfe von zusätzlichen Truppen aus dem Reich der Rosen Ausdruck verlieh, beschloss seine Exzellenz, dass eine vertrauensvoller Trupp aus erfahrenen Streitern wider die Finsternis die Drei in die Freyenmark zu begleiten, damit sie sich ein Bild von der Lage machen können.

    Seine Exzellenz wählte die Oronier für diese Aufgabe aus, da er seit Jahren mit ihnen verbunden war und sich in der nächsten Zeit in Oron aufhalten wollte. Die Aufgabe übernahmen der Maray Abu Saig ibn Dun, der oberste Befehlshaber Orons, die edle Dame Laila a Lanka und dem Gardisten Ridvan ibn Adil.

    Man konnte den Abend noch zur Planung des gemeinsamen Weges nutzen. Stordan hatte Vorsorge treffen lassen und in der Heimat standen Pferde bereit. Außerdem war ihm klar, dass die Oronier auf jeden Fall unbeschadet wieder zurückkehren mussten, ansonsten würde seine Exzellenz sicher schwer enttäuscht von ihm sein und dieser hatte ihnen gerade erst so großzügig geholfen.


    So brach die Gruppe zu Sechst am 12. Boron wieder auf, auch Mugrim hatte sich ihnen angeschlossen, wollte er doch seine Beobachtungen teilen und sah sich als letzter Diplomat dazu gezwungen, diese Gäste zu begleiten und ihnen zu Hilfe zu sein. Der Weg führte sie direkt nach nach Shan Meng-Feyn, um dann mit Hilfe des dortigen Aeris-Portals nach Holzbrück zu reisen.



    Ankunft in Zackenberg

    Am 14. Boron erreichten Stordan mit den drei Oroniern, Dorian und Mugrim wieder die Freyenmark. In Holzbrück warteten die beiden abgeordneten Stallburschen mit den bereitgestellten Pferden, so dass sie direkt wieder aufbrechen konnten. Stordan wandte sich an die Begleiter:“Ich hoffe, ihr seid mit den Reittieren zufrieden. Sie sind nicht eure typische Wahl, aber sie sind gut trainiert und werden uns sicher ans Ziel bringen. Mugrim, wenn ihr mithalten wollt, müsst ihr reiten.“ Der Zwerg schaute ihn mürrisch an, nickte dann aber und sagte:“ Dieses eine Mal muss es sein. Bindet mich auf dem blöden Gaul fest und wehe, ihr erzählt irgendjemandem davon!“ Die Stallburschen machten sich ans Werk und Stordan wandte sich der Dame, Laila a Lanka, zu. „Darf ich euch in den Sattel helfen?“,frage er sie und als sie nickte baute er ihr eine Reiterleiter. Noch hatten sie ein paar Stunden Tageslicht und das wollten sie nutzen, also ritten sie zügig wieder los.

    Der erste Teil des Weges folgten sie der Straße nach Westen. Sie ritten in Zweiergruppen, die Burschen mit den beiden Packtieren am Ende. Stordan nutze die Zeit, sich weiter mit dem Heerführer des Moghulats Oron, Abu Saig ibn Dun, unterhalten. Er wollte mehr über dessen Erfahrungen mit den Feinden der Schöpfung hören, damit er aus diesen Erkenntnissen lernen konnte.


    Sie ritten durch, bis die Nacht angebrochen war und machten sich ein schnelles einfaches Lager, teilten die Wache gemeinsam ein und waren alle froh, als sie am nächsten Morgen wieder aufbrechen konnten. So kamen sie zügig und gänzlich unbehelligt voran und erreichten Zackenberg am frühen Abend.


    In Zackenberg brachte der Baron seine Gäste gleich im passenden Flügel der Burg unter, der gerade fertig gestellt worden war. Man kam darin überein, dass sich nach einem frühen Abendmahl alle rechtzeitig zur Nachtruhe begeben wollten, da ihnen in den nächsten Tagen sicher wenig schlaf vergönnt sein würde.

    Stordan ging hinunter und wies seinen Sekretär an, ein passendes Abendmahl vorbereiten zu lassen. Dann ging er zu Vitus, seinem Rittmeister, und wies ihn an, 6 Mann Bedeckung auszuwählen für die Reise, dazu passende Pferde und Ausrüstung. All das sollte morgen bei Sonnenaufgang bereit stehen.

    Das Abendmahl war eine recht schweigsame Angelegenheit, alle hingen ihren Gedanken und Planungen nach, und so wurde die Tafel schon nach einer Stunde wieder aufgehoben. Mugrim zog sich in seine Kammer zurück, die Oronier beschlossen, noch ein wenig im Saal zu bleiben und sich zu besprechen. Dann ging der Maray demonstrativ zu Bett, während sich seine Begleiter unbemerkt aus der Burg schlichen. Sie wollten sich einen eigenen Eindruck von der Stimmung im Lande machen, um die Situation genau einschätzen zu können. Nach ein paar Kneipenaufenthalten waren sie schlauer geworden, die allgemeine Stimmung im Lande war schlecht, es wurde viel von Niederlage, Ausweglosigkeit und fehlendem Zusammenhalt gesprochen. Die Zackenberger jedoch waren eher von ihrem Durchhaltewillen und ihrem Vertrauen in ihren Baron geprägt, von dem sie felsenfest annahmen, er würde ihnen immer beistehen. Gleichzeitig hofften alle, die Lage würde nicht noch schlimmer werden, auch wenn so viele Schollen (Baronien) die Freyenmark verlassen hatte und ganze Landstriche an den Feind und die Ödnis gefallen waren.

    Stordan weilte unterdessen in seinem Amtszimmer, über eine Karte der Freyenmark gebeugt. Er plante die Reiserute in den Süden und hatte sich nach langem Überlegen für die direkte Route entschieden. Sie würden morgen direkt nach Süden aufbrechen, nach Strötz, dann durch die kleinen Schollen an der ehemaligen Grenze der Mark bis hin nach Rosdale, der örtlichen Frontgarnison. Den Rückweg wollte er dann hinter dem Gebirge durch das ehemalige Pelenya legen, damit er im Notfall mehr Abstand zur Front hatte. Zum Schluss wollte er die Reisenden direkt nach Holzbrück bringen, ohne erst wieder lange Zeit in Zackenberg zu verbringen.


    Bei Sonnenaufgang wartete Vitus mit der Bedeckung auf die Reiter. Mugrim stöhnte zwar wieder beim Anblick der Pferde, doch seine Reitkünste waren in den vergangenen Tagen schon sehr viel besser geworden. So brach man nach einem kleinen Gebet schweigend auf, wobei Stordan seine Gäste darum bat, ab jetzt gerüstet unterwegs zu sein.



    Weiterreise nach Strötz

    Die erste Etappe der Reise sollte sie nach Strötz führen, wo ein Freund noch das Kommando innehatte. Allerdings wusste Stordan nicht, ob sie noch da waren, wollten doch auch sie die Mark verlassen. Die Reise dauerte bis zum Abend des 17. Boron und der Anblick, der sich ihnen in der fahlen Abendsonne bot, verschlug einem den Atem.

    Nur noch ein paar Ratten huschten über die ansonsten so belebten Plätze von Stötz-Grözikä. Die Straßen und Gassen waren leer und irgendwo quietschte ein Fensterladen im Wind.

    Alles war so gespenstisch ruhig. Nur Wenige waren geblieben, hatten sich in ihren Häusern verbarrikadiert und die Türen und Fenster vernagelt. Sie verweigerten jedoch jeden Kontakt, waren in ihrem Wahn und ihrer Hoffnungslosigkeit gefangen.

    Der Maray Abu Saig ibn Dun und Stordan wechselten einen traurigen Blick, hier war nichts mehr zu holen, keine Hilfe mehr zu finden. „Ich muss euch dazu noch berichten, dass diese Festungsstadt zusammen mit Zackenberg im Norden die einzigen beiden Rückzugspunkte für die einfache Landbevölkerung darstellten“, sprach der Baron matt und leise. Die Augen des Maray weiteten sich leicht, jedoch erwiderte er nichts.

    Sie suchten sich ein ehemaliges Gasthaus und richteten sich für die Nacht ein. Die Betten waren noch vorhanden, selbst die Bierfässer im Keller waren noch halb voll. So genoss man nach zwei Tagen in der Wildnis mal wieder etwas Zivilisation. Am nächsten Morgen brachen sie wieder auf, hier hatten sie alles erfahren, was man erfahren konnte.



    Auf zur Front oder Der Überfall des schwarzen Eises

    Sie waren jetzt schon eine Woche gemeinsam unterwegs, man schrieb den 19. Boron (November) und ihre Eindrücke verfestigten sich. Die kleinen Schollen, die sie durchquerten hatten maximal 20 gerüstete Kämpfer, wobei dies meistens eher unerfahrene Landwehrkämpfer waren. Der Maray musste mittlerweile ein klares Bild von der Verteidigungsfähigkeit dieses Landes haben, wenn man von seinen Erkenntnissen aus den letzten Jahren des Kampfes gegen die Feinde der Schöpfung ausgeht. Stordan wandte sich beim Reiten ihm zu. „Ihr seht, ich habe die Situation auf dem Hoftag hinsichtlich der kleinen Baronien nicht übertrieben, sie werden sich so nicht halten können und ich hoffe, sie werden sich rechtzeitig in Richtung Zackenberg oder Freyenpfalz zurückziehen.“

    Die Beiden versanken in eine Diskussion über die Möglichkeiten der Evakuierung, insbesondere, wenn die Menschen noch nicht weg wollen, als der Gardist Ridvan ibn Adil Alarm schlug. Er deutete um die Wegbiegung, zirka 300 Schritt entfernt. Dort wurde eine Kutsche mit ihrem Fahrer und 2 Mann Bedeckung von einer Faust Rakhs angegriffen. Fast automatisch griffen alle nach ihren Waffen und gaben den Pferden die Sporen.

    Zu viert ritten sie in Formation in die Faust Rakhs hinein, der Maray und der Baron in der Mitte. Eine Bedeckung verblieb bei der edlen Dame, die beiden anderen hatten die Packpferde. Man konnte schnell sehen, dass es sich bei diesen 4 um erfahrene Kämpfer handelte. Waren die beiden Mann vor der Kutsche schnell gefallen und der Kutscher auch nur ein paar Augenblicke das Zeitliche segnete, konnten sie die Feinde schnell zusammentreiben und vernichten. Als sie gesiegt hatten, nahm sich Mugrim der Verstorbenen an. Wenn er schon nicht ihr Leben retten konnte, so wollte er ihnen wenigstens das letzte Geleit geben.

    Da hörten sie ein Stöhnen aus der Kutsche. Schnell riss der Gardist Ridvan ibn Adil die Tür auf und ihr Blick fiel auf eine Frau, die auf dem Kutschenboden lag, schmerzvoll stöhnte und an der Stirn blutete. Anscheinend war sie, als die Kutsche abrupt stoppte, mit dem Kopf gegen die Seite geschlagen und bewusstlos geworden, was ihr dann wohl auch das Leben gerettet hatte. Die edle Dame Laila a Lanka nahm sich zusammen mit einem der Zackenberger Begleiter, der auch eine Heilerschulung hatte, ihrer an. Man verband ihr den Kopf und so langsam kam sie wieder zu Bewusstsein.

    Nach 30 Augenblicken, die sie zur Pause für die Reittiere und der Bestattung der drei Toten genutzt hatten, war die Dame halbwegs wieder hergestellt. Stordan und der Maray wandten sich ihr zu und fragten sie nach ihrem Namen. „Charlotte von Bredenholm, meine edlen Herren“, antwortete sie mit erstaunlich fester Stimme. „Ich bin auf der Flucht vor den Truppen des schwarzen Eises gewesen. Ich bitte euch, nehmt mich mit, alleine habe ich keine Chance dem Feinde zu entkommen. Ich kann euch auch helfen!“

    Stordan schaute den Maray an, dann antwortete er: „Wir werden niemanden zurücklassen, der vor den Verfehmten flieht. Ich hoffe ihr könnt reiten.“ Sie nickte, ging zur Kutsche, sammelte ihre wichtigsten Besitztümer ein, lud sie auf das eine Kutschenpferd und nahm das ihr bereitgestellte Reitpferd.

    Die Gruppe ritt schweigend los, die Dame schien ihren Gedanken nachzuhängen und man lies sie in Ruhe. Am Abend, in der Wache von Stordan und einem der Zackenberger, wandte sie sich an den Baron. Leise und ausführlich unterhielten sich die Beiden, aber niemand konnte sie belauschen. Man merkte jedoch, wie sie sich öffnete und wie ihr Gespräch immer vertrauter wurde. Diese Gespräche setzten sie ab diesem Zeitpunkt an beinahe jedem Abend und teilweise auch bei der Reise fort.



    Versprengte Kämpfer - Die Reste der Nordfront

    Am 21. Boron erreichten sie die Baronie Rosdale, wo sich die nördliche Gaernison und die Front befinden sollte. Kaum hatten sie das Land der Baronie jedoch betreten, stießen sie auf einzelne, fliehende Menschen und versprengte Soldaten.

    Stordan stoppte den ersten Soldaten auf dem Weg und schaute ihm fest in die Augen. „Sag, was ist los. Was ist mit der Garnison und dem Kommandeur, wo steht die Front?“ Der einfache Soldat nahm einen Rest von Haltung ein und sagte: „Ich muss euch melden, dass der Feind am 13. Boron durchgebrochen ist. Der Kommandant Björn Torgennson gab das Kommando zum Rückzug. Seitdem ist der Feind durchmarschiert Richtung Landesinnere, nur vereinzelte Trupps sind noch hier. Wir halten sie auf, und fliehen gleichzeitig nach Norden, in die nächste sichere Zuflucht. Insgesamt konnten wir die Banner von 5 Schwärmen des Eises ausmachen, aber die meisten Soldaten von uns konnten sich dank der Heeresführer rechtzeitig zurückziehen.“ Stordan dankte dem Soldaten, schließlich erfüllte er seine Pflicht, dann nickte er den Anderen zu und ritt wieder los in Richtung der Festung.


    Schnell eilten sie weiter, viel Zeit wollten sie nicht in dieser Gegend verbringen. Dabei entschlossen sie sich, von der Feindesseite her auf die Garnison zuzureiten. Doch welche Garnison – der Feind hatte sie geschliffen, nur ein paar Überreste lagen noch auf dem Schlachtfeld davor. „Das war wohl nicht zu halten, aber wenn wir mehr erfahren wollen, müssen wir wohl oder übel dem Feind hinterher“, warf der Maray ein. Stordan nickte nur, in seinen Gedanken war er bei der Kompanie von Zackenbergern, die hier ihren Dienst verrichtet hatten. Er hoffte, das möglichst viele hatten entkommen können.

    So ritten sie weiter gen Westen, immer auf der Hut und bereit sich zu verteidigen.



    Eilige Reise zurück

    Sie waren jetzt schon eine Stunde mit schneller Geschwindigkeit vom Orte der letzten Schlacht, der ehemaligen Garnison, weggeritten. Die Pferde waren komplett verschwitzt und so langsam waren sie am Ende ihrer Kräfte. Wenn sie jetzt nicht eine Rast machen würden, wäre die Gefahr für Stürze viel zu hoch. Darum gab Stordan den Wink zum Halten. Der Gardist und 3 Mann der Bedeckung übernahmen die Absicherung der Gruppe, die edle Dame Charlotte von Bredenholm und der letzte Reiter aus Zackenberg kümmerten sich um die Pferde und die Vorräte und Laila a Lanka setzte sich zu dem verzweifelten Mugrim, der jetzt erkannte, dass seine Heimat wohl wirklich so nicht zu halten war.


    Der Maray und Stordan setzten sich ein wenig abseits, wollten sie doch das weitere Vorgehen besprechen. Stordan breitete dazu eine Karte der Freyenmark aus, um gemeinsam mit dem erfahrenen Kommandeur die nächsten Schritte sowie die Route zurück nach Zackenberg festzulegen. „Wir sollten uns die lange Route zur Küste und der Hauptstadt sparen“, sagten sie beide gleichzeitig und stellten mal wieder fest, dass ihr Gegenüber in militärischen Dingen ähnlich dachte. Sie knobelten stattdessen einen zwar gefährlichen, aber schnellen Weg aus. Sie wollten hinter der ersten Reihe der Schollen reiten, um die Flanke geschützt zu haben, allerdings war dies auch der leere Korridor, in dem es fast keine Siedlung mehr gab und wo das schwarze Eis freien Weg gehabt hatte. Dann würden sie wieder über Strötz reisen und direkt nach Norden ins heimatliche Zackenberg. Strötz bot den Vorteil, notfalls einen befestigten Rückzugspunkt in der Nähe zu haben. Sie nickten beide und brachen dann wieder auf.


    Am Abend des 24. Boron erreichten sie einen kleinen Weiler. Er wirkte so friedlich, die Einwohner nutzen das schöne Wetter und schlugen noch Holz im Dorf klein. Eine unwirkliche Fröhlichkeit lag über der Szenerie. Stordan ritt nach vorne und sprach den ersten Bewohner an, dem sie direkt begegneten. „Bringt mich zu eurem Meier, eurem Dorfschulzen.“ Der Mann nickte und schritt voran, summte dabei sogar ein fröhliches Erntelied. Der Maray schaute Stordan fragend an, aber auch der konnte nur mit den Schultern zucken. Als sie das Haus des Schulzen betraten, war dieser beim Abendessen angelangt. Schnell erkannte er, dass es sich bei der Gruppe um höhergestellte Persönlichkeiten handeln musste, war jedoch selbst zu sehr im freiheitlichen und jovialen Umgang gefangen. So sprach er:“ Na welch komische Typen hat mir denn da das Schicksal ins Haus gebracht.“ Stordan zuckte kurz ob der Anrede, hielt sich jedoch zurück. Dann erwiderte er: „Dies ist die Gesandschaft Orons aus dem Reich der Rosen, die auf Befehl des Archonten Karl Weber und auf Wunsch des Diplomaten derFreyenmark, Mugrim, und meinem eigenen, Stordan von Zackenbergs, hier in der Mark unterwegs ist, um sich Ein Bild von der Lage zu machen. Es ist euer Glück, dass unser Weg durch euren Weiler führt. Ihr müsst sofort das Notwendigste zusammenpacken und von hier Richtung Freyenpfalz oder Zackenberg fliehen. Das schwarze Eis ist nicht mehr weit und wird euch in ein paar Tagen vernichten, Strötz existiert nicht mehr. Versteht die Lage, niemand kann euch hier retten!“ Die anderen Reisemitglieder nickten grimmig ob der Worte, aber der Dorfschulze blieb immer noch seltsam ruhig. „Ach, das haben wir schon so oft gehört. Der Prinzipal hat uns immer gerettet, wir werden einfach weiter auf ihn und das Schicksal bauen. Seine Leute helfen uns schon. Außerdem ist das eh alles Teil eines großen Plans von ihm, die Verräter der Mark zu enttarnen.“ Dann machte er ein Pause, musterte sie eindringlich unf fuhr fort: „Darum sage ich euch: wehe, ihr verbreitet diese Verleumdungen hier im Dorf. Wir Hinterhammerbrücker stehen unauflöslich hier und hinter dem Prinzipal. Wir werden nirgendswo hingehen. Ihr könnt bis zum Morgen bleiben, aber dann müsst ihr weiterreisen.“

    Sie saßen immer noch recht ungläubig im Hause des Schulzen, als eine Magd hereinkam. Sie verbeugte sich und bat darum, dass Essen bringen zu dürfen. Außerdem hatte sie ein paar Schlafstellen für die Reisegruppe vorbereitet. Als sie aleine beim Essen waren, fragte die Edle aus Oronien: „Was für einen Wahn hat denn diese Menschen befallen?“ Stordan nckte nur traurig: „Leider gibt es mehr davon, Mugrim kann euch später sicher mehr dazu erzählen. Der tote Prinzipal hatte dieses Land aufgebaut und den einfachen Bürgern hier die gleichen Rechte wie dem Adel gegeben, ja sogar einen teilweise rechtsfreien Raum geschaffen. Sie klammern sich daran und an ihm als Person fest, manche verehren ihn trotz seines Endes wie einen Heiligen! Wir werden hier nichts ausrichten können, da wir morgen schnell weiter müssen, aber ich fürchte, diese Menschen sind leider verloren. Dies zeigt auch die innere Zerrissenheit dieses Landes zwischen altem Prinzipal und den Bestreitern neuer Wege. So konnte keine gemeinsame Armee entstehen und viele sind von dem Kampfe einfach gegangen, andere direkt nach der verlorenen Schlacht.“ Der Maray nickte und die Edle machte sich einige Notizen. Kurze Zeit später zogen sich alle leicht deprimiert zurück, nur Stordan und Charlotte redeten noch einen längere Zeit. Am nächsten Morgen, beim Zwielicht, brachen sie wieder auf, zurück gen Zackenberg.


    Ein ganz anderes Bild bot sich ihnen weniger als einen Tag später. Am Nachmittag, sie wollten gerade die letzte Rast des Tages einlegen, kamen sie auf ein halbes dutzend Leiterwagen mit Flüchtlingen zu. Die Männer, Frauen und Kinder waren müde und erschöpft, aber sie marschierten mit ihren Ochsenkarren gen Norden. Stordan ritt heran und fragte:“Wer seit ihr und wohin des Weges?“ Ein älterer Landwehrsoldat im Range eines Weibels löste sich aus der Gruppe. Stordan erkannte ihn, hatten sie doch beide gemeinsam an der mittlerweile zusammengebrochenen Frontlinie gekämpft. „Bjarnir Hilmirsson, ihr seid das doch. Erstattet mir Bericht.“ Das Gesicht des Mannes hellte sich ein wenig auf. „Baron, melde gehorsamst, die nördliche Front brach zusammen und wir zogen uns zurück. Ich eilte nach Hause, war ich mir doch der Gefahr für unsere Bürger bewusst. Außer mir sind noch 6 weitere Kämpfer hier, der Rest des Halbbanners ist gefallen. Wir bereiteten unseren Abmarsch in Ruhe vor, da erreichte uns heute morgen die traurige Nachricht. Sir Antonius ist als Heerführer zurückgetreten und mit euren Leuten auf dem Weg zurück in die Baronie, die Armee wurde aufgelöst. Jetzt ist sich jeder selbst der nächste und wir können uns so nicht verteidigen. Wir sind auf dem Weg nach Strötz.“ Stordan hörte genau zu, dann blickte er zu Mugrim und Abu Saig ibn Dun. „Die Lage ist noch schlimmer als befürchtet. Bjarnier, zieht weiter nach Norden bis zum Grenzfluß, von dort nach Porto Franco. Zu Mugrim gewandt fuhr er fort: „Ich weiß, ihr müsst jetzt auch nach Hause, so viel muss ein jeder von uns jetzt noch in seiner Baronie regeln. Wenn wir selbst keine Armee mehr haben, dann macht es aauch keinen Sinn mehr Unterstützungstruppen aus den Siegeln um Hilfe zu bitten. Wir sollten jetzt schnell evakuieren und so viele retten wie möglich. So hat es keinen Sinn, wenn müssen wir einen geplanten Großeinsatz mit Truppen aus allen Teilen des Landes organisieren, aber das kostet Zeit. Ersteinmal Leben retten, dann kommen wir wider. Nehmt das Pferd mit und reitet schnell nach Hause, ich werde unsere Gäste sicher zurück nach Holzbrück bringen.“ Mugrim nickte, dann verabschiedete er sich kurz von allen und ritt los. Stordan blickte dem Zwerg nach. Er kannte ihn nur kurz und doch war es für ihn eine vertraute Seele. Er hoffte, Mugrim würde es überstehen. Schließlich wandte sich Stordan dem Mary zu. „ihr seht sicherlich genauso wie ich, dass unsere Lage gerade deutlich gefährlicher geworden ist. Wir sollten uns beeilen.“ So brachen sie rasch wieder auf, um bis zur Nacht noch ein gutes Stück des Weges zurück zu legen.


    Die Nacht war kurz und unruhig gewesen, allzu oft waren sie hochgeschreckt. Aber mit dem Morgengrauen konnten sie wieder genug sehen und brachen auf. So erreichten sie zur Mittagszeit des 26. Boron die Abzeigung nach Dun Marrakazul und Strötz und blieben wie angewurzelt stehen. In ein paar Meilen Entfernung konnten sie auf einer Hügelkuppe 2-3 Sche wärme des schwarzen Eises sehen, die in die Richtung marschierten, in die auch sie eigentlich wollten. Instinktiv gab der Maray das Kommando: „Stop, wir müssen einen anderen Weg nehmen, alle nach rechts!“ Und Stordan ergänzte: „Wir müssen östlich ums Gebirge, um dann durch das ehemalige Norimar der Ritter Nerudins am Fluss entlang nach Zackenberg. Entweder wollen die Truppen die Zwergenbinge angreifen oder sie sind auf dem Weg zu uns. Wir werden jetzt nur noch Pause machen, wenn es unbedingt notwendig ist. Die nächsten 2 Tage werden stressig und auslaugend, aber das lässt sich nicht ändern!“


    Am Morgen des 28. Boron erreichten sie den direkten Flussweg nach Zackenberg. Sie hatten die Nacht im menschenleeren Norimar verbracht, zwar friedlich, aber dennoch unwirklich. Jetzt nach 2 Stunden scharfen Rittes, sahen sie ihr letztes und größtes Problem vor der Rückkehr. Das schwarze Eis zog einen Belagerungsring um Zackenberg, und auch wenn sie noch 24 Meilen von der Stadt entfernt waren, so mussten sie ihn trotzdem durchbrechen. Stordan und der Maray Abu Saig ibn Dun stellten ihre Pferde nebeneinander, dann beratschlagten sie sich. Sie hatten keine Zeit, konnten jeden Moment entdeckt werden und musst durchbrechen. Schließlich hatten sie einen Plan, sie würden mit den beiden Kutschpferden voran reiten, eine Bresche Schlagen. Die Anderen sollten durchbrechen, wobei Ridvan ibn Adil für die Sicherheit der beiden Damen Laila a Lanka und Charlotte von Bredenholm verantwortlich sein sollte, unterstütz durch 2 Mann vom Begleitschutz als Flankierung. Die beiden letzten Zackenberger sollten die zusätzlichen Pferde durchbringen. Wenn sie durch wären, würden der Maray und Stordan nachfolgen und die warscheinlich verletzten Pferde wechseln. Danach würden sie dann bis Zackenberg durchreiten.

    Ihnen viel keine bessere Lösung ein und so machten sie sich an die Umsetzung, wobei sie den beiden Kutschpferden zusätzlich eine Rüstung aus den Zeltplanen und den Schlafdecken, die sie für die Reise dabei hatten, bauten.


    Die Beiden brachen wie die Rache der Schöpfung über ihre Feinde herein, die sie wirklich überrascht hatten. Mit der ersten Welle töteten sie sofort die beiden Schützen, die größteGefahr für ihre Schutzbefohlenen, dann machten sie sich an den Rest, auch wenn sie insgesamt immer noch 6 Raks gegenüberstanden. Sie nutzten ihre erhöhte Position vom Pferd und schalteten zwei weitere Rakhs aus. Als sie dann eingekreist wurden, sprangen sie ab, kämpften Rücken an Rücken. Der Feind konzentrierte sich auf sie und so konnte der zweite Teil des Planes umgesetzt werden. Die Anderen brachen durch und die Bedeckung der Damen schaffte es sogar, noch 2 auftauchende Rakhs zu vernichten. Der Maray und Stordan hatten sich mittlerweile gegen die doppelte Übermacht einen Harten Stand, aber auf dem Schlachtfeld zeigt sich, woraus ein Mensch gemacht ist, und so schafften sie es, den Feind zu stoppen, auch wenn sie dabei einige Hiebe kassieren mussten. Ja es kam sogar dazu, dass siegleichzeitig jeweils dem Anderen das Leben retteten, indem sie für ihn einen Hieb kassierten, der den ungeschützten Hinterkopf des Anderen getroffen hätte. Leider jedoch konnten sie nicht vom Schlachtfeld reiten, da ihre Pferde trotz der Rüstung niedergestreckt worden waren. Den Göttern sei dank hatte Laila a Lanka die Situation erkannt und schickte Ridvan ibn Adil mit den Reitpferden der Beiden ihnen entgegen. So konnten sie, nachdem sie ihre letzten Feinde vernichtet hatten, mit einem kurzen Sprint doch noch zu Pferden kommen und waren rechtzeitig verschwunden, bevor die Verstärkung des schwarzen Eises eintraf.


    So schnell wie es die Pferde und ihre Verwundungen zuließen ritten sie weiter nach Zackenberg, immer in der Furcht vor einem weiteren Blockadering oder einer Patrouille. Alle schwiegen und hingen ihren Gedanken nach, da stimmte Charlotte ein Fürbittengebet an, leise, doch es schien sie alle zu durchdringen. Neuen Mutes ritten sie weiter, egal was da kommen möge.


    Am Nachmittag zur dritten Stunde hatten sie es geschafft. Sie waren wieder in Zackenberg, wo sie direkt zur Burg ritten. Stordan sagte noch einer Wache Bescheid, damit diese Federica und Dorian informierte ob ihrer Rückkehr und folgte dann der Gruppe.



    Ein Abend in Zackenberg

    Nach all den Strapazen lies Stordan erstmal Quartier und Zuber für die Gäste herrichten. Alle waren froh es geschafft zu haben, und die Müdigkeit breitete sich in ihnen aus, gefolgt von den schmerzenden Knochen und Muskeln von der langen Reiterei. Alle liesen sich in ihre Zuber sinken, wuschen sich den Schmutz der Straße ab. Danach zog man sich für 2-3 Stunden zur Ruhe zurück. Federica hatte im kleinen Rittersaal ein gemütliches Beisammensein organisiert, nur die Gesandschaft, Stordan, Dorian und sie. An diesem Abend wurde in vielen kleinen Gesprächen die Reise berichtet, die Schlussfolgerungen daraus diskutiert und ein Fazit gezogen.

    Allgemein stellten alle Beteiligten fest, dass der Bericht von Stordan und Dorian auf dem Hoftag sehr zutreffend war und leider auch die düsteren Prognosen mittlerweile eingetreten waren. Auch machten weitere Truppen keinen Sinn, solange es nicht eine neue Heeresführung und einen Schlachtplan gab.

    Zu späterer Zeit wurden die Gespräche dann privater, es bildeten sich Cliquen und so manches Gläschen wurde genossen.



    Rückkehr nach Holzbrück und ins Reich der Rosen

    Am Nächsten Morgen, dem 29. Boron, brach die Gesandschaft der Oronier wieder auf gen Holzbrück, um von dort mit Hilfe des Aeris-Tores nach Hause zu reisen. Stordan verabschiedete sie im Burghof. „Abu Saig ibn Dun, Laila a Lanka und auch ihr Ridvan ibn Adil. Ich hoffe, ihr habt alle notwendigen Erkenntnisse sammeln können und kehrt wohlbehalten zurück nach Hause, um seiner Exzellenz Bericht erstatten zu können. Ich werde euch von meinem Rittmeister, Vitus Daske und der gewohnten Bedeckung begleiten lassen. Ich kann nur aufrichtig dafür werben, diese Menschen zu retten, aber nicht sinnlos Soldaten hier in einer Zermürbungsschlacht zu verheizen. Denn wie ihr gesehen habt, kann der Feind überall auftauchen und auch Zackenberg muss sich jetzt einer Verteidigungsschlacht stellen. Die gegnerischen Truppen sind nur noch einen Tageslauf entfernt, aber wir werden schon genug Zeit für die Evakuierung herauskämpfen. Richtet seiner Exzellenz meine ehrerbietigsten Grüße aus und ich hoffe, ich kann euch wiedersehen, um unsere guten und immer freundschaftlicheren Bande weiter zu festigen und mit Leben zu füllen. Mögen die Götter euren Weg schützen.“

    Der Maray nickte ihm kurz zu, dankte für die Hilfe und die Gastfreundschaft, auch im Namen seiner Gesandschaft, und brach auf. Im Kopf formulierte er schon die Botschaft an seine Exzellenz, den Archonten Karl Weber.

    Dann wandte er sich noch kurz an den Rittmeister: “Vitus, ihr werdet mit den Männern nicht hierin zurückkehren, sondern euch zu den Stallknechten mit dem Vieh begeben und dafür sorgen, dass es über Holzbrück zum Hafen gelangt. Dort werden wir es zu späterer Stunde mit euch verladen. Ihr habt das Kommando!“

    Stordan gab den Reisenden den Weg frei und sie ritenn Fort. Still sprach er ein Gebet für ihre sichere Heimkehr, dann wandte er sich wieder um gen Rüstkammer, noch heute würde der Evakuierungskampf beginnen.


    Abu Saig ibn Dun, Laila a Lanka und Ridvan ibn Adil, die oronische Gesandschaft, erreichten Holzbrück nach zwei Tagen ohne weitere Probleme und konnten direkt zum Aeris-Portal. Von dort aus führte sie der Weg nur noch Heimwärts, zu Freunden und seiner Exzellenz.